Museum für Architekturzeichnung Im Lift durch die Baukunst

Tchoban Foundation Berlin, Ausstellungsraum
Tchoban Foundation Berlin, Ausstellungsraum | Foto: Roland Halbe

Ein privat finanziertes Museum in Berlin widmet sich der Architekturzeichnung. Gezeigt werden Werke aus mehreren Jahrhunderten.

So manche Stadt sieht sich unverhofft veranlasst, tief in den Stadtsäckel zu greifen und sich ein neues Kunstmuseum zu leisten. Wenn nämlich ein Privatsammler großmütig anbietet, seine Schätze der Öffentlichkeit zu präsentieren und den Bau eines Museums zur Bedingung für die Schenkung oder Dauerleihgabe macht. Eher selten kommt es dagegen vor, dass ein Sammler das Museum gleich mitliefert und das Haus sogar selbst betreibt. So geschehen in Berlin, auf dem ehemaligen Brauereigelände Pfefferberg, in direkter Nachbarschaft des internationalen Architekturforums Aedes und des Atelierbetriebs von Olafur Eliasson. Dort öffnete im Juni 2013 das Haus der Tchoban Foundation – Museum für Architekturzeichnung seine Pforten.

Sammlung aus sechs Jahrhunderten

  • Tchoban Foundation Berlin, Fassadendetail Foto: Roland Halbe
    Tchoban Foundation Berlin, Fassadendetail
  • Tchoban Foundation Berlin Foto: Roland Halbe
    Tchoban Foundation Berlin
  • Tchoban Foundation Berlin Foto: Roland Halbe
    Tchoban Foundation Berlin
  • Tchoban Foundation Berlin, Bibliothek Foto: Roland Halbe
    Tchoban Foundation Berlin, Bibliothek
Der in St. Petersburg geborene Architekt Sergei Tchoban, Partner im Berliner Büro nps Tchoban Voss und im Moskauer Büro Speech Tchoban & Kuznetsov, ist selbst einer der bedeutendsten Architekturzeichner und mit eigenen Ausstellungen im In- und Ausland präsent. Er ist aber auch Sammler, Förderer, Impresario und Kurator dieser Kunstsparte, die mit dem Aufkommen des CAD, des architektonischen Entwerfens am Computer, ihre Bedeutung als Gebrauchsgrafik in der Baupraxis verloren hat und heute zum Bereich der Schönen Künste zählt. Seine Sammlung bedeutender Blätter aus sechs Jahrhunderten mit Schwerpunkten im 17. und 18. Jahrhundert sowie bei den russischen Konstruktivisten der 1920er-Jahre hat er zum Großteil in eine Stiftung eingebracht.

Wenn nun die von Sponsoren unterstützte Stiftung ein Museum betreibt, dann nicht nur, um die eigene Sammlung zu zeigen. Tchoban hat ein internationales Netzwerk aufgebaut und beispielsweise mit Ausstellungen in der Eremitage St. Petersburg, in der Académie des Beaux Arts in Paris oder im Soane’s Museum London den Grundstein für gegenseitigen Austausch gelegt. Das Soane’s Museum bestritt auch die Eröffnung der Tchoban Foundation mit einem Paukenschlag: Piranesis Paestum – Neuentdeckung der Meisterzeichnungen, mit raren Handzeichnungen Piranesis, der für seine berühmten Kupferstiche der „Imaginären Gefängnisse“ und der römischen Veduten sonst nur Vorskizzen angelegt hatte. Den Zyklus der Tempel von Paestum hat Giovanni Battista Piranesi 1788 im letzten Lebensjahr mit schwindenden Kräften als detaillierte Ansichten gefertigt, damit sie sein Sohn in Kupfer stechen und posthum veröffentlichen konnte.

Schatzkästchen für die Architekturzeichnung

Das Museum ist der ideale Ort für derlei intime Kabinettausstellungen. Für das auf kleinstem Grundriss aus vier nahezu geschlossenen Kuben locker aufgetürmte Museum zeichnet Tchobans Moskauer Büro Speech verantwortlich. Die Wände aus einem beigefarbenen Beton wirken fast wie vom Steinmetz bearbeiteter Sandstein und sind mit Fassadenreliefs dekoriert, die als Motive stark vergrößerte Fragmente aus Zeichnungen der Sammlung zeigen, die sich aufzufächern scheinen wie ein Stapel Blätter. So wird die Zweckbestimmung des Baus schon von außen deutlich gemacht. Im Inneren wirkt es – sorgsam detailliert und in edlen Materialien ausgeführt – wie ein Schatzkästchen.

Attraktive Bereicherung

Tchoban Foundation, Dachgeschoss Tchoban Foundation, Dachgeschoss | Foto: Roland Halbe Das Erdgeschoss wird vom Empfang und einer kleinen Präsenzbibliothek eingenommen. Die Wandvertäfelung aus Nussbaumholz wiederholt die Fassadenmotive. Auch die Betonwände des Aufzugsschachts sind mit dem Dekor reliefiert. Man fährt mit dem gläsernen Lift gewissermaßen durch die Baugeschichte.Auf die beiden unregelmäßig geschnittenen Ausstellungsgeschosse mit Kabinettcharakter folgt eine Depotebene. Bekrönt wird der hermetische Bau von einem gläsernen Kubus mit Rundumsicht und zwei Dachterrassen, in dem Kuratoren und Verwaltung einen wunderbaren Arbeitsplatz vorfinden.

Auf dem Pfefferberg, zwei U-Bahnstationen nördlich des Alexanderplatzes, ist in den vergangenen Jahren ein Kulturstandort mit Galerien und Ateliers von internationaler Strahlkraft herangewachsen. Die Tchoban Foundation ist eine attraktive bauliche Bereicherung des sich kraftvoll entwickelnden Pfefferbergareals und ergänzt das Kulturangebot um einen gewichtigen Baustein.