Berlinale 2016 Lieblingsfilme der Berlinale-Blogger

„Théo et Hugo dans le même bateau“ | Regie: Olivier Ducastel, Jacques Martineau
„Théo et Hugo dans le même bateau“ | Regie: Olivier Ducastel, Jacques Martineau | Foto (Ausschnitt): Maxence Germain © Ecce Films

Ein internationales Team an Bloggerinnen und Filmjournalisten hat die Berlinale 2016 für Goethe.de begleitet – in Interviews, Kritiken und Hintergrundberichten. Was waren die persönlichen Lieblingsfilme unserer Blogger im diesjährigen Berlinale-Programm?



Sam de Wilde – Belgien

Sam de Wilde Foto: Bibí Euse Ich liebe Jeff Nichols Film Midnight Special – genau so, wie man ein stures, trotziges Kind liebt: Man sieht seine Schwächen und liebt es trotzdem.






Camila Gonzatto – Brasilien

Camila Gonzatto Foto: © Privat Der Film Houses without doors hat mich umgehauen. Er schildert den Alltag einer syrischen Familie in Aleppo während des Krieges und zeigt, wie der Krieg langsam aber sicher das Leben in der Straße und Nachbarschaft verändert – vom einst lebendigen Straßenleben zu einer Szenerie der Zerstörung. Unter den brasilianischen Filmen würde ich Muito Romântico hervorheben, wegen seiner Schönheit und der Poesie seiner Bilder.

Yun-hua Chen – China

Yun-hua Chen Foto: Privat Ich mochte besonders den Film Théo et Hugo dans le même bateau, einen äußerst zärtlichen und sensiblen Film. Die mutige Performance der beiden jungen Hauptdarsteller ist einfach umwerfend, genau wie die Kulisse des nächtlichen Paris – die Stadt wird fast zu einem dritten Protagonisten des Films. Universale Themen wie Liebe und Angst, Zweifel und Vertrauen greift der Film fesselnd und mit Charme und Eleganz auf.
 

Morten Vejlgaard Just – Dänemark

Morten Vejlgaard Just Foto: Linn Grubbström Der Titel passt perfekt zur Berlinale:Indignation Empörung). Ganz nebenbei ist es auch ein guter Film – vielleicht nicht der beste Film des Festivals, aber er hat zweifellos die beste Filmszene: Ein zehnminütiger Streit, der mit Erbrochenem auf dem Boden und einer Blinddarmoperation endet. Diese Szene werde ich nie vergessen.

 

Philipp Bühler – Deutschland

Philipp Bühler Foto: © Privat Mir hat Little Men von Ira Sachs sehr gut gefallen: Ein sehr erwachsener Film über die Gentrifizierung in Brooklyn, durch die Augen zweier 13-Jähriger betrachtet. Jake und Tony sind wirklich „kleine Männer“. Regisseur Ira Sachs zeigt ihre sensible Freundschaft in den zartesten Bildern seit Richard Linklaters Boyhood.


 

Venia Vergou – Griechenland

Venia Vergou Foto: Privat Für mich war der 485-minütige Hele Sa Hiwagang Hapis (A Lullaby to the Sorrowful Mystery) des philippinischen Regisseurs Lav Diaz der beste Film: weil Lav Diaz ein Meister der Narration ist, weil sich Zeit in seinem epischen Filmschaffen auf außergewöhnliche Weise ausdehnt, und weil er atemberaubende Bildkompositionen von Menschen in der philippinischen Landschaft kreiert.
 

Veronika Kusumaryati – Indonesien

Veronika Kusumaryati Foto: Privat Ahmad Ghosseins Arbeiten – die Performance When the Ventriloquist Came and Spoke to Me und die Videoinstallation Al Marhala Al Rabiaa – veranschaulichen die Brisanz von visuellen Ordnungen. Im Angesicht der zunehmenden Bilderproduktion etwa von ISIS und der Verbreitung von Bildern aus militärischen Quellen fordern Ghosseins Arbeiten uns heraus, unsere Beziehungen zu Bildern neu zu hinterfragen.

 

Jutta Brendemühl – Kanada

 | Foto: Goethe-Institut Für mich war der deutsche Wettbewerbsbeitrag 24 Wochen der beste Film: sanft, einfühlsam, hart, herzzerreißend, politisch, unerschrocken, fesselnd, herausfordernd, innovativ, mit herausragenden Darstellern.




 

Mugambi Nhtiga – Kenia

Mugambi Nthiga Foto: Operetar Photography Der Film Shepherds and Butchers von Oliver Schmitz hat mich am meisten beeindruckt. Die Geschichte über die schrecklichen Folgen von Hinrichtungen auf einen jugendlichen Gefängniswärter während der Apartheid in Südafrika ist einfach und stilsicher. Dem Film gelingt es, uns an den richtigen Stellen aufzurütteln und uns gleichzeitig Mut zu machen in dem Bedürfnis, uns als fühlende menschliche Wesen zu verstehen.


Julia Thurnau – Norwegen

Julia Thurnau Foto: © Privat Die Frauen in Doris Dörries Film Grüße aus Fukushima begegnen einander in ihrer Verletzlichkeit, die sie mit Wut ausdrücken. Viel zu selten fühle ich mich so verstanden wie von Doris Dörries Meisterstück. Die von Ulrike Haage komponierte schlichte Klaviermusik hebt das Schöne in einem Ambiente von Zerstörung hervor.

 


Pablo López Barbero – Spanien

Pablo López Barbero Foto: © Filiz Penzkofer Für mich war Rafi Pitts Wettbewerbsbeitrag Soy Nero ein sehr guter Film. Der Schauspieler Johnny Ortiz ist herausragend in der Rolle eines Mexikaners, der von einem besseren Leben in den USA träumt. Für die Enttäuschung des Protagonisten findet der Film überzeugende Bilder. Diese Geschichte steht leider symbolisch für die Situation von vielen Menschen weltweit.