Deutsche Saison Katar 2017
Dokumentionen

Interview mit The Constitute

Die deutschen Designer Christian Zöllner und Sebastian Piatza  stellten ihre Designarbeiten während der Tasmeem Designbiennale der Virginia Commonwealth University Doha vor. Seit 2012 arbeiten sie zusammen als The Constitute und entwickeln innovative Designkonzepte an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft. Wir haben ihnen drei Fragen zu ihrer Arbeit in Katar und zu ihrem Aufenthalt gestellt. 

The Constitute © The Constitute Dies war euer erster Besuch in der Golfregion. Wie habt ihr Doha als Stadt empfunden? Was ist euch besonders aufgefallen?

Doha ist sauber: Keine Graffiti, keine Zigaretten auf den Straßen, kein Müll in den Ecken. Das hat uns, die wir aus dem vermeintlich armen und trotzdem sexy Berlin kommen, schon sehr verwirrt. Und die Tatsache, dass es ausschließlich Gastarbeiter sind, die für diese Ordnung sorgen auch. So stellt man sich erst mal keine Großstadt vor, zumindest keine wie wir sie kennen. Aber es war eine interessante Erfahrung, einmal so ein ganz anderes Bild von Urbanität zu entdecken. Besonders aufgefallen sind uns die unzähligen Baustellen. Diese Stadt scheint im ständigen Wandel zu sein und entwickelt sich rasant.

Es ist richtig, dass die Bevölkerung Katars sehr international und divers ist. Das trifft auch für die Studenten der Virginia Commonwealth University zu. Ihr habt im Programm der Tasmeem Design Biennale mit Studenten unterschiedlicher Nationalitäten zusammengearbeitet. Wie war diese Zusammenarbeit für euch?

Verschleierte Frauen kennen wir ja aus unserem Straßenbild auch. Toll war mit ihnen in Doha gemeinsam an Designs zu arbeiten. Zunächst gab es hier sicherlich eine Distanz, aber diese wurde in der Zusammenarbeit sehr schnell immer kleiner. Gewöhnungsbedürftig für uns war, dass diese Distanz körperlich immer erhalten bleibt und man sich nie die Hand geben würde. Das ist bei der Zusammenarbeit mit Studenten in Deutschland natürlich ganz anders. Wenn man hier an einem Werkstück zusammenarbeitet, ist die Distanz viel geringer. Aber trotz dieser physischen Distanz war eine Zusammenarbeit sehr gut möglich. Und es war sehr interessant, den speziellen Stil und Blickpunkt auf Form und Gestalt der katarischen Studentinnen kennen zu lernen.

Was nehmt ihr mit aus dem Besuch und der Zusammenarbeit mit den Studenten und Studentinnen in Katar?

Was uns als Gedanke durch den Besuch nachhaltig beschäftigt, ist die Frage wie sich eine europäische Gesellschaft ändern würde, wäre wie in Katar für das persönliche Auskommen von staatlicher Seite gesorgt. Ist Katar an dieser Stelle den Europäern bereits Generationen voraus? Und sehen wir hier die Auswirkungen eines passgebundenen Grundeinkommens, gepaart mit extremen klimatischen Verhältnissen? Darüber denken wir noch immer nach. Könnte man ein schönes Design Fiction Projekt zu entwickeln.
Was wir aber eigentlich vermissen werden, sind die Kamele vorm Hotel im Souq Waqif. Die haben jeden Morgen bei uns für ganz besondere Freuden gesorgt und uns klar gemacht, dass wir hier eigentlich in einer Oase in der Wüste sind.