Exzellenzinitiative Wie es für die Hochschulen weitergeht

Förderung für exzellente Forschung;
Förderung für exzellente Forschung; | Foto (Ausschnitt): © gremlin_iStock

Die zweite Phase des Wettbewerbs zur Spitzenforschung an den deutschen Hochschulen läuft 2017 aus. Die Politik hat beschlossen, die Exzellenzinitiative fortzusetzen – mit einigen Änderungen.

Am Ende waren fast alle dafür. Nur Hamburg enthielt sich, als die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern im April 2016 über die Zukunft der Exzellenzinitiative abstimmte. Drei Monate lang hatten Minister und Staatssekretäre darüber verhandelt, wie der seit 2006 laufende Wettbewerb zur Förderung der Spitzenforschung an den Hochschulen eine Dauereinrichtung werden kann. Genau hier lag der Knackpunkt: Weil der Bundesregierung bis 2014 eine dauerhafte Finanzierung der von den Bundesländern getragenen Hochschulen untersagt war, hangelte man sich von Projekt zu Projekt. Erst seit das sogenannte Kooperationsverbot durch eine Grundgesetzänderung abgeschafft wurde, ist die Sache einfacher – einerseits.

Doch der Reihe nach: Bislang hatte die Exzellenzinitiative drei Programmlinien. Die erste finanzierte die Einrichtung von Graduiertenschulen mit strukturierten Promotionsprogrammen; die zweite förderte hochschul- und fächerübergreifende Forschungscluster; die dritte sogenannte Zukunftskonzepte. Die Sieger der dritten Linie werden allgemein als „Exzellenzuniversitäten“ bezeichnet. Für die zweite, seit 2012 laufende Programmphase wurden 45 Graduiertenschulen, 43 Exzellenzcluster und elf Zukunftskonzepte bewilligt.

Expertenkommission: Dynamik des Wettbewerbs wahren

Die aktuelle Programmphase läuft bis Ende 2017. Insofern hat die Politik sich mit ihrer Entscheidung beeilt, nachdem lange wenig passiert war. „Warten wir die Imboden-Kommission ab!“, hatten Politiker geantwortet, wann immer sie nach der Zukunft der Exzellenzinitiative gefragt wurden. Diese Gruppe internationaler Wissenschaftsexperten um den Schweizer Physiker Dieter Imboden war beauftragt worden, den Wettbewerb zu bewerten und Vorschläge für die Weiterentwicklung zu machen. Im Januar 2016 stellte sie ihren Bericht vor – damit begann der Verhandlungsmarathon.

Wobei die Politik die Empfehlungen sehr großzügig auslegte. Zum Beispiel hatten die Experten von einer Dauerförderung abgeraten, weil sie die Dynamik des Wettbewerbs bremsen könne. Am Ende stand ein Modell, das an die Förderung der außeruniversitären Leibniz-Institute erinnert. Es gibt eine Dauerförderung, doch alle sieben Jahre müssen sich die Exzellenzuniversitäten einer Evaluation stellen und können aus der Förderung fallen. Gegenüber dem früheren Ablauf bedeutet das trotzdem eine grundlegende Änderung: Bislang war der Wettbewerb mit jeder neuen Runde auf Null gestellt, jetzt gilt die Annahme, dass die Sieger der jüngsten Runde weiter dabei sind. Dies war der Grund dafür, dass sich Hamburgs Wissenschaftssenatorin bei der Abstimmung enthielt. Die Neuerung könne zu einer „dauerhaften Festlegung von Strukturen“ führen.

Kein Bonus auf das bereits Geleistete

Auch in einem anderen entscheidenden Punkt folgte die Politik nicht den Vorschlägen der Kommission: Bisher mussten die Universitäten mit Zukunftskonzepten überzeugen, deren Erfolgsaussichten niemand wirklich einschätzen könne. Die Experten hatten deshalb vorgeschlagen, die Hochschulen an dem zu messen, was sie bereits geleistet haben. Ausschlaggebend sollten feste Exzellenzkriterien sein: die Höhe der eingeworbenen Fördermittel, Publikationsleistungen und Spitzenprofessuren etwa. Doch die Minister fürchteten ein politisches Tauziehen um die Kriterien und rechneten zudem damit, dass ein bedingungsloser Bonus einfach „versickern“ würde. Die neue Förderlinie, die sich jetzt auch offiziell „Exzellenzuniversitäten“ nennt, ist mit wenigen Unterschieden wieder nah an den Zukunftskonzepten.

Was außerdem beschlossen wurde: Die Graduiertenschulen sollen nicht weiter gefördert werden. Grund ist der große Erfolg des Konzepts. Durch die Graduiertenschulen, wie auch durch die Exzellenzcluster, drängte eine hohe Zahl von Nachwuchswissenschaftlern auf den akademischen Arbeitsmarkt – mit unsicheren Aussichten. Und: Als eine der vorgesehenen acht bis elf „Exzellenzuniversitäten“ können sich künftig nicht nur einzelne Hochschulen bewerben, sondern Universitätsverbünde als „Exzellenzstandorte“.

Nachteile für kleine Hochschulen befürchtet

Die Kriterien seien zeitgemäß und mit Blick auf den internationalen Wettbewerb sinnvoll erweitert worden, sagte der Präsident der Technischen Universität München (TUM), Wolfgang Herrmann, nach der Entscheidung. Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), sprach von einer „unabdingbaren Grundlage für die Förderung exzellenter Forschung“, kritisierte aber, dass sich nur Universitäten um die Exzellenzkrone bewerben dürfen, die vorher mindestens zwei Exzellenzcluster gewonnen haben. Das sei für kleine Hochschulen eine große Hürde.

Gut 500 Millionen Euro will Deutschland auch künftig jedes Jahr für die Exzellenzinitiative zur Verfügung stellen – im internationalen Vergleich nicht unbedingt eine hohe Summe. Sie entspreche dem Budget einer seiner Fakultäten, kommentierte der Präsident der US-amerikanischen Universität Stanford, John Hennessy.