Theaterprojekt "Das Leben ein Traum"

"Das Leben ist ein Traum" auf der Bühne
Auf der Bühne war die Energie des deutsch-angolanischen Ensembles fast mit Händen zu greifen | © Patryk Witt

​Bereits seit 2016 begleitet und unterstützt das Goethe-Institut Angola die Zusammenarbeit zwischen dem Jugendtheater ANIM'ART im Cazenga (Luanda) und der JUGENDTHEATERWERKSTATT SPANDAU (Berlin). Im September sind 10 Nachwuchsschauspieler aus Luanda nach Berlin gereist, um im Rahmen des Festivals VERLORENE ILLUSIONEN gemeinsam das Drama DAS LEBEN EIN TRAUM / A VIDA É SONHO von Pedro Calderón de la Barca auf die Bühne zu bringen.

Wir haben Julia Schreiner von der JUGENDTHEATERWERKSTATT SPANDAU gefragt, wie das gemeinsame Projekt in Berlin gelaufen ist.


Goethe-Institut: Warum habt Ihr DAS LEBEN EIN TRAUM für Eure Theaterproduktion ausgesucht?

Julia Schreiner: In DAS LEBEN EIN TRAUM geht es um die Frage, ob die neue, junge Generationen zur Macht erzogen wird und zur Machtübernahme erwünscht ist, oder das Misstrauen der alten Generation überwiegt. Wie kann ich Einfluss auf meine Gesellschaft nehmen? Wie entkomme ich den Prophezeiungen meiner Vorfahren? Wie funktionieren internationale Zusammenhänge? Was wäre eine gerechte Welt? Wie sieht die Welt in 20 Jahren aus?

Das Drama wurde 1635 mit genau diesen Fragestellungen uraufgeführt. Die Frage nach dem eigenen Schicksal und der Gestaltungsfreiheit der nächsten, jungen Generation wird hier aufgeworfen, die essentiellen und globalen Fragen nach Veränderungsmöglichkeiten und Grenzen einer jungen Generation werden eindrucksvoll beschrieben. ANIM'ART und die JUGENDTHEATERWERKSTATT SPANDAU wollten diesen Text als Ausgangsmaterial für gemeinsame Arbeit nutzen und Erfahrungen, Wünsche und Möglichkeiten abgleichen, um über den Text in einen Austausch zu kommen.


Goethe-Institut: Und, wie ist es gelaufen?

Julia Schreiner: Wir haben zunächst das Stück sowohl in Luanda als auch in Berlin in beiden Gruppen erarbeitet und geprobt. Eine Woche vor der Premiere trafen dann die beiden Gruppen und Interpretationen in Berlin aufeinander und wurden nach der stückimmanenten Dramaturgie zusammengestrickt. Das war eine intensive und fruchtbare Woche, in der verschiedenen Referenzen und Spielweisen sichtbar und gegenübergestellt wurden.


Goethe-Institut: Wie war die Stimmung unter den jungen Künstlern – wie seid Ihr mit der Sprachbarriere umgegangen?  

Julia Schreiner: Aufgrund der Kenntnisse des Stücks konnten sich die jungen KünstlerInnen mit Gesten, Rythmen und szenischen Umsetzungen auf der Bühne sehr gut verständigen. Außerhalb der Bühne haben sich die Jugendlichen mit google-Übersetzer sowie Händen und Füßen unterhalten. Die Stimmung war von Anfang an großartig und schon vor der Premiere waren die Jugendlichen zu einer Gruppe zusammengewachsen.


Goethe-Institut: Das ist ja nicht Euer erstes gemeinsames Projekt, wie habt Ihr Euch kennengelernt?

Julia Schreiner: Wir sind uns 2017 zweimal begegnet – einmal in Luanda zu einem Stipendienaufenthalt der JUGENDTHEATERWERKSTATT SPANDAU und einmal in Berlin, wo Orlando Domingos und Felismina Sebastião vom Goethe-Institut Angola zum Augenblick-Mal-Festival eingeladen waren. So kannten wir uns und unsere Theater schon ganz gut, als wir im letzten Jahr begonnen haben, miteinander zu arbeiten. DAS LEBEN EIN TRAUM ist unser erstes gemeinsames Projekt und wir hoffen auf einen kontinuierlichen Austausch, der für beide Seiten von großer Bedeutung ist.


Goethe-Institut: Wie kommt Ihr denn an Eure Schauspielerinnen und Schauspieler?

Julia Schreiner: Unser Regisseur Carlos Manuel arbeitet seit über 20 Jahren regelmäßig an der JUGENDTHEATERWERKSTATT SPANDAU ­‒ und so hat sich ein großes Ensemble unterschiedlicher Menschen gebildet, das immer wieder gerne und in wechselnden Formationen professionelles Theater spielt. Und dann spricht es sich auch immer rum, wenn eine von unseren Initiativen ein großes neues Projekt plant. Für das Austauschprojekt haben wir zum allerersten Mal eine Auswahl treffen müssen ‒ aufgrund der Regularien des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.


Goethe-Institut: Wie geht es mit der Zusammenarbeit weiter?

Julia Schreiner: Wir hoffen sehr auf weitere gemeinsame Projekte. Unsere beiden Theater sind trotz aller Unterschiede sehr ähnlich ‒ Orlando Domingos sagte bei der angolanischen Botschaft in Berlin, dass wir eine 10-jährige Kooperation anstreben. Das wäre natürlich traumhaft! Gerne würden wir schon 2019 weitermachen: Das Treffen der deutsch-angolanischen Gruppe in Luanda soll schon Ende Januar/Anfang Februar stattfinden; also müssen wir jetzt dringend die Anträge schreiben!
 

ANIM'ART und die JUGENDTHEATERWERKSTATT SPANDAU

Das Theaterzentrum ANIM'ART und die JUGENDTHEATERWERKSTATT SPANDAU sind jeweils in ihre lokalen Communities eingebundene Jugendtheater-Initiativen in einem prekären Vorstadtviertel: Es sind junge Institutionen am Rande großer Städte in sozialen Brennpunktgebieten: sowohl der Cazenga als auch Spandau zählen zu den jeweils "ärmsten" Vierteln Luandas bzw. Berlins. Beide Initiativen arbeiten professionell mit jugendlichen Laien und bieten Kindertheaterkurse an.

So viele Gemeinsamkeiten die Strukturen im Cazenga und in Spandau aufweisen, so unterschiedlich sind die Länder, in denen sie beheimatet sind. Dennoch stellt sich an beiden Orten die dringende Frage nach dem politischen Einfluss der jungen Generation sowie nach einer Sicherung des (gesellschaftlichen und internationalen) Friedens in inklusiven Gesellschaften und den Dringlichkeiten einer weltweit nachhaltigen Entwicklung.