Kulturelle Bildung – ein Gespräch mit Ralf Seifert

Ralf Seifert. Sächsisches Staatsministerium für Kultus (SMK). |
 
Ralf Seifert. Sächsisches Staatsministerium für Kultus (SMK) (Foto: © SMK)

In zahlreichen internationalen Deklarationen wird jedem Heranwachsenden das Recht auf kulturelle Bildung garantiert. Ralf Seifert ist Referent für Kulturelle Bildung im Sächsischen Staatsministerium für Kultus und hat dort erfolgreich vielfältige Programme zur kulturellen Bildung von Heranwachsenden umgesetzt. Mit Goethe.de sprach er über den Wert einer ästhetischen Bildung für das gesellschaftliche Miteinander.

Herr Seifert, wie definieren Sie kulturelle Bildung?

Das Grundverständnis des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus ist angelehnt an die Aussagen des Kulturrates, der Enquete-Kommission Kultur in Deutschland und der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung. Kulturelle Bildung befähigt zur Entwicklung unterschiedlicher Kompetenzen. Wir gehen dabei von drei zentralen Perspektiven aus, die herausgebildet werden: der Wahrnehmungsfähigkeit, der Gestaltungsfähigkeit und der Fähigkeit zur Interaktion im sozialen Kontext. Um Prozesse beleuchten und beurteilen zu können, bewegen wir uns nicht nur auf der reinen Produktionsebene, sondern auch auf der Rezeptions- sowie Reflexionsebene. Diese drei Ebenen beinhalten Aspekte der gesellschaftlichen Teilhabe.

Kulturelle Bildung im Unterricht

Welche Rolle spielen Schulen bei der kulturellen Bildung?
 
Wappen des Freistaats Sachsen. |
 
Kulturelle Bildung ist in Sachsen sowohl im Bildungsplan von 2006 wie auch 2004 in den Lehrplänen für alle Schulformen festgeschrieben worden. Wir sind der Ansicht, dass kulturelle Bildung im Unterricht verankert sein muss. Daher stellen wir viele Instrumente und Formate zur Verfügung, mit denen die Multiplikatoren eine hohe Wirksamkeit entwickeln können. Den Lehrenden wird bei Fortbildungen durch kreative Aufgaben gezeigt, dass es im kulturellen Feld nicht nur eine mögliche Lösung gibt, sondern vielmehr ganz viele gleichwertige künstlerische oder kulturelle Prozesse nebeneinander bestehen, die zu einer Lösung beitragen können. Diese gesammelten Erfahrungen können sie in den Unterricht einbringen.

Wie sieht es mit der Verantwortung der Kultureinrichtungen aus?

Die Kultureinrichtungen im Freistaat Sachsen sind eine riesige Unterstützung bei der Umsetzung von Angeboten zur kulturellen Bildung. Und da sie ebenfalls einen Bildungsauftrag haben, werden inzwischen Strukturen und Netzwerke geschaffen, damit wir gemeinsam Ansätze entwickeln können. Die Zusammenarbeit ist in den größeren Städten natürlich einfacher, weil die Dichte an Kultureinrichtungen sehr viel höher ist. Nun haben wir aber in Sachsen mehr Schulen im ländlichen als im urbanen Raum. Das ist eine echte Herausforderung, vor der wir seit mehreren Jahren stehen. Wir versuchen dieser mit verschiedenen Ideenwettbewerben, Kooperationen und Programmen zu begegnen.

Programme und Prämien fördern das forschende Lernen

Können Sie einige Programme aus dem Bereich der kulturellen Bildung in Sachsen nennen?
 
 
Wir haben das Programm „Lern-Stadt-Museum in Sachsen – Schüler entdecken Museen“ ins Leben gerufen, welches anfangs ein Modellprogramm in Kooperation mit der Robert-Bosch-Stiftung war. Ausgehend von der Idee des forschenden Lernens, werden Schüler ermutigt, sich mit ihren Fragen an die Museen zu wenden. Dort können sie dann durch selbst initiierte Projekte mehr über die Kultur und Geschichte ihrer Region erfahren. Das andere Programm heißt „Pegasus – Schulen adoptieren Denkmale“. Hier werden Prämien für die Schulen mit den besten Ideen vergeben. Die Schüler sollen eine Frage entwickeln, mithilfe derer sie ein Denkmal erkunden wollen. Daraufhin bekommen sie eine Geldprämie und sind selbstständig für den Projektverlauf verantwortlich.

Welche weiteren Vermittlungsstrategien der kulturellen Bildung gibt es?

Ich bin fasziniert von dem Programm „Kultur-Forscher!“, das ein gemeinsames Programm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und der PwC-Stiftung Jugend-Bildung-Kultur ist. Als Kultur-Forscher setzen sich Schüler mit den kulturellen Aspekten ihrer Lebenswelt auseinander. Dabei holen sie sich Anregungen von Experten. Am Ende präsentieren sie ihre Forschungsergebnisse und stellen neue Fragen. Sachsen hat sich an diesem Programm beteiligt. Ich glaube, dass in solchen Projekten eine große Chance liegt, kulturelle Bildung nachhaltig im Bildungssystem zu verankern.