Vortrag und Filmvorführung Intolerance

INT © Intolerance (2016)

Mi, 11.09.2019

Cinema Akil

Warehouse 68,
Alserkal Avenue, Al Quoz Industrial District
Dubai

Tolerance Film Festival

Regie: D.W. Griffith
Stummfilm, USA 1916
167 Min.
 
Restaurierte Fassung von Kevin Brownlow und David Gill (1989), mit Musik von Carl Davis
 
Mit einer Einführung von Dr. Alexander Schwarz (Filmhistoriker und Kurator, München) zur Bedeutung, den Hintergründen und der heutigen Relevanz des Films
 
Solch ein Riesenspektakel hatten Hollywood und die Welt bis dahin noch nie erlebt. David Wark Griffith wollte das größte Filmepos der damaligen Filmgeschichte schaffen. Er gab dafür als unabhängiger Produzent und Regisseur unerhörte Summen aus, ließ gigantische Kulissen errichten und Zehntausende von Statisten aufmarschieren. Es war sein Herzensanliegen, eine grandiose soziale und historische Vision. Er hielt den Menschen den Spiegel vor. Damit versuchte er tatsächlich Amerika und die ganze Menschheit im Inneren zu bewegen: zu mehr Frieden, Menschlichkeit und Empathie, zu Menschenwürde, Toleranz, Gerechtigkeit und Fortschritt, gegen Gewalt, Hass, Unterdrückung, Todesstrafe, Imperialismus, Verfolgung, Krieg – und für die Liebe.
 
Dafür verließ er die sich damals etablierenden Bahnen klassischer Dramaturgie und schuf eine komplexe, fast philosophische Konstruktion. Filmtechnisch war er nicht nur ein Pionier, der „Vater des amerikanischen Films“. Er war auch ein begnadeter Innovator der Filmsprache, in seinem Umgang mit Raum, Bewegung, Rhythmus, Licht, Symbolen, Text (in den Zwischentiteln) und Farbe (durch Viragierung) – einer der größten Regisseure, die es je gab. Und „Intolerance“ war sein allergrößtes Projekt.
 
Vier Handlungsstränge werden verwoben, mit enormem Fleiß recherchiert und nachgebaut sowie auch mit nie dagewesenen Massenszenen präsentiert: Die zeitgenössische „Moderne“ der USA, das biblische Judea im ersten Jahrhundert nach Christus, das Massaker der St. Bartholomäus-Nacht im Frankreich des 16. Jahrhunderts – und Babylon zur Zeit der persischen Belagerung im 6. Jahrhundert vor Christus.
 
Doch das sind für Griffith nur Beispiele, um die universelle Gefahr der aus kapitalistischer Gier, religiösem Fanatismus und imperialistischem Streben heraus motivierten Intoleranz zu demonstrieren. Sein Appell für die Macht und Kraft des Individuums, das trotz all dem bestehen kann, ist zwar zur Zeit des Ersten Weltkrieges gedreht, aber tatsächlich so bahnbrechend wie zeitlos.
 
Intoleranz ist Dasjenige in unser aller Wesen, das uns all die verurteilen lässt, die etwas anderes glauben als wir. So war es zu allen Zeiten; soweit die Geschichte zurückreicht, war Intoleranz Grund für mehr Blutvergießen als jegliche anderen Ursachen zusammengenommen. Wie wahr, dass Intoleranz sich hinter dem Schleier der Rechtschaffenheit verbirgt, um so noch mehr Einfluss auf die Menschen auszuüben.“ (Anfangszwischentitel, verfasst von D. W. Griffith: Zeilen aus dem „Buch der Intoleranz“)
 
Dr. Alexander Schwarz (München) war nach dem Film- und Literaturstudium Executive Producer bei einem deutschen TV-Sender, half Discovery Channel auf dem deutschen Markt aufzubauen und leitete Marketing, Presse und On-Air-Promotion von Discovery Networks Europe in London. 2004 gründete er seine Development- und Projektentwicklungsfirma “Tolle Idee!“ Er arbeitet seitdem als Kurator von Filmprogrammen und Ausstellungen, entwickelt Crossmedia-Konzepte und dreht archivfilm-gestützte TV-Dokumentationen. Derzeit ist er auch Lehrbeauftragter für Filmgeschichte an der Universität Basel und an verschiedenen deutschen Institutionen.

Der Trailer von „Intolerance”

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