Werkschau Werner Schroeter - Die unerträgliche Wirklichkeit aufheben

Eine Initiative des Goethe-Instituts in Zusammenarbeit mit dem Complejo Teatral de Buenos Aires, der Stiftung Cinemateca Argentina und dem Verlag Mardulce.

Tickets ausschließlich über
www.complejoteatral.gob.ar


„Ein Gott langweilt sich nie, denn auch sein Nichtstun ist Arbeit. So war Werner. Ein Schöpfer/Gott auf ursprüngliche Weise, das heißt ohne jeden Zweifel, denn es gibt ja nichts, was er nicht gemacht hätte.“
Elfriede Jelinek

# Werkschau
Werner Schroeter – Die unerträgliche Wirklichkeit aufheben

19 Filme, die meisten davon unbekannt oder wenig verbreitet in Argentinien.
Mit Einführungen des Schroeter-Produzenten Frieder Schlaich.
In der Sala Lugones, Teatro San Martín

#Masterclass.
Produktion und Verleih innovativer Filme am Beispiel Werner Schroeter

Freitag 16. August 17 Uhr. Universidad del Cine Pasaje J.M. Giuffra 330.
Frieder Schlaich, der Produzent von Werner Schroeters Diese Nacht, im Gespräch mit Andrés Denegri.
Masterclass über den Beruf des Produzenten und Verleihers, der auf der Suche nach neuen Wahrnehmungen abseits vom Mainstream auf innovative Filme setzt. Am Beispiel Diese Nacht (Werner Schroeter, 2008).

#Buchpräsentation Schroeter, una autobiografía (Mardulce, 2013)
Dienstag, 20. August 19.30 Uhr in der Sala Lugones. Mit Gabriela Massuh und Pablo Schanton. Moderator Marcelo Panozzo.
Während der Buchpräsentation wird der Kurzfilm Welche Chance hat die Navigation im Meer der Liebe? (Alexander Kluge im Gespräch mit Werner Schroeter, 1999, 15 Min.) gezeigt.

Die Werkschau umfasst 19 in Argentinien größtenteils unbekannte Filme dieses außerordentlichen und einzigartigen Filmemachers. Die Karriere Werner Schroeters (1945-2010) begann in den 1960er Jahren mit dem Aufkommen des Neuen Deutschen Films und doch abseits von ihm. In den letzten Jahren widmeten das Centro Pompidou, Paris und das Museum of Modern Art (MoMA) New York ihm eine große Werkschau. Auf Einladung des Goethe-Instituts wird Frieder Schlaich, Produzent von Schroeters letztem Film Nuit de Chien (2008) sowie der Dokumentation Mondo Lux – Die Bilderwelten des Werner Schroeter die Reihe vorstellen.

Diese Werkschau wäre unmöglich ohne die Zusammenführung und Restaurierung der Filme durch den Leiter des Münchner Filmmuseums Stefan Drössler, dem unser Dank gilt.

Rainer Werner Fassbinder erkannte als einer der ersten die Bedeutung von Werner Schroeters Arbeit: „Als Underground-Künstler abgestempelt, ist er doch der wichtigste und mutigste Filmemacher Deutschlands. Er wird zweifellos einen bedeutenden Platz in der Filmgeschichte einnehmen, in der Literatur nur vergleichbar als eine Art Synthese aus Láutremont, Céline und Novalis... Werner Schroeter hat als einer der wenigen Menschen auf dieser Erde die Gabe des Künstlerblicks und, wer weiß, auch das seltene Privileg in die Mysterien des Universums einzudringen.“

Vergleichbar mit der Intensität und Fruchtbarkeit Fassbinders schuf Schroeter in vier Jahrzehnten ein Werk von mehr als 40 Kurz- und Spielfilmen. Die Oper (und besonders die Figur von Maria Callas) und alle Formen des Melodramas befruchten seine Filme, die von einer Ästhetik des Kitsch, von einer Kultur der Gestik und des Überflusses geprägt sind. Michel Foucault schrieb über ihn: „Was Schroeter aus einem Gesicht, einer Wange, den Lippen, einem Gesichtsausdruck macht, ist eine Expansion und ein Florieren des Körpers, eine Überschwänglichkeit.“

Schroeter arbeitete mit großen Schauspielerinnen (Isabelle Huppert, Bulle Ogier) und Diven der Queer-Welt (Candy Darling, Magdalena Montezuma) und – ähnlich wie Pasolini – mit Gesichtern und Figuren, die er rauen Wirklichkeit entspringen. In der Tradition der deutschen Romantik durchquerte Schroeter mit seinen Filmen die Welt auf der Suche nach ihrem tiefsten Inneren: so filmte er in Heidelberg (Eika Katappa, 1969) und Manila (Der lachende Stern, 1983), im Libanon (Salomé, 1971) und Kalifornien (Willow Springs, 1973), in Mexiko (Der schwarze Engel, 1974) und auch in Neapel (Nel Regno di Napoli, 1978). In Sizilien filmte er Palermo oder Wolfsburg, für den er 1980 den Goldenen Bären erhielt.

1983 lud ihn das Goethe-Institut auf Initiative von Marie-Louise Alemann nach Argentinien ein, wo er ein Seminar über Experimentalfilm hielt, in Elendsvierteln drehte und Vertreter der Menschenrechtsorganisationen interviewte. Drohungen rechtsextremer Gruppierungen zwangen ihn, das Projekt zeitweise abzubrechen, zwei Jahre später kehrte er zurück und drehte den Film De l’Argentine (1983-1985) mithilfe von Freunden und Schülern zu Ende. Paradoxerweise wurde dieser Film in Argentinien nie aufgeführt. Im Rahmen dieser Werkschau wird der Film nun zum ersten Mal gezeigt, das argentinische Filmteam, das Werner Schroeter damals begleitete, wird bei der Vorführung anwesend sein.

Luciano Monteagudo

Schroeter, una autobiografía (Mardulce, 2013. Werner Schroeter mit Claudia Lenssen. Mit einem Vorwort von Elfriede Jelinek. Aus dem Deutschen von Cecilia Pavón, Nicolás Gelormini und Carla Imbrogno)

In der Zeit, in der der Neue Deutsche Film florierte, war Werner Schroeter viel mehr als einer der innovativsten Filmemacher seiner Zeit. Er war ein enfant terrible, der gegen das Etablierte seine eigene künstlerische Norm zu schaffen wusste und sie bis zum Ende aufrecht hielt. Sein Werk ist wie sein Leben: voller Kunst und eingestandener Leidenschaften.

Im Rahmen der Werkschau, die das Goethe-Institut, der Complejo Teatral de Buenos Aires und die Stiftung Cinemateca Argentina Werner Schroeter in der Sala Lugones widmen, präsentiert der Verlag Mardulce Schroeter, una autobiografía. Es handelt sich um ein Buch seltener Schönheit, in dem der große Filmemacher sein Leben offenlegt, von der kindlichen Anbetung seiner Großmutter, seinen verbotenen Liebschaften, seinem Hang zur Oper, der Genealogie seiner Filme bis hin zum tragischen Beginn seiner Krankheit.

Im Buch treten viele Figuren auf, die sein Leben bevölkerten und ihm Sinn verliehen, von Rosa von Praunheim oder Isabelle Huppert bis Maria Callas, R.W. Fassbinder, Wim Wenders, Peter Zadek, Michel Foucault, Bulle Ogier und Ingrid Caven. Schroeter, una autobiografía ist das einzigartige Zeugnis einer Epoche, in der die Kreativität der Kunst noch den Mittelpunkt des Universums einnahm und unsere Leben mit Sinn ausstattete.

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