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Bicultural Urbanite Brianna
Gedenkfeiern beginnen 30 Jahre nach dem Mauerfall

Eine Lichtprojektion, die den Palast der Republik in Berlin nachbildet
Eine Lichtprojektion die den Palast der Republik, den Sitz des DDR-Parlaments, nachahmt, ist eine von vielen Open-Air-Ausstellungen, die zum 30-jährigen Jubiläum geplant sind. | © Harf Zimmerman / Kulturprojekte Berlin

In diesem Monat jährt sich der Fall der Berliner Mauer zum 30. Mal. Während die Feierlichkeiten um den Mauerfall vor einem Jahrzehnt ruhig waren, werden nun in Berlin alle Register gezogen, um jenem zu gedenken. Jedoch scheint es, als ob sich nicht jeder von einem getrennten Deutschland wegbewegt hätte.

Von Brianna Summers

Vor 10 Jahren habe ich den 20. Jahrestag des Mauerfalls gefeiert, als ich auf der Berliner Schillingbrücke im Regen stand. Ich war Teil eines chaotischen Flashmobs, der versuchte, bei Kerzenschein eine Menschenkette entlang der Strecke zu formen, auf der einst die Berliner Mauer stand. Es war eine miserable regnerische Nacht, daher war die Teilnahme gering. Unsere „Kette“ war voller Löcher und wir mussten die durchnässten Dochte unserer Kerzen immer wieder anzünden.

Nicht weit entfernt fanden offizielle Feierlichkeiten am Brandenburger Tor statt. Drei Dutzend internationale Würdenträger saßen in einem provisorischen mit durchsichtigem Plastik umwickelten Gebäude, darunter Vertreter der vier alliierten Mächte, die das post-nationalsozialistische Deutschland geteilt hatten. Dahinter war ein Meer von Regenmänteln und Regenschirmen, und eine Reihe von 1.000 riesigen Dominosteinen die markierten, wo einst die Berliner Mauer das Herz der Stadt durchschnitten hatte. Diese farbenfrohen Dominosteine ​​mit einem Gewicht von jeweils 20 kg wurden zum Höhepunkt der Feierlichkeiten symbolisch umgeworfen. Chaotischer Flashmob „Menschenkette“ zum 20. Jahrestag des Mauerfalls 2009. Chaotischer Flashmob „Menschenkette“ zum 20. Jahrestag des Mauerfalls 2009. | © Ruaridh Atkins

7 TAGE, 7 ORTE, ÜBER 100 VERANSTALTUNGEN

Das war damals. 2019 hat Berlin alle Register gezogen. An sieben wichtigen Orten der friedlichen Revolution, darunter die Gethsemanekirche in Prenzlauer Berg, der Kurfürstendamm, der Alexanderplatz und die ehemalige Stasi-Zentrale in Lichtenberg, finden an sieben Tagen Gedenkveranstaltungen statt. Das Budget beläuft sich auf coole 10 Millionen Euro - das Doppelte der Domino-Extravaganz von 2009. 30 Jahre später werden die Börsenspekulanten erneut dazu ermutigt, über diese lebensverändernde Nacht im November nachzudenken, als David Hasselhoff „I’ve been looking for freedom“ sang (und es nur knapp vermeiden konnte, von einem Feuerwerkskörper verletzt zu werden). Aber das ist nicht alles. Es finden über 100 Veranstaltungen statt, die sich mit der Teilung Berlins, dem Kalten Krieg, der friedlichen Revolution und dem anschließenden Wiedervereinigungsprozess beschäftigen. Es ist ein breiter Ansatz der Vorträge, Ausstellungen, Konzerte, Filmvorführungen, Theaterproduktionen, Workshops, Podiumsdiskussionen mit Zeitzeugen und sogar eine Augmented-Reality-App anbietet.

Es bleibt abzuwarten, ob diese Events die vorherrschende Geschichte der Wiedervereinigung verstärken, oder die Vergangenheit kritisch beäugen und Raum dafür geben, die Ereignisse seit 1989 in neuem Licht zu betrachten. Letzten Endes sind die Auswirkungen der 28-jährigen Spaltung ja immer noch zu spüren - kulturell, psychologisch und finanziell. Die deutschen Steuerzahler zahlen nach wie vor den Solidaritätszuschlag, der zur Finanzierung der Kosten der Wiedervereinigung eingeführt wurde. Die Einkommensunterschiede sind immer noch groß. Laut Tagesspiegel liegt der Median des Nettovermögens pro Haushalt in den neuen Bundesländern (ehemals Ost) bei 23.400 Euro, in den alten Bundesländern (ehemals West) ist dieser Wert ca. viermal höher. Ebenso erhalten die Arbeitnehmer in den neuen Bundesländern im Durchschnitt immer noch 17% weniger als ihre westlichen Kollegen, und die Arbeitslosigkeit in der ehemaligen DDR ist ebenfalls vergleichsweise schlimmer, obwohl sich beide Trends verbessern. Brianna und ihre Mutter posieren vor der East Side Gallery. Mama und ich posieren vor der East Side Gallery, dem längsten erhaltenen Teil der Berliner Mauer. | © Brianna Summers

DIE MAUER IN DEN KÖPFEN DER MENSCHEN

Viele ehemalige Ostdeutsche sind immer noch der Meinung, dass der Wiedervereinigungsprozess gerechter hätte durchgeführt werden können, und die Mehrzahl der Deutschen sind immer noch nicht der Meinung, dass das Land wirklich vereint ist. In einer Umfrage, die in diesem Monat von der Tagesschau veröffentlicht wurde, war fast die Hälfte der befragten Wessies der Meinung, dass die Wiedervereinigung „im Allgemeinen fair“ sei, während die Ossies weniger sicher waren. Ein Drittel erklärte „im Allgemeinen fair“ und ein weiteres Drittel „im Allgemeinen unfair“. Auf die Frage, ob Deutschland ihrer Meinung nach „zusammengewachsen“ ist, stimmte eine klare Mehrheit auf beiden Seiten der Aussage nicht besonders zu.

Trotz der Komplexität, die mit dem Gedenken an ein derart wichtiges historisches Ereignis und dessen Folgen verbunden ist, haben die Organisatoren auch die Kraft eines öffentlichen Spektakels nicht vergessen. Open-Air-Ausstellungen mit 3D-Videoprojektionen und Soundinstallationen werden durch eine massive Freilichtausstellung mit dem Titel „Deine Vision im Himmel über Berlin“ ergänzt. In Anlehnung an die Banner der friedlichen Proteste, die zwischen 1989 und 1991 in der gesamten DDR stattfanden, werden unzählige 140-stellige Botschaften der Öffentlichkeit über die Wiedervereinigung zu einer riesigen Flagge verarbeitet. Und laut Berlin.de ist der Höhepunkt der Jubiläumswoche eine multimediale Bühnenshow am Brandenburger Tor mit Acts, wie „Realtime-Technology-Tanz-Performance“, gefolgt von After-Partys in 27 Berliner Clubs und 27 Clubs in ganz Europa.

Von Podiumsdiskussionen bis hin zur Pyrotechnik ist bei den einwöchigen Feierlichkeiten für jeden etwas dabei - unabhängig davon ob ihr ein Wessie, ein Ossie oder ein Aussie seid.

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