Wissenschaftsnetzwerk Starthilfe für akademische Talente

Talentierte Nachwuchswissenschaftler – die Mitglieder der Jungen Akademie;
Talentierte Nachwuchswissenschaftler – die Mitglieder der Jungen Akademie; | Foto (Ausschnitt): © Junge Akademie

Die Junge Akademie gilt als weltweit erste Akademie für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Sie fördert neue Ideen junger Forscher und bietet ein Forum für Austausch über alle Fächergrenzen hinweg.

Rechtswissenschaftler diskutieren mit Astrophysikern, Mathematiker tauschen sich mit Philosophen aus. Seit ihrer Gründung im Jahr 2000 ist die Junge Akademie ein interdisziplinäres Forum für talentierte Nachwuchsforscher. Der Austausch soll Akademiker, die am Anfang ihrer Karrieren stehen, zu kreativen und innovativen Forschungsideen anregen. „In dem interdisziplinären Diskurs an der Jungen Akademie lernt man ebenfalls, die eigene Forschung sehr konkret und anschaulich zu kommunizieren und die eigenen Ideen noch stärker zu hinterfragen“, sagt Sibylle Baumbach. Die Juniorprofessorin für englische Literatur- und Kulturwissenschaft der Universität Mainz ist seit 2011 Mitglied der Jungen Akademie.

Die Junge Akademie geht auf die Initiative zweier etablierter Einrichtungen zurück, der Berlin-Brandenburgischen Akademie und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina. Mitglieder der renommierten Institutionen waren der Meinung, deutsche Jungforscher bekämen nicht ausreichend Freiraum und Unterstützung. Dieses Versäumnis sollte die Junge Akademie nachholen. „Hier sollen junge Forscherinnen und Forscher die Chance haben, Wissenschaft nach ihren eigenen Vorstellungen zu betreiben“, so Dieter Simon, ehemaliger Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und einer der Initiatoren der Jungen Akademie.

„Eine Stimme, die gehört wird“

Die Junge Akademie bietet auch ein Forum, sich gemeinsam für wissenschaftspolitische Ziele einzusetzen: Die Mitglieder veröffentlichen Thesenpapiere zu hochschul- und forschungspolitischen Themen, veranstalten öffentliche Diskussionen und organisieren Expertenanhörungen. „Als Junge Akademie hat man eine Stimme, die auch gehört wird“, fasst Baumbach zusammen. „Das ist als Einzelkämpfer an der Uni fast nicht möglich.“ Sibylle Baumbach ist eines der insgesamt 50 Mitglieder der Jungen Akademie. Die meisten von ihnen sind wie sie Juniorprofessoren. Ihre Mitgliedschaft dauert fünf Jahre: Jedes Jahr scheiden zehn Personen aus und zehn neue werden aufgenommen.

Theoretisch kann jeder Nachwuchsforscher aus den deutschsprachigen Ländern der Jungen Akademie beitreten. Doch die Aufnahmekriterien sind streng: Kandidaten müssen eine ausgezeichnete Promotionsarbeit und mindestens eine weitere, erstklassige Forschungsleistung vorweisen. Baumbach und ihre Kollegen treffen sich in Arbeitsgruppen, die als eigentliches Herzstück der Arbeit gelten. Hier wird keineswegs im kleinen Kreis diskutiert, die Gruppen veranstalten vielmehr Symposien und kulturelle Events, führen Studien durch und publizieren ihre Forschungsergebnisse. Die Themenstellungen sind äußerst facettenreich – sie verbindet jedoch die Offenheit für Experimentelles und der interdisziplinäre Ansatz.

Aktuelle Forschung und gesellschaftspolitische Ziele

Zudem kommen die Mitglieder dreimal jährlich zu einer Vollversammlung zusammen. Hier informieren sie sich gegenseitig über ihre aktuellen Forschungsvorhaben und planen gemeinsame Projekte. Viele dieser Initiativen dienen gesellschaftspolitischen Zielen, so auch der Ende 2014 ausgeschriebene Wettbewerb Who Gets Carried Away by Europe? „Den Mitgliedern der Jungen Akademie war es wichtig, eine auf die europäische Integration ausgerichtete Frage zu formulieren – gerade in einer Zeit, in der Europa von vielen Menschen kritisch betrachtet wird“, sagt Manuel Tröster, Wissenschaftlicher Koordinator der Geschäftsstelle der Jungen Akademie in Berlin.

Für dieses Projekt wie für zahlreiche andere kooperierte die Junge Akademie mit gleich mehreren europäischen Schwesterninstitutionen. Denn die deutsche Einrichtung ist längst nicht mehr die einzige ihrer Art. Bereits kurz nach der Gründung der Jungen Akademie übernahmen andere Länder das Modell der Nachwuchsförderung. Mittlerweile gibt es mindestens zehn weitere Junge Akademien, unter anderem in Schottland und den Niederlanden. Um ihre Arbeit finanzieren zu können, erhält jedes Mitglied der Jungen Akademie ein Budget von rund 25.600 Euro. Die Organisation wird durch mehrere Akteure getragen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung steuert 80 Prozent der Finanzmittel bei. Zehn Prozent kommen vom Land Sachsen-Anhalt, weitere zehn Prozent von den Ländern Berlin und Brandenburg.

Von dieser Unterstützung profitieren nicht nur die 50 Teilnehmer. Ehemalige Mitglieder kommen unter anderem auf Alumni-Treffen der Jungen Akademie zusammen und helfen sich gegenseitig bei Karriere- und Forschungsfragen. So fördert die Junge Akademie nicht nur einzelne Personen, sondern die Zukunft der Forschung und Wissenschaft.