Kulturprogramm „Die iranische Moderne“

Das Kulturprogramm “Die iranische Moderne” präsentiert ein anderes, überraschendes Bild des heutigen iranischen Kulturlebens. Es bemüht sich um eine nuancierte, kulturell vielfältige Lesart des zeitgenössischen Irans und spürt der Suche nach der iranischen Moderne in Philosophie, Musik, Bildender Kunst und Literatur nach. 

Wurde der zeitgenössische Diskurs im Iran oftmals als antagonistisches Spiel von Islam und Säkularismus, von reaktionären und revolutionären, regressiven und progressiven Kräften beschrieben, so vermittelt das heutige kulturelle Leben im Iran ein sehr viel komplexeres Bild. Die Vorstellung einer fortschreitenden Dialektik moderner und anti-moderner Kräfte führt in die Irre. Fraglich ist vielmehr, was die “Moderne” ist oder sein soll, die man für sich in Anspruch nimmt. Die iranischen Philosophen Meysam Sefidkhosh und Hossein Mesbahian werden sich daher bei der Auftaktveranstaltung zum Programm „Die iranische Moderne“ mit der Kontextualität des Moderne-Begriffs und konkurrierenden Narrativen im iranischen philosophischen Diskurs auseinandersetzen.  

Heutige Kunstszene im Iran

Bedeutende Ausstellungen und Publikationen, steigende Preise auf internationalen Auktionen: Bildende Kunst aus dem Iran erfährt in den vergangenen Jahren enorme Aufmerksamkeit. Fereydoun Ave, Maler und zentrale Figur der Teheraner Kunstszene, Anahita Ghabaian, Leiterin der „Silk Road Art Gallery“, der Kurator Alireza Labeshka und das Künstlerpaar Ramin Etemadi-Bozorg und Esha Sadr berichten über die Bedingungen unter denen Künstler im Iran arbeiten und wie sich westliche Klischees über den Iran auf ihre Kunst auswirken. Azin Feizabadi, im Iran geboren und heute als Filmemacher in Berlin tätig, wird gemeinsam mit der Berliner Medienkünstlerin Anahita Razmi und dem Teheraner Galleristen und Kurator Behzad Nejadghanbar die Frage stellen, inwiefern sich der Blick von exiliranischen Künstlern auf ihre Heimat von iranischen Künstlern unterscheidet.  

Zwischen Avantgarde-Electronica und Afro-Iran

Im Rahmen des CTM-Festivals wird Ata 'Sote' Ebtekar mit dem gefeierten audiovisuellen Komponisten Tarik Barri und den Instrumentalisten Arash Bolouri und Behrouz Pashaei kollaborieren. Ihre Verschmelzung von elektronischen Klängen mit traditionellen akustischen Instrumenten verspricht eine „persische Techno-Apokalypse“. Siavash Amini und 9T Antiope sind als weitere Vertreter der pulsierenden Szene klanglichen Experiments in Teheran eingeladen. Mehdi Saki und seine Band Kamakan stammen aus dem Süden Irans, sie gehören zur arabischsprachigen Gruppe der Iraner. Was ein Glücksfall, dass sie das Persische, Afrikanische, Arabische in ihrer Musik bewahren und damit das Weddinger ‚Silent Green’ zum Tanzen bringen werden.  

Literatur der Ferne und der Heimat

Wie bleibt man sich im Schreiben treu? In der Genauigkeit, Beweglichkeit und Originalität der Sprache - aber auch in der Virtuosität, mit der man Grenzen von Wahrheit und Fiktion, Selbsterkenntnis und Rollenspiel unterläuft. Das wollen wir von den iranischen Schriftstellern Nahid Tabatabai, Belgheis Soleymani und Nasim Marashi wissen. Mahmud Doulatabadi hat wie kein anderer Schriftsteller die moderne iranische Literatur geprägt. Viele seiner Bücher stehen dennoch auf dem Index. Nun spricht er mit Iris Radisch über seinen neuen Erzählband über Flucht und Migration. Shahryar Mandanipur und Amir Hassan Cheheltan begegnen sich nach Jahren in getrennten Welten wieder auf einer Bühne. Mandanipur lebt seit Jahren an der amerikanischen Ostküste, Cheheltan in Iran. Sie sprechen über die iranische Literatur der Ferne und der Heimat. Die in Deutschland geborene Autorin Shida Bazyar spannt ihrem brillanten Debütroman „Nachts ist es leise in Teheran“ den literarischen Bogen über zwei Generationen zurück bis zum Vorabend der Islamischen Revolution. Es entfaltet sich ein Kaleidiskop an Wünschen, Hoffnungen und Träumen - verdichtete iranische Geschichte und Geschichten. 

Das Kulturprogramm „Die iranische Moderne” organisiert das Goethe-Institut in enger Kooperation mit dem Literarischen Colloquium Berlin, dem CTM-Festival, der Freien Universität Berlin, der Schaubühne Berlin, dem Hebbel am Ufer und weiteren Partnern. Gefördert wird das Kulturprogramm durch das Auswärtige Amt.