Museumskooperation Luanda - Berlin Die ersten Schritte sind gemacht

Gemeinsame Entdeckung in Berlin
Gemeinsam diskutieren Forscherinnen aus Luanda und Berlin die Bedeutung einer Schnitzerei eines Throns aus Angola | © Goethe-Institut Angola

​Im Ethnologischen Museum Berlin befindet sich eine der weltweit ältesten Sammlungen angolanischer Kunst. Sie ist eng mit der Sammlung des Museu Nacional de Antropologia in Luanda verbunden. Im Dezember starten die beiden Museen gemeinsam mit dem Goethe-Institut eine Kooperation, deren Ziele die Partner in einem Workshop in Berlin festlegten. Neben Gesprächen besuchten die Teilnehmer Ausstellungen, Depot-Bestände und Werkstätten. Ein Tagebuch in Bildern


von Franziska Bauer und Maximilian Wemhöner


Montag, 26. November: Auf dem Weihnachtsmarkt

Auf dem Weihnachtsmarkt Ein Spaziergang über den Weihnachtsmarkt am Schloss Charlottenburg
 
Berlin am Eröffnungstag der Weihnachtsmärkte: Vor Beginn des Workshops besuchten die angolanischen Gäste den Markt am Schloss Charlottenburg.
 

Dienstag, 27. November: Ethnographische Forschungen und Depot-Besuch

Wie kamen die ethnographischen Sammlungen deutscher Forschungsreisender im 19. und 20. Jahrhundert zustande? Einblicke in historische Archive gab die Ethnologin Dr. Beatrix Heintze, die seit den 1960er Jahren an der Goethe-Universität Frankfurt dazu forscht. Wichtige ethnographische Angola-Sammlungen in Berlin und Luanda entstanden unter den Vorzeichen des Kolonialismus zwischen den 1930er- und den 1950er-Jahren für das Ethnologische Museum und für das Museu do Dundo im Nordosten Angolas. Dessen Objekte bilden heute einen großen Teil des Bestandes des Museu Nacional de Antropologia in Luanda. Im Ethnologischen Museum Berlin befindet sich eine der weltweit bedeutendsten und ältesten Sammlungen angolanischer Kunst und materieller Kultur.

Beatrix Heintze Beatrix Heintze erläuterte die gemeinsame Forschungstradition
 
Wie steht es um die Anthropologie und die Museen in Angola? Dr. Ziva Domingos, Leiter der Nationalen Museen in Angola, stellte Projekte, Museen und Universitäten Angolas vor, die zu anthropologischen Themen arbeiten. Dabei ging es auch um die Herausforderungen der Museen in Angola, die unter anderem in der Ausbildung von Personal, der Konservierung des Bestandes und der Bekanntmachung der Museen liegen.
 
Über den Bestand des Museu Nacional de Antropologia, dessen erste Ausstellung 1976 eröffnete, berichteten dessen Leiter Álvaro Jorge und Mitarbeiterin Engrácia Manuel Agostinho de Oliveira. Das Museum für Anthropologie beherbergt rund 6.000 Objekte.

MNA Álvaro Jorge und Engrácia de Oliveira stellten das Museu Nacional de Antropologia vor
 
Kristin Weber-Sinn vom Ethnologischen Museum Berlin gab Einblicke in ein Austauschprojekt zwischen Tansania und Deutschland, in dem es darum geht, gemeinsam die „Biografien“ der Objekte zu erforschen.
 
Die Restauratorin Eva Ritz lud die Gruppe anschließend zu einer Führung ins Depot des Museums ein. Hier standen die Objekte aus Angola im Mittelpunkt und sofort begann der fachliche Austausch. Die vorgeschriebene Schutzkleidung erwies sich dafür zwar als etwas hinderlich, sorgte aber auch für Heiterkeit.

Depotbesuch Der Besuch im Depot sorgte nicht nur für Gesprächsstoff, sondern auch für Heiterkeit
 

Mittwoch, 28. November: In der Restaurierungswerkstatt

Wie geht Restaurieren und Konservieren im tropischen Kontext? Ein Austausch zwischen den Expertinnen und Experten mit anschließendem Besuch in der Berliner Restaurierungswerkstatt. Eva Ritz erläuterte dabei die Konservierungstechniken im Ethnologischen Museum und machte Vorschläge, welche davon auch in Luanda angewendet werden könnten.

  Restaurierungswerkstatt Eva Ritz führte durch die Restaurierungswerkstatt

Wie kann man das koloniale Erbe im internationalen Kulturaustausch aufarbeiten? Dr. Andrea Zell, die dazu in der Zentrale des Goethe-Instituts arbeitet, berichtete von künstlerischen Auseinandersetzungen dazu.

Anschließend besuchte die Gruppe die Ausstellung „Bewegte Zeiten" im Gropius-Bau, um einen Einblick in aktuelle Ansätze der Ausstellungskonzeption in Deutschland zu bekommen. Der Tag endete mit einem Besuch im Konzerthaus Berlin.
 

Donnerstag, 29. November: Exkursion zu Berliner Museen

Humboldtforum Vor dem Humboldt Forum, in dem bald die berühmte angolanische Statue des Chibinda Ilunga zu sehen sein soll

Nach einer Stadtrundfahrt durchs Zentrum Berlins lernte die Delegation eines der kulturellen Großprojekte Deutschlands kennen, das Humboldt Forum. Ab 2019 sollen im wieder aufgebauten Berliner Schloss außereuropäische Sammlungen ausgestellt werden, darunter auch wichtige Objekte aus Angola. Erste Einblicke gibt die „Humboldt-Box“ und die Ausstellung „Humboldt Forum Highlights“ mit Vorboten aus den Sammlungen auf der Museumsinsel, in der die angolanischen Experten das Projekt kennenlernten.

Chibinda1 Chibinda Ilunga zog alle in seinen Bann
 
Einer der Höhepunkte war der Besuch des Bode-Museums. Hier werden momentan europäische und afrikanische Objekte Seite an Seite gezeigt. Darunter ist eines der bekanntesten Werke afrikanischer Kunst aus der angolanischen Sammlung: die ikonische Skulptur des Kulturheros Chibinda Ilunga, der als Begründer der Lunda- und Chokwe-Königtümer gilt.

Chibinda2 Paola Ivanov führte durch die Ausstellung

Von dieser Statue war die angolanische Delegation besonders beeindruckt und die Führung durch PD Dr. Paola Ivanov vom Ethnoogischen Museum entwickelte sich zum wissenschaftlichen Fachdiskurs.

Chibinda3 Die Fachleute diskutierten die Bedeutung des Kulturheros

Die Experten aus Deutschland und Angola diskutierten auch etliche andere Stücke der Ausstellung „Unvergleichlich: Kunst aus Afrika im Bode-Museum", darunter auch den Thron eines Chokwe-Chiefs (Titelbild).
 

Freitag, 30. November: Auf dem Weg zum Aktionsplan – Skizzen der Zusammenarbeit

Was sind die Wünsche und Perspektiven der Kooperation? Auf dem Weg zu einem Aktionsplan diskutierten die Partner über die Ziele ihrer Zusammenarbeit. Für das erste Jahr einigten sie sich auf den Austausch von Informationen über die Sammlungsbestände beider Museen, auf einen Workshop zur Konservierung und Restaurierung sowie auf die Übersetzung wichtiger historischer, ethnografischer Dokumente ins Portugiesische. Gemeinsam mit Angehörigen aus den Herkunftsgesellschaften der Objekte sollen außerdem Künstlerinnen und Künstler aus Angola und Deutschland ein Projekt zur Geschichte der Sammlungen und ihrer Objekte entwickeln.

Abschlussdiskussion Am letzten Tag des Workshops wurden die Ziele und Maßnahmen der Kooperation besprochen