Film Hito Steyerl in Buenos Aires

Videoinstallation, Filme, Meisterklasse und Anthologie

Die Berliner Videokünstlerin und Autorin Hito Steyerl präsentiert ihre Arbeiten im Rahmen der Biennale des Bewegten Bildes (BIM) der Nationalen Universität Tres de Febrero. Das Programm setzt sich zusammen  aus der Videoinstallation How not to be seen. A fucking didactic educational .MOV file, die im Centro de Arte Contemporáneo (CAC) des Museums der Universidad Nacional de Tres de Febrero zu sehen ist und drei Filmen, die im Rahmen der Eröffnung der Biennale gezeigt werden. Weiterhin geht  Hito Steyerl in einer Meisterklasse der Frage nach Ist das Museum eine Fabrik? und präsentiert Los condenados de la pantalla,  eine Anthologie ihrer Essays, die gerade im Verlag Caja Negra Editora erschienen ist.



AGENDA
 
Mittwoch 19. November
Cámara de Industria y Comercio Argentino-Alemana (Av. Corrientes 327 - Piso 23)

19 Uhr- Buchpräsentation Los condenados de la pantalla (Caja Negra Editora, 2014).
Hito Steyerl im Gespräch mit Marcelo Expósito. Moderation: Inge Stache
Eintritt frei. (Begrenzte Saalkapazität)
 
Donnerstag 20. November: MUNTREF - CAC (Av. Antártida Argentina 1355)

19 Uhr – Eröffnung der Biennale des Bewegten Bildes (BIM) und der Videoinstallation  How not to be seen. A fucking didactic educational .MOV file
Bis zum 21. Dezember, Dienstag bis Sonntag 11-20 Uhr.

20 Uhr – Kunst, Kontrolle und Macht: drei Filme von Hito Steyerl
Guards (2012), In free fall (2010) und Lovely Andrea (2007).


Freitag 21. November: Alliance Française (Av. Córdoba 936/946)
11 Uhr – Meisterklasse: Ist das Museum eine Fabrik?

HITO STEYERL IN BUENOS AIRES

Digitale Bilder sind oftmals der Ausgangspunkt für die Filme und Essays Hito Steyerls in der Erkundung einer Welt, in der eine Politik der Blendung als kollektiver Wille dargestellt wird. Wenn Krieg, Völkermord, Kapitalfluss, digitaler Müll und der Klassenkampf auch in Bildern stattfinden, haben wir es nicht mehr mit etwas rein Virtuellem sondern mit etwas Konkretem zu tun, das - konfus und fremd zugleich -wir noch lange nicht verstanden haben. Laut Steyerl ist die Bilderwelt weit davon entfernt flach zu sein. Und widersinnigerweise liegt ihre Essenz an den gewöhnlichsten und leersten Stellen. Denn dort nehmen die Formen freien Lauf und was versteckt und unbekannt darunter liegt, beginnt mit schwindelerregender Geschwindigkeit bestimmte Machtprojekte zu gefährden.
 
How not to be seen. A fucking didactic educational .MOV file
Wir leben in einer Zeit, in der nicht nur staatliche Organe Zugriff auf digitale Spuren haben. Unsere Umgebung wird von Satelliten vermessen und abfotografiert. Wir selbst tragen durch unseren alltäglichen Umgang mit digitalen Daten und dem Internet zu diesen Überwachungsmöglichkeiten bei. Wie ist es da noch möglich, nicht gesehen zu werden oder zu verschwinden?
Hito Steyerls Arbeit zeigt Handlungsmöglichkeiten auf, die von vermeintlich pragmatischen Vorschlägen – sich zu verstecken – bis hin zu absurd-komischen reichen: Superheld sein. Keinesfalls wird ein Zurück aus den digitalisierten Lebensbereichen in einen analogen Urzustand gefordert. Steyerls Ausführungen sind nicht kulturpessimistisch oder technikfeindlich. Im Gegenteil: Subversive Strategien können nur innerhalb und mittels der neuen Technologien entwickelt werden. Und genau mit und durch diese funktioniert auch Steyerls Arbeit. Ihr Untertitel deutet bereits darauf hin: Es handelt sich nicht um einen klassischen Film, Steyerls Arbeit ist vielmehr eine „.Mov File“: eine Video-Datei, die formal und strukturell an Tutorials – Anleitungen im Internet – angelehnt ist, wie man sie auf Portalen wie YouTube findet. Entstanden im Auftrag der Biennale von Venedig 2013. 
 
Im Anschluss an die Eröffnung der Biennale wird eine Auswahl der Videofilme Hito Steyerls gezeigt. Die Filme Guards (2012), In free fall (2010) und Lovely Andrea (2010) behandeln in einem sehr eigenwilligen Stil Themen, die die Berliner Künstlerin faszinieren: Feminismus, Militarismus, der Einfluss der Wirtschaft auf die Welt der Kunst und vor allem die massive und globale Verbreitung von digitalen Bildern.
 
In der Meisterklasse Ist das Museum eine Fabrik? spricht Steyerl über den Zusammenhang  zwischen Kunst und Wirtschaft. Die Verwandlung ehemaliger Fordscher Fabriken in Museen sieht sie als Ausdruck einer produktiven Wende, in der das Museum zur „sozialen Fabrik“ und die Zuschauer zu Arbeitern des Blickes werden, denen die Aufgabe zufällt, eine Vielfalt von Bedeutungen zu bändigen.
 
Die gerade erschienene Anthologie Los condenados de la pantalla (Caja Negra Editora, 2014) schließlich versammelt zahlreiche Essays der Künstlerin und Medientheoretikerin und bietet ein Panorama über ihr theoretisches Schaffen.  



HITO STEYERL (*1966, München, Deutschland)

[Hito Steyerl]  arbeitet als Filmemacherin, Videokünstlerin und Autorin in den Bereichen essayistischer Dokumentarfilm und postkolonialer Kritik sowohl als Produzentin als auch als Theoretikerin. Die Arbeiten sind an der Schnittstelle zwischen Film und bildender Kunst verortet. Wichtigste Themen: kulturelle Globalisierung, politische Theorie, globaler Feminismus und Migration. Weitere Tätigkeiten umfassen Arbeiten als politische Journalistin, Film- und Kunstkritik, Katalog- und Buchautorin. Ihre Filme wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet und werden in vielen Ländern im Fernsehen ausgestrahlt. Doktorin der Philosophie, Professorin für Experimentelle Mediengestaltung an der Universität der Künste, Berlin, zahlreiche Lektorate an Kunst- und Filmhochschulen in Wien, München, Hannover, etc.
Ausstellungen
Zu ihren letzten Arbeiten zählen: Liquidity Inc. 2014, Is a Museum a battlefield? 2013, How  not to be seen: A fucking didactic Educational.MOV file 2013, The Kiss 2012, Adorno’s Grey 2012, The Body of the Image 2012 (performance), Abstract 2012, Guards 2012; ihre jüngste Publikation ist: Los condenados de la pantalla, eine Anthologie(2014).
Ausstellungen in documenta 12 (2007), Biennale Shanghai (2008), Biennale Taipei (2010) Biennale Venedig (2014)
 

 

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