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Der angolanische Comic - Ein Blick zurück

Comics von Lito Silva
© Lito Silva

Die ersten Ansätze einer eigenständigen Comicszene in Angola fallen genau in die Zeit des Befreiungskampfes des Landes. Besonders sticht hier der Comic Contra a escravidão, pela liberdade (Gegen die Sklaverei, für die Freiheit) von Henrique Abranches heraus, eine Geschichte, die die nationale Bewegung verherrlicht und Jugendliche zum Kampf gegen den Kolonialismus ermutigen sollte.

von Lito Silva

In Wirklichkeit handelte es sich um eine der vielen nationalistischen Propagandaaktion, bei der Comics ein ideales Kommunikationsmittel waren, weil sie aufgrund ihres erzählerischen und exemplarischen Charakters auch für weniger Gebildete leicht verstsändlich waren. Nach der Unabhängigkeit, in der Zeit der revolutionären Euphorie, kamen die kommerziellen Comics, die vor der Unabhängigkeit weit verbreitet waren, praktisch nicht mehr in Umlauf, zumindest nicht im normalen Buchhandel. Da dieser „nützliche kreative Virus” jedoch bereits freigesetzt worden war, konnten satirische Figuren wie O Marimbondo (Die Wespe), O Zito Mabanga (Zito Mabanga) und O Kazukuteiro (der Chaot) erscheinen, die allesamt von dem revolutionären Geist durchdrungen waren, der im Land brodelte.

Diese Comics hatten das Verdienst, meine Generation von Comic-Autor*innen zu inspirieren, die unter der Leitung ihres Lehrmeisters Henrique Abranches - des Autors von Contra a escravidão, pela liberdade - dem angolanischen Comic einen neuen Impuls gaben, indem sie die Karikatur zu einem führenden Element machten. Sie nutzten die soziopolitische Wende des Landes, in dem den angolanischen Schöpfern größere Freiheiten, einschließlich der Meinungsfreiheit, gewährt wurden. So gewöhnten sich die Leser*innen des Jornal de Angola daran, dass die Realität des täglichen Lebens mit humorvollen Gags persifliert wurde. Es war auch die Zeit, in der Man'Kiko - o Imbumbável (Man’Kiko – der Taugenichts) geboren wurde, eine neue Version des Kazukuteiro für eine neue Zeit.

Entwurf eines Comics von Lito Silva Entwurf eines Comics von Lito Silva | © Lito Silva Diese war zweifellos das goldene Zeitalter der angolanischen Comics, in dem die bereits erwähnten ikonischen Talente von Sérgio Piçarra, Lito Silva, Hugo Fernandes und Abrão Eba aufblühten und die ersten angolanischen Comics im Verlag der União dos Escritores Angolanos (anglonanische Autorenvereinigung) veröffentlicht wurden:

  • Masala, o Leopardo I - Um passo para a liberdade, von Lito Silva;
  • Os bucaneiros do KK, von Sérgio Piçarra;
  • Fragmentos Angolanos I – gemeinsamer Comicband von Henrique Abranches, Lito silva, Sérgio Piçarra, Hugo Fernandes u.a.;
  • Os “prubulemas” que estamos com eles, gemeinsamer Comicband von Lito Silva und Sérgio Piçarra.
Im gleichen Zeitraum wurden weitere Werke veröffentlicht, wie etwa:
  • Masala o leopardo II - O canto de Lusunzi, von Lito Silva;
  • A paz que estamos com ela, gemeinsame Cartoon-Sammlung von Lito Silva und Sérgio Piçarra;
  • Mankiko o imbumbável (Sartire), von Sérgio Piçarra;
  • Mambos e Makas (Cartoon), von Lito Silva;
  • Rumo ao ano 2000 (Cartoon), von Lito Silva.
Die vielen weiteren Werke, alle von Sérgio Piçarra oder Lito Silva oder beiden können hier nicht alle aufgezählt werden. In der Zwischenzeit hatten diese bereits eine neue Reihe von Comiczeichnern inspiriert, von denen hier wenigstens Abrão Eba - zusammen mit Lito Silva erhielt er eine ehrenvolle Erwähnung auf dem Comic-Festival von Amadora (Portugal) -, Carnott Junior, Armando Eduardo und José Dias genannt werden sollen. Nun erschienen natürlich noch mehr Comics:
  • Fragmentos angolanos II, Sammelband von Henrique Abranches, Lito silva, Carnott Júnior, Sérgio Piçarra und Hugo Fernandes;
  • Os “prubulemas” que estamos com eles, von Lito Silva und Sérgio Piçarra;
  • A geração do Holocausto (Comic), von Lito Silva;
  • Imagem BD, ein großer gemeinsamer Band zahlreicher Autor*innen.
Aus konjunkturellen Gründen - mit dem Wandel des politischen und wirtschaftlichen Systems in Angola, kam es augenscheinlich zu einem künstlerischen Stillstand. Mit anderen Worten: In einem wettbewerbsintensiveren Wirtschaftsmodell waren Comics eine jener künstlerischen Ausdrucksformen, die denjenigen, die sich ihnen hauptberuflich widmen wollten, keine Einkommen mehr garantieren konnte. Allerdings erschien in dieser Zeit erstmals die Kinderzeitschrift Parada dos Kandengues (Kinderparade), die Zeitung Kissonde wurde gegründet ebenso wie das Comicstudio Olindomar – sind sind die festen Größen in der zeitgenössischen angolanischen Comicszene.

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