Bildungsausgaben Mehr Geld für Schulen und Hochschulen

Bildung ist in Deutschland Ländersache, aber künftig soll der Bund bei der Finanzierung stärker unterstützen können
Bildung ist in Deutschland Ländersache, aber künftig soll der Bund bei der Finanzierung stärker unterstützen können | Foto (Ausschnitt): © gpointstudio/Fotolia

Deutschland gibt mehr als die anderen europäischen Länder für Bildung aus – in absoluten Zahlen, aber nicht im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt. Das hat einige Gründe und soll sich bald ändern.

Als bekannt wurde, dass Bund und Länder in Deutschland im Jahr 2016 unerwartete Überschüsse von zusammen 14 Milliarden Euro hatten, begann schnell eine Diskussion. Wofür könnte man die Mittel einsetzen? Ein Bereich, der am häufigsten genannt wurde: Schulen und Hochschulen. Stimmen wurden laut, die Mittel für die Renovierung von  Schulgebäude auszugeben. Andere forderten, das Geld für die vielen schlecht bezahlten Dozenten der Hochschulen einzusetzen. Man könne mit dem Geld die unzureichende IT-Infrastruktur aufbessern, hieß es. Das Geld wäre in der Inklusion, für Ganztagsschulen, für mehr Lehrer gut aufgehoben, schlugen wieder andere vor. Je länger die Debatte dauerte, desto mehr hatte man das Gefühl, dass die Bildung in Deutschland ein vernachlässigter, grob unterfinanzierter Zweig ist.
 
Eigentlich stimmt das nicht. Im Jahr 2016 flossen insgesamt 129,2 Milliarden Euro in den deutschen Bildungssektor – fünf Milliarden mehr als 2015. Deutschland ist ein Land, das viel Geld für Bildung ausgibt, kein anderes in Europa investiert mehr. Auf Platz zwei folgen Frankreich und das Vereinigte Königreich mit jeweils 115 Milliarden Euro; beide haben auch deutlich weniger Einwohner.

Niedrige Ausgaben im OECD-Vergleich

Deutschlands Bildungsausgaben sind aber nur in absoluten Zahlen überragend hoch. Betrachtet man die relativen Zahlen, sieht es anders aus. Der Anteil der Bildungsausgaben am volkswirtschaftlichen Gesamtvermögen liegt bei 4,2 Prozent – und damit deutlich unter dem Schnitt der entwickelten Länder. Die Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) misst jedes Jahr die Bildungsausgaben. Im Durchschnitt gaben die OECD-Staaten im Jahr 2013 rund 4,8 Prozent ihres Bruttosozialprodukts für Bildung aus. Besonders weit vorne liegen in Europa traditionell skandinavische Länder und das Vereinigte Königreich. Sie haben eine deutlich höhere Ausgabenquote: Das Königreich investiert 6,7 Prozent seines Sozialprodukts in Bildung, Dänemark 6,4 und Norwegen 6,3 Prozent. Außerhalb Europas liegen Neuseeland (6,5 Prozent) und Costa Rica (8,3 Prozent) weit vorne. In der Europäischen Union geben nur Tschechien, Slowakei und Italien weniger von ihrem Sozialprodukt für Bildung aus als Deutschland.
 
Die OECD untersucht auch, wie sich die Bildungsausgaben über die Zeit verändern. Dabei haben die Forscher festgestellt, dass zwischen 2010 und 2013 der Anteil der Bildungsausgaben in Deutschland gesunken ist. Dafür gibt es auch eine Ursache: Das Volksvermögen steigt in Deutschland schneller als die Ausgaben für Bildung. In der Statistik gerät der wirtschaftliche Erfolg Deutschlands bei der Betrachtung der Bildungsausgaben also zum Nachteil.

Mehr Geld für die Hochschulen

Für Ökonomen ist es wichtig, bestimmte Schlüsselpositionen des Bildungssektors unter die Lupe zu nehmen: Wie sieht es finanziell in der frühkindliche Erziehung, an Schulen und wie in den Hochschulen aus? Diese Ausgaben lassen sich am besten vergleichen, wenn man sie pro Kopf des Lernenden zählt.
 
Die Ausgaben im Hochschulbereich haben in Deutschland insgesamt zugenommen; dennoch liegen die Aufwendungen für Studierende unter dem Schnitt der OECD. Deutschland gibt rund 9.000 US-Dollar für jeden Studierenden aus, die OECD-Staaten im Schnitt 10.200 US-Dollar. Zum Vergleich: Das Vereinigte Königreich gibt fast 16.000 US-Dollar pro Studierendem  aus, die USA sogar 21.000 US-Dollar. Deutschland ist auf diesem Gebiet zurückgefallen, weil die Zahl der Studierenden stärker gestiegen ist als die Ausgaben. Eine Besonderheit gibt es hier: In Deutschland bezahlt überwiegend der Staat das Hochschulstudium seiner Bürger, 86 Prozent kommen vom Finanzminister. Im Vereinigten Königreich zahlt der Staat 57 Prozent der Studienkosten, in den USA gar nur 32 Prozent. Das bedeutet: Die Studierenden müssen sich dort viel stärker an der Finanzierung des Studiums beteiligen.

Beteiligung der Eltern an der frühkindlichen Bildung

Genau umgekehrt ist es bei der frühkindlichen Bildung. Hier beteiligen sich die Eltern in Deutschland mit 25 Prozent an den Ausgaben. Das ist im internationalen Vergleich hoch. Andreas Schleicher, Direktor für Bildung bei der OECD, findet das falsch: „Während die meisten Staaten von den gut verdienenden Bildungsgewinnern erwarten, dass sie sich an den Kosten ihres Studiums beteiligen, bittet man in Deutschland die Jüngsten zur Kasse, also dort wo Nachteile aufgrund eines bildungsfernen Elternhauses am ehesten ausgeglichen werden können.“
 
Die OECD hinterfragt immer wieder die Verteilung der Mittel in den Schulen: Pro Kopf investiert Deutschland 8.100 US-Dollar in jeden Grundschüler, aber fast 11.000 US-Dollar für jeden Schüler der Sekundarstufe 2. Auch hier der Vergleich: Im Schnitt liegen die Bildungs-Ausgaben für Grundschüler in der OECD bei 8.500 US-Dollar, besonders weit vorne sind Norwegen mit 13.300 und Dänemark mit 11.500 US-Dollar pro Grundschüler. Dafür liegt Deutschland bei den Ausgaben für die Sekundarstufe 2 deutlich über dem Durchschnitt – um 2.000 US-Dollar.

Bundesmittel für Schulen

Die Vergleiche zeigen, dass Deutschland im internationalen Vergleich Nachholbedarf bei den Bildungsausgaben hat. Allerdings ist das Feld in Bewegung geraten. Die Bundesregierung stellt seit Jahren zusätzliche Milliarden für die Hochschulen zur Verfügung. Diese Finanzhilfe des Bundes soll nun bald auch für Schulen möglich sein. Bisher geht das nicht: Deutschland ist föderal organisiert, das heißt die 16 Bundesländer sind für die Schulen finanziell ganz allein zuständig. Weil die Länder das aber nicht mehr schaffen, soll die Bundesregierung den Bundesländern von Bayern im Süden bis Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern im Norden helfen. Ab 2018 sind Ausgaben von insgesamt 12 Milliarden Euro zusätzlich über die nächsten vier Jahre geplant.