Digitale Live-Veranstaltung Deutschland. Deine Nachbarn BENELUX.

Europa. Deine Sprachen. ©Screenshot Europanetzwerk Deutsch

Do, 22.10.2020

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit als Motor für die mehrsprachige Kommunikation?

„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“

(Wittgenstein)


Die folgende Diskussionsrunde, wieder im virtuellen Raum, war der Benelux-Region gewidmet, die über eine weitreichende Tradition grenzüberschreitender Zusammenarbeit verfügt. In dem bereits 1958 geschlossenen Benelux-Vertrag stand vor allem eine Wirtschaftsunion im Vordergrund mit der Möglichkeit von freiem Austausch von Waren, Arbeitskräften, Dienstleistungen und Kapital. Diese europäische Vorreiterrolle der Großregion Benelux wurde im Benelux-Vertrag von 2008 erneut bestätigt und weiterentwickelt.

Dem Eindruck von Martin Kotthaus, Botschafter der BRD beim Königreich Belgien, nach sei diese Region „das perfekt gelebte praktische Europa“, wo man über die Grenzen hinweg lebe.

Sowohl Botschafter Kotthaus als auch Luuk von Middelaar, in Brüssel lebender niederländischer Historiker, Politikphilosoph und Autor, sowie Jean Graff, Botschafter des Großherzogtums Luxemburg in Deutschland, betonten den Reichtum, den Mehrsprachenkompetenz auf persönlicher, beruflicher und wirtschaftlicher Ebene mit sich bringe. Dies sei umso wichtiger, da Sprache mehr transportiere als Information, nämlich auch Kultur, Geschichte und Emotionen in sich trage. Daher könne ein Wort in unterschiedlichen Sprachen ganz verschiedene Konnotationen hervorrufen. Gerade deswegen sei Spracherkenntnis so wichtig, um gemeinsam – in der Grenz- und Großregion sowie auf gesamteuropäischer Ebene – Politik zu machen.

Fehlt eine gemeinsame Sprache, so erschwere dies die Bildung einer Öffentlichkeit. Dies besprachen die Diskutanten am Beispiel von Belgien, wo sie eine tendenzielle Auseinanderentwicklung der Sprachgemeinschaften beobachteten, nicht zuletzt auch dadurch, da vornehmlich die regionalen Funk- und Presseangebote wahrgenommen würden.

Und auch institutionell müsse Mehrsprachigkeit gelebt werden: Denn auch wenn Bewohner*innen von Brüssel beispielsweise ihren Kindern Mehrsprachigkeit vermitteln wollten, so fehle das entsprechende Angebot zweisprachiger Schulen.

 
Es diskutierten

Martin Kotthaus
Botschafter der Bundesrepublik Deutschland beim Königreich Belgien
 
Luuk van Middelaar
Historiker, Politikphilosoph und Autor, Niederländer in Brüssel 

Jean Graff
Botschafter des Großherzogtums Luxemburg in Deutschland
 
Moderation:
Kristina Cunningham
Leitende Referentin für die Politik der Mehrsprachigkeit in der Europäischen Kommission
 


Eine Veranstaltung des Europanetzwerks Deutsch des Goethe-Instituts anlässlich der deutschen EU-Ratspräsidentschaft, in Zusammenarbeit mit der EU-Kommission, Generaldirektion Bildung und Kultur (DG EAC) sowie der Vertretung der EU-Kommission in Deutschland. Das Europanetzwerk Deutsch wird gefördert durch das Auswärtige Amt.
 

Zurück