Auf der Suche nach Talent – die Kulturagenten

Seit zweieinhalb Jahren organisieren die Kulturagenten kreative Projekte an deutschen Schulen. Ihr Ziel: Kooperationen zwischen Künstlern und Lehrern schaffen.

Mirtan Teichmüller ist ein Mann, der sehr viel lacht, gern erzählt und ein gutes Gespür für Menschen hat. Er passt perfekt zu der Stelle, die er ausübt: Teichmüller arbeitet als Kulturagent in Konstanz am Bodensee. Ein Kulturagent ist ein Vermittler zwischen Schule und Kultur. Engagiert wurde Teichmüller von Forum K&B, einer gemeinnützigen GmbH und Träger des Programms „Kulturagenten für kreative Schulen“. Es ist 2011 von der Stiftung Mercator und der Kulturstiftung des Bundes initiiert worden.
 
 
Durch das Programm soll die kulturelle Bildung an Schulen ergänzt und erweitert werden. An 138 Schulen in den fünf Bundesländern Baden-Württemberg, Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Thüringen organisieren 46 Kulturagentinnen und Kulturagenten zusammen mit Lehrern, Eltern, Schülern und Künstlern kreative Workshops, Projektwochen und Ausflüge. Nicht nur begleitend zu den typisch kreativen Fächern wie Musik, Kunst oder Darstellen und Gestalten werden Projekte angeboten, sondern auch ergänzend zu den Naturwissenschaften. Ihre Aufgabe ist dabei eher die Vermittlung zwischen Schulen und Kulturschaffenden, weniger die unmittelbare kulturelle oder künstlerische Projektarbeit mit Schülern.
 
Die Schüler können so neben dem Unterricht lernen, Mode zu entwerfen, zu rappen, zu fotografieren, zu tanzen, Videos zu drehen oder kleine Radiobeiträge zu produzieren. Das Programm versucht, all das aufzufangen, was sonst zu kurz kommt im Unterricht – oder in der Freizeit der Kinder. Einige von ihnen haben nur selten die Möglichkeit, ins Theater, in die Oper oder ins Ballett zu gehen.

Kulturelle Projekte fördern das Selbstbewusstsein

Doch das Kulturagenten-Programm will mehr: Es gibt Schülern, die im „normalen“ Unterricht vielleicht nicht so gut sind, eine neue Perspektive. Wenn diese Schüler in anderen Bereichen erfolgreich sind – etwa gut zeichnen können oder ein Gespür für Tanz haben – dann fördert das ihr Selbstbewusstsein. Mit dem Kulturagenten-Programm sollen Talente und individuelle Fähigkeiten aufgespürt und gefördert werden. So sieht es auch Ursula Zacher. Die Lehrerin arbeitet an der Rosa-Parks-Schule in Herten im Ruhrgebiet als Kulturbeauftragte: Sie kümmert sich besonders um kulturelle Projekte und arbeitet eng mit den Kulturagenten zusammen. Zacher sagt, kulturelle Bildung fördere den Teamgeist.
 
 
Das Modellprogramm ist auf vier Jahre angelegt. Nun ist mehr als die Hälfte der Laufzeit verstrichen. In den ersten zwei Jahren wurden mehr als 760 künstlerische Projekte beantragt, die über den Kunstgeld-Fonds mit rund 4,7 Millionen Euro gefördert worden sind. Aus diesem Fonds stehen für den gesamten Projektzeitraum über 7 Millionen Euro für die Projekte der Kulturagenten zur Verfügung. An den Schulen sind die Kulturagenten inzwischen ein fester Bestandteil. „Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass dabei vielfältiges Erfahrungswissen entsteht, das später auch anderen Schulen zur Verfügung stehen wird“, sagt Sybille Linke, die programmleitende Geschäftsführerin bei Forum K&B.

Ein Großteil der Lehrer kennt die Agenten, schätzt deren Arbeit und spricht sie an, um gemeinsam Workshops oder Projekte zu organisieren. Der Weg dorthin war allerdings nicht immer leicht. Mirtan Teichmüller aus Konstanz sagt: „Als Kulturagent muss man reden, reden, reden.“ Am Anfang habe er sich wie alle Kulturagenten erst einmal im Kollegium vorgestellt, die Idee des Programms erklärt und gemeinsame Vorstellungen und Erwartungen besprochen. Sein Konzept ging auf. Die Lehrer kämen mittlerweile von selbst auf ihn zu und fragten ihn, ob er einen Tänzer in den Sportunterricht oder einen Poetry-Slammer in den Deutschunterricht holen könnte.

Nachhaltige Strukturen aufbauen

Um die Schulen darauf vorzubereiten, dass das Programm in eineinhalb Jahren ausläuft, kümmern sich die Kulturagenten bereits jetzt darum, nachhaltige Strukturen aufzubauen. Ziel ist es vor allem, starke Kooperationen zwischen Künstlern, Institutionen wie Theatern oder Museen und Schulen zu schaffen. Außerdem müssten die Lehrer lernen, selbstständig Fördermittel zu beantragen, und die Angst vor der Antragsbürokratie verlieren, sagen die Kulturagenten.

Mirtan Teichmüller aus Konstanz versucht deswegen etwa in Absprache mit den Lehrern, solche Künstler auszuwählen, die die Kinder mitreißen können. Das werde dann auch Lehrer begeistern. Daraus, sagt Teichmüller, könne Wunderbares entstehen.