Kunst und Technologie Kunstvermittlung im digitalen Zeitalter

Künstler greifen in ihren Werken oft auf digitale Technologie zurück, so zum Beispiel auch Danae Valenza mit ihrem Werk Your Motion Says von 2016.
Künstler greifen in ihren Werken oft auf digitale Technologie zurück, so zum Beispiel auch Danae Valenza mit ihrem Werk 'Your Motion Says' von 2016. | © Constantia Chirnside

Obwohl Museen schon seit dem 19. Jahrhundert existieren, hat die museale Kunstvermittlung erst in den letzten 50 Jahren an Bedeutung gewonnen. Besonders die stetige Digitalisierung bringt viele neue Möglichkeiten mit sich. In Australien und Deutschland werden digitale Medien im Kultursektor immer häufiger eingesetzt.

„Heutzutage ist digitale Technologie wie ein Pinsel für Künstler“, findet Alex White, der Programmierer für digitales Lernen des Museum of Contemporary Art in Sydney. „Es ist sinnvoll, dass Künstler in ihren Werken Technologie verwenden, da Technologie die heutigen Prozesse und Machtstrukturen unseres Alltags widerspiegelt.“ Nicht nur zeitgenössische Künstler sondern auch Kunstvermittler sind sich dieser Digitalisierung des Alltags bewusst. Seit der aufstrebenden Digitalisierung der letzten Jahre hat sich Kunstvermittlern ein neues Feld eröffnet: Kunst mit Hilfe von digitalen Technologien zu vermitteln.
 
Die museale Kunstvermittlung geht mittlerweile über den klassischen Audioguide hinaus. Heutzutage haben Museen oft eine App, die man für seinen Museumsbesuch kostenlos herunterladen und mit dem öffentlich zur Verfügung gestellten WLAN im Museum nutzen kann, so auch das Museum of Contemporary Art. Die Museums-App fasst Informationen zu Kunstwerken, Kuratoren und Künstlern anhand von Audio-, Video- und Textmaterial für den Besucher zusammen. „Durch die Verknüpfung von Kreativität und Technologie wollen wir sicherstellen, dass neben Mathe, Technik und Wissenschaft genug Spielraum für kreatives Denken und Arbeiten existiert“, so Alex White.

Kunst und Technologie

Wie wichtig heutzutage schnelle Informationsbeschaffung auf digitalem Wege besonders für junge Menschen sein muss, erklärt Dr. Pablo Abend, Projektleiter an der Universität zu Köln. „Gerade das junge Publikum ist medientechnologisch anders sozialisiert als noch ihre Eltern.“ Gemeinsam mit Prof. Dr. Marx und Jun.-Prof. Dr. Benjamin Beil von der Universität zu Köln leitet er ein Seminar, bei dem mit Hilfe der Studierenden, und in Kooperation mit dem Wallraf-Richartz Museum in Köln, eine App gestaltet wird. „Ziel der App ist es, den Museumsbesuch multisensorisch anzureichern und dabei Wissen über einzelne Werke und die jeweilige Epoche zu vermitteln.“
 
Das Wallraf-Richartz Museum will mit der App vor allem das junge Publikum auf spielerische Weise erreichen und zum Museumsbesuch anregen. „Die App soll eng an den Raum des Museums gebunden sein“, erklärt Dr. Pablo Abend. Die Studierenden einigten sich auf eine ortsbasierte Quiz-App: der Nutzer reist durch die verschiedenen Kunstepochen und muss auf mehreren Etagen des Museums Rätsel und Fragen lösen. Für die Umsetzung der App arbeiten die Studierenden eng mit den Kuratorinnen und Kuratoren des Museums zusammen: Gemeinsam werden „Werke und Stationen definiert, an denen Inhalte hinterlegt werden, die dann das Grundgerüst für die Nutzerführung ergeben sollen“, erläutert Dr. Pablo Abend. Im Frühjahr 2017 soll die App veröffentlicht werden.
Die Autorin im Selbstversuch mit Ruth McConchies Kunstwerk Salines, Sirius, Obelisk von 2016. Die Autorin im Selbstversuch mit Ruth McConchies Kunstwerk Salines, Sirius, Obelisk von 2016. | © Constantia Chirnside
Dass Künstler auf digitale Technologien zurückgreifen ist nichts Neues. Ruth McConchie nutzt in ihrem Werk Salines, Sirius, Obelisk aus dem Jahr 2016 beispielsweise den aufkommenden Trend der Virtual Reality Brille. Sie schickt den Nutzer mit der VR Brille und Kopfhörern durch realitätsgetreue Museumsräume, eine Unterwasserwelt und das teils imaginative, teils historische Stadtviertel The Rocks. Verblüffend echt erstaunt es die Nutzer, die sich mit der aufgesetzten Brille hin und her bewegen und somit in eine völlig andere Welt eintauchen.

 

Das Städel Museum als Vorreiter

In Deutschland gilt das Städel Museum in Frankfurt als Pionier im Bereich der digitalen Vermittlung. Durch die neuen digitalen Möglichkeiten will das Museum parallel zum Museumsbesuch ein alternatives Angebot bieten, um im heutigen, digitalen Zeitalter dem Bildungsauftrag der Kulturinstitution gerecht zu werden. So soll anhand von digitalen Erweiterungen ein neuer Weg der Kunstvermittlung eingeschlagen werden, wobei der Fokus auf einem partizipativen und interaktiven Zugang zu Kunst liegt.
 
Neben der App bietet das Städel Museum einen Blog an, der einen Blick hinter die Kulissen erlaubt. Die Leser erhalten Informationen zu Ausstellungen, Künstlern, Werken, Büchern, Videos und Veranstaltungen. Wer noch mehr Kunstwerke entdecken möchte, muss nicht unbedingt ins Museum, sondern kann durch die Digitale Sammlung des Museums stöbern. Die Digitale Sammlung ist eine cloudbasierte Onlineplattform mit über 2000 Werken, Audiospuren und Videomaterial mit uneingeschränktem, weltweitem Zugang. Das Besondere an dieser Plattform ist die semantische Verknüpfung der Werke anhand verschiedener Kategorien. Dadurch soll dem Nutzer ermöglicht werden durch die Sammlung zu ‚schlendern‘ und auf neue Werke zu stoßen, ohne dabei physisch im Museum anwesend zu sein.

Kunstgeschichte online lernen

Wer außerhalb des Museums mehr im Bereich der Kunstgeschichte lernen möchte, für den eigenen sich Online-Kurse. Das Museum of Contemporary Art bietet einen vierwöchigen Online-Kurs für Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 bis 11 an. In dieser Zeit haben sie unter anderem die Möglichkeit mit der Künstlerin Lara Thoms verschiedene Themen der Kunstgeschichte zu erarbeiten, an Online-Diskussionen teilzunehmen und eigene künstlerische Projekte zu gestalten. Die Künstlerin will die Schülerinnen und Schüler dazu anregen kreativ zu arbeiten und über den Tellerrand hinauszuschauen. Am Ende des Kurses werden die Ergebnisse des Kurses im Museum of Contemporary Art ausgestellt. Für Alex White ist es wichtig, möglichst viele Schüler aus ganz Australien zu erreichen, sie zu ermutigen und sich kreativ auszudrücken da „alles außerhalb der Wände des Museums geschieht“.
 
Der Einsatz von digitalen Mitteln im deutschen Kulturbereich gewann im Vergleich zu anderen Sektoren erst relativ spät an Aufmerksamkeit. „Dass es in diesem Bereich noch Nachholbedarf gibt, liegt nicht unbedingt nur daran, dass die Museumsleitungen zu konservativ denken und sich nichts trauen. Es hat auch mit den knappen Budgets und einem Mangel an qualifiziertem Personal zu tun“, erklärt Dr. Pablo Abend. „Ein digitales Zusatzangebot im eigenen Haus zu entwickeln ist zeitlich und personell nicht möglich und um diese Arbeit an eine Agentur auszulagern, fehlt oftmals das Geld.“
 
Doch immer mehr Museen setzen mittlerweile auf den Einsatz digitaler Medien, um gezielt junge Leute für den Kulturbereich begeistern zu können. Das Museum of Old and New Art in Tasmanien vergibt so beispielsweise iPods an alle Besucher, mit dem sie Informationen über Werke und Künstler erhalten und sich Interviews anhören können. Außerdem kann jeder Nutzer die Kunstwerke mit Hilfe des iPods bewerten und erhält nach seinem Besuch eine Zusammenfassung per E-Mail.
 
Zukünftig ist das Nutzen digitaler Medien im Kultursektor aufgrund der stetig wachsenden technischen Entwicklung nicht mehr wegzudenken. „Das Internet gibt es schon seit geraumer Zeit und es gibt immer noch Potenzial, es ist schließlich noch nicht so gut erforscht wie Ölgemälde“, so Alex White.