Film Kellerfilme

Huellas de piedra Foto: DEFA Stiftung/Klaus Dieter Schwarz

13.10 bis 26.11.2017

Centro Cultural de la Memoria Haroldo Conti

Espacio Memoria y Derechos Humanos (ex Esma)
Avenida del Libertador 8151, CABA.

Begleitend zur Ausstellung und Vortragsreihe unter dem Titel “Überwachung – Abschreckung – Verfolgung. Der Staatssicherheitsdienst der DDR“ präsentieren das Goethe-Institut, das Centro Cultural Haroldo Conti und die Deutsche Botschaft in Argentinien die Reihe „Kellerfilme“.

Die sogenannten Kellerfilme gelten als die besten Produktionen in der Geschichte der DEFA. Mehr als drei Jahrzehnte lang waren sie verboten und lagerten in den Archiven der Produktionsfirma, bis sie dem Publikum schließlich öffentlich zugänglich gemacht werden konnten.

Die DEFA war die einzige Filmproduktionsgesellschaft in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Sie wurde im Jahr 1946 gegründet und produzierte bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1992, zwei Jahre nach der Wiedervereinigung, mehr als 7000 Filme. Die Produktionen der DEFA spiegeln in ihrer formalen und bildlichen Sprache die Gesellschaft wider und sind eine wichtige Referenz für das Verständnis von Kultur, Politik und dem täglichen Leben in der DDR.

Nach dem Bau der Berliner Mauer unterstützte Staatschef Walter Ulbricht unterschiedliche Reformen. Im Jahr 1963 kündigte die Regierung größere Freiheiten für die Jugend an, was wichtige Auswirkungen auf das kulturelle Leben hatte und der Filmproduktion neue Impulse gab. Aber mit der Machtübernahme Leonid Breschnews in der Sowjetunion im Jahr 1964, wurden der politische Kurs und die Kulturpolitik in der DDR schnell deutlich konservativer. 1965 beschloss die SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) das Verbot von 12 Filmen, was der Produktion eines gesamten Jahres entsprach. Dies bedeutete das Ende des neuen Films in der DDR.

Nach dem Mauerfall wurden die Filme aus den Kellern der Archive gerettet und schließlich zwischen 1989 und 1990 veröffentlicht.
 
PROGRAMM

Freitag, 13. Oktober, 17 Uhr
Spur der Steine
Regie: Frank Beyer, s/w, 129 Min., 1966, span. UT
 
Huellas de piedra2 Foto: DEFA Stiftung/Klaus Dieter Schwarz Auf der Großbaustelle Schkona sind im Kampf um Planerfüllung und Baumaterial fast alle Mittel recht. Brigadier Balla und seine Männer genießen Narrenfreiheit, da sich ihr unorthodoxer Arbeitsstil als sehr effizient erweist. Als die junge Technologie Kati und der neue Parteisekretär Horrath auf der Baustelle eintreffen kommt es zu Konflikten und Balla muss Position beziehen. Mit Spur der Steine  hofften die Filmschaffenden, durch Beteiligung des populären Hauptdarstellers Manfred Krug die Zensur überwinden zu können. Der Film wurde kurzfristig aufgeführt, doch nach auf Ulbrichts Anweisung inszenierten Protesten in den Kinos wieder zurückgezogen.
 
Regie: Frank Beyer / Drehbuch: Karl-Georg Egel, Frank Beyer, nach einem Roman von Erik Neutsch/ Musik: Wolfram Heicking / Kamera: Günter Marczinkowsky / Schnitt: Hildegard Conrad-Nöller /  Darsteller: Manfred Krug, Krystyna Stypulkowska, Eberhard Esche, Johannes Wieke, Walter Richter-Reinick, Hans-Peter Minetti / Produktion: DEFA. Freigegeben ab 13 Jahre.
 
Sonntag, 5. November, 19 Uhr
Das Kaninchen bin ich
Regie: Kurt Maetzig, s/w, 113 Min., 1965, span. UT

El conejo soy yo Foto: DEFA Stiftung/Jörg Erkens Maria Morzeck ist 19 Jahre alt und arbeitet als Kellnerin. Eigentlich wollte sie Slawistik studieren und Dolmetscherin werden. Doch weil ihr Bruder Dieter wegen "staatsgefährdender Hetze" zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, ließ der Staat sie nicht zum Studium zu. Maria verliebt sich in den wesentlich älteren Paul Deister, sie erfährt, dass er der Richter war, der Dieter zu der hohen Strafe verurteilt hat. Der Film war bis 1990 in der DDR verboten, da er sich kritisch mit dem Sozialismus – insbesondere mit der Strafjustiz – auseinandersetzte.

Regie: Kurt Maetzig / Drehbuch: Kurt Maetzig / Musik: Reiner Bredemeyer, Gerhard Rosenfeld / Kamera: Erich Gusko / Schnitt: Helga Krause / Ton: Konrad Walle / Kostüm: Rita Bieler / Darsteller: Angelika Waller, Alfred Müller, Ilse Voigt, Wolfgang Winkler, Irma Münch, Rudolf Ulrich, Helmut Schellhardt, Annemarie Esper, Willi Schrade, Willi Narloch / Produktion: DEFA. Freigegeben ab 13 Jahre.
 
Sonntag, 12. November, 19 Uhr
Jahrgang 45
Regie: Jürgen Böttcher, s/w, 97 Min., 1966, span. UT

La generación del 45 Foto: DEFA Stiftung/Roland Graef Alfred und Lisa, genannt Al und Li, ein junges Ehepaar vom Prenzlauer Berg, haben beschlossen, sich zu trennen. Die Decke des kleinen Altbau-Zimmers, in dem sie leben, scheint ihnen auf den Kopf zu fallen - und vor allem Al, der leidenschaftliche Automechaniker und Motorradliebhaber leidet unter der Empfindung, sich nicht entfalten und ausprobieren zu können. Er nimmt ein paar Tage Urlaub, bummelt durch Berlin, trifft Freunde und Fremde, lässt sich treiben. Der Kaderleiter seines Betriebes stellt ihn zur Rede. Li, die als Säuglingsschwester arbeitet, leidet unter der bevorstehenden Trennung, macht kein Hehl aus ihren verletzten Gefühlen und wartet darauf, dass Al sich mit ihr ausspricht. Jahrgang 45 wurde verboten, obwohl er keine politische Aussage machte, sondern im Stil der Nouvelle Vague die Irrwege eines jungen Mannes in Prenzlauer Berg beobachtete.

Regie: Jürgen Böttcher / Drehbuch: Jürgen Böttcher, Klaus Poche / Musik: Wolf Biermann, Henry Purcell, Mathias Suschke / Kamera: Roland Gräf / Schnitt: Helga Gentz / Kostüm: Günter Schmidt / Darsteller: Monika Hildebrand, Rolf Römer, Paul Eichbaum, Holger Mahlich, Gesine Rosenberg, Walter Stolp, Werner Kanitz, Ingo Koster, Anita Okon, Ruth Kommerell, Richard Ruckheim / Produktion: DEFA. Freigegeben ab 13 Jahre.
 
Sonntag, 19. November, 19 Uhr
Karla
Regie: Herrmann Zschoche, s/w, 134 Min., 1965/66, span. UT

Karla Foto: DEFA Stiftung/Eberhard Dassdorf Karla möchte ihre Schüler zu kritischen, selbstständig denkenden Menschen erziehen, wird aber sehr bald von Direktor Hirte, einem Altkommunisten, in die Schranken des Lehrplanes und der Grundsätze sozialistischer Erziehungsziele verwiesen. Ein Schüler meint den Direktor aus einem alten Foto in SA-Uniform erkannt zu haben und versucht ihn damit bloßzustellen. Auch Karla ist unsicher, muss aber klein beigeben, als sich herausstellt, dass das Foto von einer Laienspielgruppe des Jahres 1948 stammt. Ihre Beziehung zu dem "ausgestiegenen" Journalisten Kaspar ist der Schulbehörde ein weiterer Dorn im Auge. Nach einer Niederlage passt sich Karla an. Kurz vor dem Abitur begehrt sie jedoch auf, sagt ihren Schülern die Meinung. Karla wird schließlich an eine andere Schule versetzt. Ein Plädoyer für die Meinungsfreiheit, dessen Premiere erst nach dem Mauerfall im Juni 1990 stattfinden konnte.

Regie: Herrmann Zschoche / Drehbuch: Herrmann Zschoche, Ulrich Plenzdorf / Musik: Karl-Ernst Sasse, Georg Katzer / Kamera: Günter Ost / Schnitt: Brigitte Krex / Kostüm: Luise Schmidt / Darsteller: Jutta Hoffmann, Jürgen Hentsch, Hans Hardt-Hardtloff, Klaus-Peter Pleßow, Gisela Morgen, Peter Sturm, Inge Keller / Produktion: DEFA. Freigegeben ab 13 Jahre.
 
Sonntag, 26. November, 19 Uhr
Berlin um die Ecke
Regie: Gerhard Klein, s/w, 86 Min., 1965-1990, span. UT
 
Berlín a la vuelta de la esquina Foto: DEFA Stiftung/Heinz Wenzel Die Jugendlichen Olaf und Horst arbeiten beide in einem Metall-Betrieb in Ost-Berlin. Doch ständiger Materialmangel und der schlechte Zustand der alten Maschinen sorgen für Frust am Arbeitsplatz. Mit der Unterstützung ihres älteren Kollegen Paul wollen sie auf die Missstände aufmerksam machen und für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen. Damit stoßen Olaf und Horst aber bereits im eigenen Betrieb auf Widerstand und Hindernisse. Wut und Frust der Jugendlichen über die bürokratischen Verhältnisse im Betrieb und über die Bevormundung durch die älteren Kollegen waren so realistisch dargestellt, dass sie als „staatsfeindlich“ abgestempelt mehrere Jahrzehnte lang verboten waren.

Regie: Gerhard Klein / Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase / Musik: Georg Katzer / Kamera: Peter Krause / Schnitt: Evelyn Carow / Kostüm: Barbara Braumann, Barbara Müller / Darsteller: Dieter Mann, Monika Gabriel, Erwin Geschonneck, Hans Hardt-Hardtloff, Kaspar Eichel, Harald Warmbrunn, Jürgen Frohriep. Kurt Böwe, Rudolf Ulrich, Klaus Ebeling, Achim Schmidtchen, Uwe-Detlev Jessen, Maria Rouvel, Evamaria Bath, Angela Brunner / Produktion: DEFA. Freigegeben ab 13 Jahre.

Zurück