Jörg Plickat Sculpture by the Sea: Divided Planet verbindet

Jörg Plickat bei Sculpture by the Sea
Jörg Plickat bei Sculpture by the Sea | © Jochen Gutsch

Ein Werk, das die Wertgebungen unserer Welt, und den Stellenwert unserer Bestrebungen herausfordert: mit seinem Beitrag Divided Planet konnte Jörg Plickat die Jury überzeugen. Der Macquarie Group Sculpture Prize, der mit 60.000 australischen Dollar dotiert ist, geht 2015 an den deutschen Bildhauer. Alljährlich wird der Preis im Zuge der beliebten Freiluftausstellung Sculpture by the Sea verliehen. Diese zeigt für etwa zweieinhalb Wochen Skulpturen, die den berühmten Weg entlang von Sydney's Stadtstränden, von Coogee bis nach Bondi, säumen.

Herzlichen Glückwunsch Jörg! Sie wurden heute mit dem begehrten Macquarie Group Sculpture Prize für Ihre Skulptur Divided Planet ausgezeichnet. Sie sind damit der erste deutsche Künstler, dem diese Ehre zuteil wird. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?

Das ist wirklich eine ganz große Ehre für mich. Australien ist ja der vierte Kontinent auf dem ich jetzt vertreten bin. Dieses Jahr bin ich bereits zum dritten Mal dabei, und es ist wirklich positiv aufgenommen worden. Es kommt mir vor wie in einem Märchen. Ich bin wirklich hoch erfreut.
 

Eine internationale Perspektive

Ja, ich habe gelesen, dass Sie nicht zum ersten Mal mit dabei sind. Was ist denn Ihre Verbindung zu Sculpture by the Sea?

Ich bin immer sehr international orientiert. Ich habe bereits etwas in Amerika gemacht, in Asien, in Europa, wie gesagt in vielen verschiedenen Ländern, wie China, Japan und Korea. Ich hatte viel Gutes über diese Ausstellung hier gehört. Insofern habe ich mich ein paar Mal beworben, und vor drei Jahren hat es dann zum ersten Mal geklappt.

Und da hatte ich das Glück, dass meine Arbeit schon vor der Eröffnung verkauft worden war. Ein großer Erfolg, denn die Teilnahme ist mit einem hohen Aufwand verbunden. Man muss die Skulpturen auseinander nehmen, sie vollständig in den Container bekommen, man muss sie wieder zusammen schweißen, Papiere ausfüllen, fast einen Monat im Büro sitzen - es gibt unheimlich viel zu klären. Der Transport alleine kostet zwischen sieben und achttausend Dollar.

Wird dies alles auf eigene Kosten von den Künstlern finanziert?

Ja, alles auf eigene Kosten, die man auch erstmal vorschießt. Und auch immer mit dem Risiko, dass man die Skulptur auch wieder zurück transportieren muss.
 

Keine Zeit für die wichtigen Themen

Das ist in Ihrem Fall ja nun nicht mehr notwendig. Divided Planet wird nach der Ausstellung permanent in Mosman installiert werden. Erzählen Sie uns kurz etwas über Divided Planet, das Kunstwerk das ja nun auch ausgezeichnet wurde?

Also das ist ein Thema, das mich so die letzten zwei Jahren bewegt hat: Das egal in welchem System oder in welchem Land, die Politik immer nur kurzfristig ausgerichtet ist.

Ich habe vor zwei Jahren an die Jahrtausendwende zurückgedacht, als man voller Hoffnung dachte, jetzt werden endlich mal die großen Probleme unseres Planeten angegangen. Die Klimaerwärmung, irgendwie zu versuchen, den Meeresspiegelanstieg zu bremsen, gegen Hunger und Durst in der Welt zu kämpfen… aber stattdessen sind wir jetzt in einer Situation, die sich immer weiter festfährt. Die Welt wird immer mehr in Machtblöcke aufgeteilt. Und jeder Block, egal welcher, es gibt keine Guten und keine Bösen, jeder betreibt recht chauvinistische, egoistische, nationale Politik. Wir sehen jetzt Konflikte, in Afrika sowieso, im Nahen Osten, die sich immer weiter erstrecken, in Afghanistan, in Pakistan, in der Ukraine und jetzt neuerdings vielleicht auch im Südchinesischen Meer.

Und was eigentlich wirklich wichtig ist – Klimaerwärmung, Umweltverschmutzung – wird überhaupt nicht bekämpft. Da gibt es überhaupt keine Zeit für.

Dafür gibt es die Kunst und Sie, dass Sie dem Betrachter Ihre Wahrnehmung vor Augen führen können.

Genau. Das ist eigentlich auch die Idee. Das war ja auch schon die Idee der letzten Biennale in Venedig All The World’s Futures […].

Dann eine abschließende Frage: Sie können ja nun mit leichtem Gepäck die Heimreise antreten. Was sind Ihre nächsten Pläne?

Ich werde tatsächlich bald wieder in Australien sein. Ich hatte mich bereits zuvor für Perth beworben, für Cottesloe, die Schwesterveranstaltung [ed. von Sculpture by the Sea in Bondi]. Zudem habe ich gerade zwei riesige Wettbewerbe in China laufen. Beide südlich von Shanghai. Die werden wahrscheinlich in den nächsten 14 Tagen entschieden. Ich hoffe natürlich, dass ich zumindest eines dieser beiden Projekte gewinnen werde, und dann eben die Produktion in China übersehe. Danach geht es nach Madrid, wo ich eine Gastprofessur habe. Da werde ich wohl im April wieder einen Workshop machen: elementare Formen und abstrakte Komposition. Dann gibt es wieder Projekte in Deutschland, Wettbewerbe über die ich noch nicht so sprechen kann.