Berliners in the Country Out to the village!

Heidi Görss, lives in Wendtshof and works there in an institution for the mentally ill.
Heidi Görss, lives in Wendtshof and works there in an institution for the mentally ill. | Photo (detail): Tobias Schäfer

Live in the big city or in the country? Immersed in urban diversity or enjoying nature and rural peace? A question that surely everyone has asked himself sometime. Probably because it is about more than simply where to live. Behind the alternative “Town or Country” lie very individual dreams and ideas about life.

In purely statistical terms, the trend in Germany is towards big city life. In recent years Berlin has been growing steadily. While population in surrounding rural regions melts away, with the exception of the exurbs, the “capital city effect” constantly attracts people to the metropolis: the job, the pubs, the theatre, the cinemas, the high-class Italian restaurant – all lie more or less at the doorstep. In return, one puts up with building site noise and the over-crowded Tube.

But they exist: Berliners who move to the country. They are drawn to a life with its very own quiet charm: no hood, but your own garden. A big house, which would have cost a fortune in Berlin. Little culture, but forest, meadows and pastures at the doorstep, perhaps even a lake. No scrambling and pushing, but marvellously fresh air. And suddenly you have lots and lots of room – not only at the doorstep, but also in your head – and opportunities of living out very different dreams. Out to the village! – Nine Berliners tell why they have turned their backs on the city and how they are doing.
 

  • Heidi Görss, lebt in Wendtshof und arbeitet dort in einer Einrichtung für psychisch Kranke. ©
    Heidi Görss, lebt in Wendtshof und arbeitet dort in einer Einrichtung für psychisch Kranke.

    „Vor zwölf Jahren erfüllte ich mir mit meiner siebenjährigen Tochter den Traum, in der Natur und mit Tieren zu leben. Ich kaufte einen Hof mit Hühnern, Schafen, Ziegen, Pferden, hatte einen Hofladen und viel Arbeit. Trotzdem: Die Uhren ticken anders auf dem Land, alles ist ruhiger, schöner, freundlicher. Das wird mir auch nicht langweilig, im Gegenteil. Im letzten Jahr habe ich den Hof verkauft, aber auf dem Land bin ich geblieben. Bei der Initiative ‚Land in Sicht‘ bekam ich die Chance, die ambulante Betreuung aufzubauen.“
  • Margarete Eisele, Grafikerin, lebt ebenfalls in Wendtshof. ©
    Margarete Eisele, Grafikerin, lebt ebenfalls in Wendtshof.

    „Wir sind vor dem ständigen Baulärm geflüchtet. Drei Monate haben wir gesucht, und vor sechs Wochen sind wir umgezogen. DSL ist in meinem Beruf das A und O, außerdem muss eine Druckerei in der Nähe sein. Ich bin hier kreativer und ich arbeite schneller. Es flutscht einfach. Mein Tinnitus ist nicht mehr so schlimm, und auch die beiden Hunde sind glücklicher. Das Haus haben wir zunächst für fünf Jahre gemietet, danach entscheiden wir neu. In fünf Jahren sind wir hier von Windrädern umzingelt. Die machen Geräusche, das war mir vorher nicht bewusst.“
  • Egon Buddelmann, evangelischer Lektor, zog mit seiner Familie von Berlin-Wedding nach Damm in Brandenburg. ©
    Egon Buddelmann, evangelischer Lektor, zog mit seiner Familie von Berlin-Wedding nach Damm in Brandenburg.

    „2005 bin ich aus meinem Job als Intensivpfleger in der Herzklinik der Charité ausgeschieden. Mir war klar, zehn weitere Jahre in dem Beruf würde ich nicht überleben. Dann haben meine Frau und ich ein Haus gesucht. Sie wollte einen Garten, ich wollte ungarische Wollschweine züchten. Leider ging die Kosten-Nutzenrechnung nicht auf. Dafür halten wir nun Schafe, Enten und Hühner. Im Dorf bin ich gut angekommen und habe mich der örtlichen Kirche angeschlossen.“
  • Andreas Dalibor, gründete das Theater „… tiefste Provinz“ in Kremmen. ©
    Andreas Dalibor, gründete das Theater „… tiefste Provinz“ in Kremmen.

    „Aufs Land gezogen bin ich, um mit Freunden Musik zu machen und Spaß zu haben. Ich habe damals für ein Kinderheim in Berlin gearbeitet und drei von den Jugendlichen bei mir aufgenommen – ich bin Sozialarbeiter –, nebenbei Musik gemacht und irgendwann eine alte Scheune als Proberaum gekauft. Daraus wurde schnell ein Veranstaltungsraum, der mittlerweile weit über Kremmen hinaus bekannt ist. Inzwischen betreibe ich drei Kinderhäuser und produziere wieder eigene Musik. Der Umzug nach Brandenburg war das Beste, was ich je gemacht habe.“
  • Markus Baum und Raimund Lippert kauften 2005 einen 400 Jahre alten Bauernhof in Drobitz. ©
    Markus Baum und Raimund Lippert kauften 2005 einen 400 Jahre alten Bauernhof in Drobitz.

    „Der Hof ist sehr groß, wir wissen, dass wir hier nie wirklich fertig werden. Wir wollen seinen Charakter erhalten, auch wenn wir ihn anders nutzen. Wir haben uns eigene Wohnräume geschaffen und den alten Pferdestall ausgebaut, den wir für Veranstaltungen vermieten. Der Hof war über die Jahrhunderte immer in Veränderung und auch was wir jetzt daraus machen, ist im Fluss. Er ist dennoch unsere sichere Basis: Wenn der Euro baden geht, können wir immer noch Rüben anbauen.“
  • Klaus Selmke, Schlagzeuger der Berliner Rockband City, lebt mit seiner Frau seit acht Jahren in Lehnitz. ©
    Klaus Selmke, Schlagzeuger der Berliner Rockband City, lebt mit seiner Frau seit acht Jahren in Lehnitz.

    „Ich wollte schon immer am liebsten einen weiten Blick haben und in der Nähe des Wassers leben. Idealerweise wäre das auf einem Berg über dem Meer: So gesehen war es ein schöner Kompromiss, nach Lehnitz an den See zu ziehen. Der Blick ist weit genug und außerdem konnte ich mir ein eigenes Studio einrichten. Jetzt kann ich einfach nach hinten gehen und los spielen – das ginge in der Großstadt nicht. Und wenn man die Stadt vermisst, ist man in einer halben Stunde in Berlin.“
  • Torsten und Simone Sielaff, Krankenpfleger und Krankenschwester, geben einer alten Mühle in Rotta neue Energie. ©
    Torsten und Simone Sielaff, Krankenpfleger und Krankenschwester, geben einer alten Mühle in Rotta neue Energie.

    „Wir haben dieses Mühlen-Areal, einen Vier-Seiten-Hof mit Mühlteich, 2011 gekauft. Hier ist seit Jahrhunderten Müllerei, Gartenbau, Tier- und Fischzucht betrieben worden, jetzt ist alles ziemlich verfallen. Wir wollen es zu einem Wohnprojekt mit Ausflugscafe und Ferienwohnungen umbauen. Den Mühlteich mit seiner Wasserkraft wollen wir zur Stromerzeugung nutzen, über einen Wärmetauscher soll er Heizenergie liefen. Ein Projekt für die nächsten zehn Jahre, aber man braucht ja eine Aufgabe im Leben.“
  • Bildhauer Lothar Seruset lebt seit sieben Jahren mit der Künstlerin Anna Arnskötter in Lentzke. ©
    Bildhauer Lothar Seruset lebt seit sieben Jahren mit der Künstlerin Anna Arnskötter in Lentzke.

    „Für uns als Bildhauer ist Platz wichtig. Das Haus hat 400 Quadratmeter: Vorne im ehemaligen Pferdestall wohnen wir, es gibt einen Lagerraum, einen Druckraum, mein Atelier ist Teil einer alten Brennerei. Dort finden die groben Holzarbeiten statt, ich arbeite viel mit der Kettensäge. Es ist angenehm, alles an einem Ort zusammenzuziehen und ich werde nicht so abgelenkt wie in der Stadt. Aber der Bezug zu Berlin ist wichtig – um nicht zu vereinsamen und die Freunde nicht aus den Augen zu verlieren.“
  • Harald Heil, gründete mit seiner Frau Jutta Spangenberg das Feriengelände Eichhof im Naturschutzgebiet bei Lychen. ©
    Harald Heil, gründete mit seiner Frau Jutta Spangenberg das Feriengelände Eichhof im Naturschutzgebiet bei Lychen.

    „In Berlin war ich in sozialen Projekten tätig. Als die Mauer fiel, war mir sofort klar, dass ich etwas auf dem Land aufbauen möchte, wo ich mit Menschen leben und arbeiten kann. Es dauerte eine Weile, bis Jutta und ich das passende Objekt gefunden hatten. Den 6,5 Hektar großen Eichhof für Familien, Kinder- und Seminargruppen herzurichten war in jeglicher Hinsicht eine Herausforderung. Die Stadt vermissen wir selten. Manchmal fahren wir für ein paar Tage zu Freunden nach Berlin. Das ist schön, aber danach sind wir froh, wenn wir wieder hier sind.“