DEUTSCHE SAISON KATAR 2017
Dokumentionen

Interview mit Street Artists Kera und QUINTESSENZ

Der deutsche Street Artist Kera kommt zusammen mit seinem Künstlerkollegen Tomislav Topic von QUINTESSENZ im Oktober 2017 nach Doha. Gemeinsam gestalten sie als Teil des Programms der Deutschen Saison Katar 2017 Wände der Doha Fire Station. Wir haben ihnen vorab vier Fragen zu ihrer Arbeit und dem bevorstehenden Aufenthalt in Doha gestellt. 

Kera © Dan Green Sie leben beide in Berlin, einer Stadt, in der auch viele arabische Künstler leben. Haben Sie bereits mit arabischen Künstlern zusammengearbeitet? Und welche Erfahrungen haben Sie diesbezüglich gemacht?

QUINTESSENZ: Der Kontakt zu arabischen Künstlern blieb bis jetzt leider aus. Dies ist zudem die erste Reise in ein arabisches Land. Wir sind gespannt, ob wir Kontakte knüpfen und ins Gespräch kommen, sei es mit anderen Künstlern oder eben Anwohnern vor Ort.

KERA: Bis jetzt habe ich leider noch keine arabischen Künstler kennenge­lernt. Ich habe in der Vergangenheit an Schulen und in Flücht­lingsunterkünften Workshops gegeben, an denen auch arabische Kinder und Erwachsene teilgenommen haben. Dabei habe ich sehr schöne und herzliche Erfahrungen gemacht, die Menschen waren sehr offen und hilfsbereit.

Kera, Ihr Stil ist eher geometrisch und folgt klaren Linien. Auch in der arabischen Kalligrafie gibt es Stile, die sich an geraden Linien und geometrischen Formen orientieren. Sehen Sie Bezugspunkte in Ihrer Arbeit vielleicht nicht zur Arabischen, aber zur europäischen Kalligrafie? 

Das stimmt, ich arbeite sehr grafisch und abstrakt. Dabei gibt es jedoch keinen Bezug zum Gegenständlichen, auch keinen zu Buch­staben, obwohl viele Betrachter häufig welche in meinen Arbeiten entdecken. Da ich aber aus dem klassischen Graffiti komme, habe ich mich über mehr als ein Jahrzehnt mit Buchstaben beschäftigt, und somit fasziniert mich der Charakter der Linie eines Buchstabens. Majestätische Schriften, sowohl in der arabischen als auch in der europäischen Kalligrafie, strahlen auf ihre jeweils eigene Weise Sta­bilität aus. Auch in meinen Bildern kann man von Stabilität sprechen, nicht zuletzt aus der geometrischen Struktur kommend.

Quintessenz ist viel international unterwegs. Was macht die Arbeit in anderen kulturellen Kontexten für Sie spannend?

QUINTESSENZ: Von den Unterschieden innerhalb des  eigenen Landes bis hin zu den kulturellen Unterschieden in anderen Ländern ist alles spannend. Für uns ist es wichtig, ortsbezogen zu arbeiten, die Form und Farbsprache eines Landes zu erkennen, zu fühlen und aufzugreifen. In unserer abstrakten Arbeitsweise steckt immer auch eine Art Recherche. Daher birgt jede Arbeit mehr Erfahrung und Kultur in sich, als das vielleicht auf den ersten Blick sichtbar ist. Jede Arbeit an einem anderen Ort, ob Malerei oder Installation, erzählt und hinterlässt eine andere Geschichte vor Ort und in uns. Die Entdeckungen und Begegnungen formen uns als Künstler auf verschiedensten Ebenen und führen uns auf neue Wege.

Dies ist für Sie beide Ihr erster Aufenthalt in Katar. Was, denken Sie, erwartet Sie in Doha? Was haben Sie sich für Ihren Aufenthalt in Katar vorgenommen?

QUINTESSENZ: Wir denken, dass wir in ein Land reisen, das wir vorher so nicht gesehen haben. Aufgrund der kulturellen und religiösen Unterschiede werden wir ganz neue Begegnungen haben und hoffentlich mit den Menschen vor Ort ins Gespräch kommen. Vorgenommen haben wir uns  erstmal nichts, denn Priorität hat vorerst die Wandmalerei. Die Erfahrung zeigt aber, dass immer noch etwas Platz für Entdeckungstouren ist. Wir sind wirklich sehr gespannt.

KERA: Ich freue mich sehr auf Katar und bin schon gespannt auf die Stadt Doha, die vielen Eindrücke, die Menschen dort, und probiere das in meine Arbeit abstrakt einfließen zu lassen. Es interessiert mich, etwas von der modernen arabischen Kunstszene am Arabischen Golf aufzu­nehmen, ein Austausch oder möglicherweise eine Kollaboration mit arabischen Künstlern vor Ort wäre auch sehr bereichernd. Für mich ist es sehr reizvoll, ein Kunstwerk oder Wandgemälde in der Stadt zu hinterlassen, woran sich auch die dort lebenden Menschen erfreuen, nachdem ich wieder weg bin, sei es im öffentlichen Raum oder in einem Gebäude.