Wissenschaftsworkshops Berufliche Wege durch Deutscherwerb eröffnen

Ziel der Wissenschaftsworkshops ist es Deutsch- und Wissenschaftslehre effektiv zu verbinden.
Ziel der Wissenschaftsworkshops ist es Deutsch- und Wissenschaftslehre effektiv zu verbinden. | © Liam Hartley

“Sprich Deutsch – studiere Naturwissenschaften”; unter diesem Motto bietet das Goethe-Institut Australien Workshops an, die Deutsch mit naturwissenschaftlichen Inhalten verbinden. Während der Workshops erhalten Schüler von der siebten bis zur zehnten Klasse die Gelegenheit die Arbeit etablierter Wissenschaftler in Kleingruppen auf Deutsch zu erkunden.

CLIL (inhalts- und sprachintegriertes Lernen Workshops) sind darauf ausgerichtet zweisprachige Erziehung und Mehrsprachigkeit zu fördern – eine wichtige Kompetenz in einer zunehmend globalisierten Welt und ein Anliegen, das im australischen Bildungssystem weiterhin Aufmerksamkeit bedarf. Im Fall von CLIL auf Deutsch (CLILiG) wird die Deutschlehre mit Inhalten anderer Fächer, wie zum Beispiel Naturwissenschaften, Mathematik oder Geografie verbunden. Beispiele aus der Praxis zeigen, dass die Kombination von Deutsch und Naturwissenschaften für Schüler von Vorteil sein kann, nicht nur in Bezug auf ihre Lernerfahrung, sondern auch hinsichtlich ihrer beruflichen Entwicklung.

Sprach- und Wissenschaftslehre in der Praxis kombinieren – drei Beispiele

Während der Wissenschaftsworkshops, die am 22 September diesen Jahres am Goethe-Institut stattfanden, demonstrierten Dr. Sonja Dominik, Dr. Marie Greyer and Dr. Max Ott wie man Deutsch- und Wissenschaftslehre effektiv verbinden kann.

Dr. Dominik, Leiterin in quantitativer Genetik der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO; Australische Behörde für wissenschaftliche und industrielle Forschung), Agriculture and Food (Lanwirtschaft und Nahrungsmittel), verwendete in ihrem Workshop The sheep has a big bottom. Livestock breeding and genetics (Das Schaf hat ein großes Hinterteil. Viehzucht und Genetik) Bilder zur Vermittlung von Sprachinhalten. Sie sagt: “Ich habe Mendel’s Erbenslehre erklärt, in der er eine grüne und eine gelbe Erbse gekreuzt hat. Ich hatte Bilder von Erbsen und konnte auf die Farbe zeigen.”

Dr. Greyer gab einen Workshop zum Thema 'GlitterBugs: How clean are your hands?' Dr. Greyer gab einen Workshop zum Thema 'GlitterBugs: How clean are your hands?' | © Byron Martin Dr. Greyer, Verantwortliche für das Dotorandenprogramm am Peter Doherty Institute for Infection and Immunity (Peter Doherty Institut für Infektion und Immunität) an der Universität Melbourne, verwendete eine ähnliche Herangehensweise in ihrem Workshop GlitterBugs: How clean are your hands? (GlitterBakterien: Wie sauber sind eure Hände?). Sie sagt: “Die Kombination von Aktivitäten und Bildmaterialien in diesem Workshop hilft mir den breiteren oder allgemeineren Wissenschaftskontext zu vermitteln während ich Studierenden zur gleichen Zeit die deutsche Sprache näherbringe. Spezielleres oder schwierigeres Vokabular wird durch Hinweiskarten erklärt.”

Dr. Ott, Leitender Ingenieur bei Data61 der CSIRO, erklärt, dass es bei dem von ihm ausgesuchten Thema im Workshop Cyber security: How do we make digital information hacker-proof? (Netzsicherheit: Wie schützen wir digitale Informationen vor Hackern?) im Wesentlichen um Zahlenrätsel geht. „Die Verbindung mit Sprache besteht darin, dass die Studenten (zum Teil) mit der notwendigen Mathematik vertraut sind (hauptsächlich Addieren und Subtrahieren). Also besteht die sprachliche Herausforderung darin die Kalkulation in ihrer Muttersprache durchzuführen aber Vorgehen und Resultat in der Fremdsprache zu beschreiben.“ Er fügt hinzu, dass Studenten motivierter sein könnten sich neues Vokabular anzueignen, sofern sie das wissenschaftliche Thema selbst interessant fänden.

Dr. Dominik verwendete in ihrem Workshop Bilder zur Vermittlung von Sprachinhalten. Dr. Dominik verwendete in ihrem Workshop Bilder zur Vermittlung von Sprachinhalten. | © Byron Martin Das Unterrichten von Deutsch- und Wissenschaftsinhalten kann auf kreative Weise verbunden werden, wie die Beispiele zeigen. Dies hilft Studenten nicht nur dabei ihre Sprachkompetenz zu verbessern – explizit durch die Aneignung neuen Vokabulars und implizit durch gesteigerte Motivation – sondern auch das Fachthema besser zu verstehen. Außerdem kann es das Selbstbewusstsein von Schülern stärken, ein komplexes Thema in einer Fremdsprache zu verstehen. Neben unmittelbaren/inhaltsbezogenen Vorteilen von CLILiG Workshops, hat der Ansatz aber auch weiterreichende Vorzüge.

Karriere in Naturwissenschaften

CLIL Workshop veranschaulichen Berufswege, die stark durch Kenntnis einer Zweitsprache gefördert wurden. Dr. Dominik sagt, sie „hatte einen Nachfolgeanruf von einer jungen Dame von der Deutschen Schule Sydney, deren Deutsch außergewöhnlich war und ich nehme an sie spricht vielleicht zu Hause Deutsch, aber sie fand das Themengebiet der Genetik wirklich sehr spannend und war an Berufserfahrung interessiert.“ Die Workshops helfen frühzeitig Kontakte zwischen Schülern und Professionellen zu knüpfen und können damit positiv zu der Berufsentwicklung von Schülern beitragen.

Darüber hinaus gibt es seine enge Verbindung zwischen Sprachkompetenzen und Erfolg im Wissenschaftsberuf. Dr. Greyer sagt „In der wissenschaftlichen Gemeinschaft ist die Fähigkeit Ideen auszutauschen absolut unverzichtbar. Sie begünstigt interkontinentale Kollaborationen. Dazu fähig zu sein, naturwissenschaftliche Themen in mehr als nur seiner eigenen Sprache kommunizieren zu können, kann ein integraler Bestandteil dafür sein, aber es erlaubt einem auch sich besser in die unterschiedlichen Konventionen und kulturellen Aspekte eines anderen Landes einzufügen.“ Deutschkenntnisse können so dazu beitragen, eine erfolgreiche Wissenschaftskarriere anzusteuern.

CLILiG Workshops sollen Deutsch als eine zentrale Sprache in naturwissenschaftlicher Forschung und Profession zur Geltung bringen. CLILiG Workshops sollen Deutsch als eine zentrale Sprache in naturwissenschaftlicher Forschung und Profession zur Geltung bringen. | © Melisa Savickas Dass eine solche Karriere zumindest zum Teil in Deutschland stattfinden könnte, findet am Ende des Nachmittags am Goethe-Institut durch eine Präsentation des Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) Beachtung. Die Veranstaltung gibt Schülern, sowie ihren Eltern, einen Überblick über Ausbildungs-, Forschungs- und Berufsmöglichkeiten in Deutschland und über finanzielle Unterstützung durch den DAAD.

Studium in Deutschland steigert Konkurrenzfähigkeit

Durch die Wissenschaftsworkshops erwerben Schüler Sprachkompetenzen und lernen diese unmittelbar auf ein Thema anzuwenden. Dies eröffnet neue Möglichkeiten, wie zum Beispiel in Deutschland zu studieren, zu arbeiten und zu leben. Dr. Greyer weist darauf hin, dass „das deutsche Ausbildungssystem weltweit einen hervorragenden Ruf hat und, noch viel besser, Schüler profitieren von einem fast kostenfreien Ausbildungssystem.“ Deutsch im Rahmen eines naturwissenschaftlichen Kontexts zu lernen kann Schülern außerdem einen Vorteil verschaffen, wenn sie sich um einen Studienplatz im Fach und an der Universität ihrer Wahl bewerben, sowie auch später auf dem wettbewerbsintensiven Arbeitsmarkt. 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die CLILiG Workshops am Goethe-Institut die Bedeutung der deutschen Sprachen als eine zentrale Sprache naturwissenschaftlicher Forschung und Profession zur Geltung bringen. Sie unterstützen das Lernen von Sprach- und Wissenschaftsinhalten, stellen Kontakte zwischen Schülern und Naturwissenschaftlern her und ermöglichen es Schülern in Deutschland internationale Erfahrungen zu sammeln.