Nguami Maka und Slowfox Deutsch-Angolanische Musikfusion

Das erste Konzert im Palácio de Ferro
Das Konzert im Palácio de Ferro war ein voller Erfolg | © Ivan Café Lopes

Jazz ist Improvisation, aber die musikalische Fusion, die das deutsche Jazztrio Slowfox und die angolanische Rhythmusgruppe Nguami Maka auf Einladung des Goethe-Instituts zu Gehör brachte, ging weit über das Übliche hinaus. Zwischen dem 20. und dem 26. Juli erlebte Luanda mit vier Konzerten – im Palácio de Ferro, in der Fábrica de Sabão, im Miami Beach und der Musikschule Obra Bella – ein rhythmisches Abenteuer.

Slowfox ist ein Jazzensemble unter der Leitung des deutschen Kontrabassisten Sebastian Gramss, und wurde von Jazzahead, einem der größten deutschen Jazzfestivals, als beste Jazzband des Jahres 2017 ausgezeichnet. Neben Gramss gehören der Österreicher Philip Zoubek an Klavier und Synthesizer sowie der Neuseeland-Schotte Hayden Chisholm an Saxophon und anderen Blasinstrumenten zum Trio. Gemeinsam schuf Slowfox einen eigenen lyrischen Stil, den die Gruppe "Melodic Avantgarde" nennt
.
In den Fußstapfen der bekannten angolanischen Gruppe Kituxi tragen Nguami Maka das reiche Erbe der angolanischen Musiktradition ins 21. Jahrhundert. Die Gruppe um Jorge Mulumba war bereits auf mehreren internationalen Festivals präsent, etwa auf dem Internationalen Festival der Lusophonie in Macau. Nguami Maka wurden 2002 gegründet, 2009 veröffentlichten sie ihr Album "Ngongo" (Leiden).

Planwechsel nach Premierenerfolg

Das erste Konzert des musikalischen Treffens der beiden Bands fand am 20. Juli im Palácio de Ferro statt. Nach nur zwei Proben zeigte sich die perfekte Übereinstimmung – die Sprache der Musik ist eben universell. Höhepunkt des ersten Konzertabends war "Dingongenu dia Tata", für das Hayden Chisholm sein Saxophon zugunsten eines schottischen Dudelsacks zur Seite legte – wohl eine Premiere in Luanda. Sebastian Gramss, der künstlerische Leiter am Kontrabass, zeigte, dass er wie sein angolanischer Kollege Jorge Mulumba, offen für ganz neue musikalische Abenteuer ist. Gramss und Mulamba verblüfften im Finale mit "Mira Mira" und "Kamosso": Hier zeigte sich die Idealkombination aus Hungu und Kontrabass.

Von den vier Konzerten waren ursprünglich nur zwei gemeinsam mit Nguami Maka geplant. Doch nach dem Überraschungserfolg im Palácio de Ferro änderte das Goethe-Institut seine Pläne. Auch die Konzerte in der Fábrica de Sabão und im Miami Beach bestritten Slowfox und Nguami Maka also zusammen. Zudem nahmen die beiden Gruppen in den Studios von Radio Vial fünf Songs gemeinsam auf.

Gemeinsam für Obra Bella

Das letzte Konzert in der Musikschule Obra Bella hatte eine starke Symbolik, weil ihm ein dreitägiger Workshop mit den Musikschülern vorausgegangen war. Obra Bella ist ein Sozialprojekt, das jungen Menschen aus ganz Luanda offen steht. Während des Workshops hatten die deutschen Musiker die Möglichkeit, den Schülern Wissen über Improvisation, Rhythmik und Harmonielehre zu vermitteln. Auch hielten sie Ausschau nach jungen Talenten, mit denen sie in Kontakt bleiben wollen. Das neue Wissen über Improvisation, Harmonielehre, Arrangements etc. wurde von den Schülern mit Leidenschaft und Begeisterung aufgenommen.

Maria Regla, Leiterin von Obra Bella, war der Mentor der Partnerschaft, die 2016 begann. Mehrere vom Goethe-Institut unterstützte Künstler führten bereits Workshops mit dem Zentrum durch und setzen sich mit ihren Partnern für die Unterstützung der Musikschule ein.

Leider musste Pianist Philip Zoubek an diesem letzten Abend krankheitsbedingt aussetzen. Zoubeks Improvisation in den drei vorhergehenden Konzerten wurde durch Fernando Francisco an der Ngoma übernommen. Unterstützt durch seinen Partner Romeo an der Bass-Ngoma, spielte er sich mit Hayden Chisholm am Saxophon ständig improvisierend gegenseitig die Bälle zu, was dem Abschlusskonzert die eigene Seele verlieh.

Jorge Mulumba entschied sich in der Mehrzahl der Themen für die Puita, ein Instrument, das in der heutigen Zeit in Vergessenheit geraten ist. Dazu sang er und wechselte zwischendurch zum Hungu und der Lata. Auch João Eliseus und Pascoal Caminhas am Dikindu ließen sich von Sebastian Gramss am Kontrabass und seiner großen Leidenschaft für rhythmische und klangvolle Fusionen anstecken.

Angolanische Musikszene

Gramss zog ein überaus positives Fazit des musikalischen Treffens und hofft, das Projekt bald nach Deutschland zu bringen. Trotz der Scheu und Unsicherheit aller beteiligten Künstler bei den ersten Proben, gelang es ihm, zusammen mit Jorge Mulumba Arrangements zu finden, die sowohl musikalisch eher Konservative wie auch echte Erneuerer überraschen werden. Außerdem erschlossen sich die Deutschen auch andere angolanische Klangwelten –  so gab es eine spontane Jamsession mit Ndaka Yo Wiñi und jungen Gospel-Künstlern.

Über das Zustandekommen des Projekts sprachen wir mit Gabriele Stiller-Kern, der Direktorin des Goethe-Instituts: "Im letzten Jahr hatte das Goethe-institut den Bandleader von Slowfox, Sebastian Gramss, nach Angola eingeladen, um die angolanische Musikszene zu erforschen. Dabei lernte Sebastian mehr als 60 Künstler kennen und so hörte er im Garten des Palácio de Ferro zum ersten Mal die Musik von Nguami Maka."

"An dem Tag stellte die angolanische Gruppe ihre Musik einer Gruppe von Schülern vor, um ihnen die traditionelle Musik näher zu bringen. Sebastian verstand sofort, dass eine Gruppe, die sich ganz den alten Rhythmen der angolanischen Musik widmet, in Luanda keine Selbstverständlichkeit ist. Er war total von der Schönheit und der Kraft der Musik von Ngumai Maka begeistert und erkannte in ihnen den idealen Partner, mit dem er mit neuen musikalischen Versuchen experimentieren könnte. Zurück in Deutschland führte er seinen Slowfox-Kollegen die aus Luanda mitgebrachten CDs vor und Slowfox begann sofort, die Kooperation mit Nguami Maka vorzubereiten: Die Aufnahmen hatten sie überzeugt und bewahrten die Künstler davor, ins Blaue hinein arbeiten zu müssen."

Gabriele Stiller-Kern ist vom Ergebnis begeistert. Mit Nguami Maka hätten Slowfox tatsächlich den idealen Partner gefunden, da beide Gruppen offen für neue Kulturen seien, beide den Fokus Perkussion und Rhythmus legten und stets bereit zum Experimentieren seien. Nur so habe Slowfox in die Sphäre der angolanischen Musik eintreten können. Nun hofft die Direktorin des Goethe-Instituts, dass der mit dem Projekt in Gang gesetzte interkulturelle Dialog weitergeführt und auf die nächste Ebene gehoben werden kann – vielleicht bereits im nächsten Jahr in Deutschland.