Angolanische Museen
Neustart für das kollektive Gedächtnis

O Museu Nacional de Escravatura
Das Museu Nacional de Escravatura. | Foto: Maximilian Wemhöner © Goethe-Institut Angola

Luanda ist eine Stadt mit vielen Monumenten, die den Zeiten getrotzt haben, während andere der Säure des jahrhundertelangen Regens nicht standgehalten haben. Als ich als Kind zum ersten Mal ins Naturkundemuseum ging, war ich von den Skelettsammlungen verschiedener Tiere verzaubert. Mein kindlicher Blick ließ mich an einen religiösen Mystizismus glauben, der in musealen Einrichtungen existierte. Wie war es möglich, dass ein einziger Raum so viele gut in Szene gesetze Knochen beherrbergen konnte?

von Marcos Jinguba

Das Museu de História Natural und viele ähntiche Einrichtungen verweisen auf ein urbanes kollektives Gedächtnis von Menschen, die sich ihrer eigenen kulturellen Identität sicher waren. Die Reflexion darüber enthüllt den unbegreifliche Stillstand in der Zeit, in dem angolanische Museen, Denkmäler und Stätten verharren. Dennoch darf man den gesellschaftlichen Auftrag, den diese Institutionen haben, nicht übersehen. Er bestimmt die museologische Landschaft Luandas.

Erinnerung und gesellschaftliche Neuordnung

Dennoch: Wenn Kulturorte wiederbelebt werden, liegt der Schwerpunkt auf Institutionen wie dem Sklaverei-Museum, das eine schöne touristische Rolle mit viel Außenwirkung hat, seinen Besuchern aber immer noch eine programmatische Erzählung aufzwingt. Was die Denkmäler und Stätten betrifft, so leben viele nur in der Erinnerung derer, die sie kannten. Dies trifft auf den alten Kinaxixi-Markt zu, der auch nach seinem Abriss noch einen Fixpunkt in Zeit und Raum einnimmt.

In einem Prozess der Umstrukturierung, Erneuerung und Untersuchung der Museumssammlungen ist in den letzten Jahren, mit der Zunahme der wissenschaftlichen Forschung in Angola, die Zahl der ethnographischen, anthropologischen, historischen und kulturellen Studien stark gewachsen. Sie dienen als Quellen zur Qualitätssteigerung, Formalisierung und Verbesserung der Sichtbarkeit der betreffenden Räume.

Außerhalb des städtischen Kontextes gibt es mehrere Denkmäler und Stätten, die die Geschichte der Hauptstadt beschreiben. Ein Beispiel ist die Gemeinde Cazenga, ein Vorort, der in seinem geografischen Raum Denkmäler wie den Marco Histórico 4ª De Fevereiro und die Mulemba Xia Ngola hat.

Beispiele für Stätten, die institutionell geschützt werden sollten, weil sie eine volkstümliche Symbolik tragen, sind die Figueira Seca, die Mãe Preta, der Paú Grande und andere. Jedoch bleiben diese Räume in volkstümlichen und literarischen Erzählungen aus vergangenen Jahrzehnten erhalten, wie im Fall des mythischen Imbondeiro de Viana und der Cacimba da Samba.

Welche Zukunft für die Vergangenheit?

Für die Entstehung neuer Museen als Antwort auf den Wandel, den Angola nach der Unabhängigkeit erlebte, ist ein gesellschaftlicher Diskurs über die Entstehung neuer musealer Räume unabdingbar.

Wir könnten etwa von einem zukünftigen Semba-Museum fordern, dass es ein Raum für die historische Erhaltung und Förderung dieses Musik- und Tanzstils sein soll, dessen Entwicklung es erlaubt, die Geschichte des Landes in seinen verschiedenen Schichten zu erzählen. Das historische, kulturelle und ethnische Potential des Landes würde so zur Grundlage neuer musealer Kräfte, die die Förderung des Tourismus, die kulturelle Bildung, die wissenschaftliche Forschung und des Aufbaus eines umfassenden Archivs der Volksgruppen Angolas beflügeln können.