Besucheraktivierende Methoden Erlebnisreise mit dem Smartphone

Spielerisches Erkunden der Bibliothek mit digitalen Medien
Spielerisches Erkunden der Bibliothek mit digitalen Medien | Foto (Ausschnitt): © Adam Radosavljevic - Fotolia.com

Von der klassischen Führung zur virtuellen Schnitzeljagd: Um das Interesse der Nutzer für ihren Bestand zu wecken und eine zeitgemäße Lernumgebung zu bieten, setzen immer mehr Bibliotheken auf digitale Werkzeuge.
 

Über Besuchermangel können die Bibliotheken in Deutschland in der Regel nicht klagen. Dem Publikum aller Altersklassen die gesamte vielfältige Palette an Angeboten zu erschließen, bleibt allerdings eine Herausforderung. Karin Ransberger – Mitarbeiterin der Fachstelle Berufsbezogenes Deutsch in Hamburg und seit Langem in verschiedenen Bereichen der Weiterbildung tätig – zählt Punkte auf, denen Bibliothekare heute gerecht werden müssen: „Sie sollten einem medienaffinen jungen Publikum entgegenkommen, Settings schaffen, die zum selbstständigen Erkunden anregen und Medien- sowie Informationskompetenz vermitteln.“
 
Natürlich kann die Erkundung der Bibliothek auf „klassischen“ Wegen als Führung geschehen. Verstärkt setzen sich als besucheraktivierende Methoden aber kooperative, spielerische Formate durch, bei denen auch digitale Medien zum Einsatz kommen.

Eckenstellen und Coffee Lecture  

Kommen verschiedene Gruppen zusammen, empfiehlt sich zum Beispiel das „Eckenstellen“. Die Bibliothekarin oder der Bibliothekar stellt Fragen etwa nach dem literarischen Lieblingsgenre und gibt vier Antwortmöglichkeiten zur Auswahl. Die einzelnen Optionen sind auf Zetteln notiert, die an ausgewählten Stellen in der Bibliothek hängen. Die Besucherinnen und Besucher positionieren sich dann in der Raumecke mit der Antwort, mit der sie sich identifizieren. Eine gute Möglichkeit, über gemeinsame Vorlieben miteinander ins Gespräch zu kommen und so auch den Bestand kennenzulernen.
 
Ähnlich spielerische, niedrigschwellige Angebote gibt es auch bei den wissenschaftlichen Bibliotheken, berichtet Ulrike Scholle, Fachreferentin für Erziehungswissenschaften an der Universität Duisburg und langjährige Spezialisting für bibliothekarischen Weiterbildung: „Der Trend geht zu kleinen Formaten wie ‚Coffee Lectures’, die sich auch an Laufkundschaft wenden: Bei 10- bis 15-minütigen Computer-Präsentationen im Eingangsbereich wird auf neue Produkte der Bibliothek aufmerksam gemacht, etwa eine neue Datenbank.“

Stationenlernen mit dem Smartphone  

Die eigentliche Erkundung der Bibliothek, beschreibt Karin Ransberger, könne auch als interaktive Ralley stattfinden: Von einem Startpunkt aus führen Aufgaben die Spielenden durch einen Parcours. Unterwegs werden Informationen gesammelt. Aufgaben könnten etwa sein, QR-Codes an verschiedenen Bibliotheksorten zu scannen, Zahlen zu schätzen oder eine Liste zu sortieren, so Ransberger. Auch offenere Aufgaben seien denkbar, bei denen eine Gruppe einen Text oder ein Video fertigt.
 
Unterwegs sind die Teilnehmenden entweder mit dem eigenen Smartphone oder mit von der Bibliothek zur Verfügung gestellten Endgeräten. Zum Einsatz kommt dabei etwa die Bildungs-App „Actionbound“, die vor allem von Bibliotheken und Museen genutzt wird. Mit ihr lassen sich interaktive Führungen und „Schnitzeljagden“ für mehrere Spieler gestalten. Nordrhein-Westfalen stellt die App als „Biparcours“ für Schulen und andere Bildungs- und Kultureinrichtungen kostenlos zur Verfügung. „Mit großem Erfolg“, weiß Ransberger. „Die Rückmeldungen von Schülerinnen und Schülern sind sehr positiv, die App wird als zeitgemäß und innovativ empfunden.“ Es gäbe auch bereits Fortbildungen, um Bibliothekare für einen sinnvollen Einsatz von Actionbound zu schulen. Generell seien Erkundungen im spielerischen Rahmen „sehr motivierend“, weil Gaming-Effekte dabei wie Belohnungsmechanismen griffen.

Speed-Dating und Quizfragen  

Geht es um die Auswertung und Reflexion der Bibliothekstouren, „kann es auch wieder analog werden“, so Ransberger. Eine Form dafür sei beispielsweise das „Speed-Dating“: Wenn die Besucher etwa zuvor  in Kleinteams über literarische Vorlieben gearbeitet haben, können sich je zwei Personen aus unterschiedlichen Rallye-Gruppen über ihre Eindrücke austauschen. Nach einer Minute geht es in das nächste Gespräch. Auf diese Weise nehmen die Teilnehmer Tipps von anderen mit und können ihr Wissen über den Bibliotheksbestand erweitern.
 
Eine digitale Möglichkeit, sich beispielsweise ein Feedback nach Workshops und Seminaren einzuholen, ist die App „Kahoot“. „Mit diesem Tool kann man ein Mini-Quiz erstellen“, so Ulrike Scholle. „Man stellt eine Frage zum zuvor Gehörten und gibt drei oder vier Antwortmöglichkeiten vor. Jeder Teilnehmer kann sie auf seinem Smartphone live beantworten.“ Für Schülergruppen sei das ebenso einsetzbar „wie für Studierende, denen ich eine Literaturrecherche in der Datenbank vorgestellt habe“.

Passgenaue Angebote

Scholle betont aber auch, es sei wichtig, in Bibliotheken, Apps nicht nur einzusetzen, „um up to date zu sein“. Die Frage, was man mit der jeweils eingesetzten Methode erreichen wolle, dürfe nicht aus den Augen verloren werden. „Die Passgenauigkeit – welches Tool für welche Zielgruppe – ist heute wichtiger denn je. Gerade weil es so viele Angebote gibt.“