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KinoKonzert 2019
Nosferatu aufgemöbelt: Stummfilmklassiker bekommt neuen Soundtrack

Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens
© Murnau Stiftung

Im November wird sich Sydneys führende zeitgenössische Kammergruppe Ensemble Offspring mit dem in Perth ansässigen Komponisten Chris Tonkin zur Neuinterpretation des Stummfilmklassikers Nosferatu: Eine Symphonie des Grauens zusammenschließen. Das Projekt wird als sechste Ausgabe der KinoKonzert-Reihe des Goethe-Instituts präsentiert, die das australische Publikum bereits seit ihrer Einführung im Mai 2018 fasziniert. Jochen Gutsch vom Goethe-Institut sprach mit der führenden Schlagzeugerin Claire Edwardes und dem Komponisten Chris Tonkin.

Chris, was stellst Du dir bezüglich der Instrumentierung und des Arrangements des Nosferatu-Soundtracks vor?

Chris Tonkin: Ich habe Cello, Klarinette, Perkussion und Elektronik ausgewählt, für die ich über die Jahre schon Einiges geschrieben habe. Diese Kombination bietet eine große klangliche Palette, die ich sehr attraktiv finde. Für Nosferatu setze ich sie in verschiedenen Kombinationen ein; Mal alle vier, mal ein oder zwei Instrumente allein, mal alles akustisch und mal alles elektronisch. Der Film hat eine Länge von über 90 Minuten und ich setze auf Abwechslung. Die Musiker werden sicherlich auch die ein oder andere Pause zu schätzen wissen.

Claire, Ensemble Offspring hat bereits mit vielen Komponisten zusammengearbeitet. Gibt es für die Beauftragung neuer Stücke einen bestimmten Prozess?

Claire Edwardes: Wir sind immer auf der Suche nach neuen und aufregenden Komponisten, kommen aber auch immer wieder auf langjährige Kollaborateure wie den wunderbaren Chris Tonkin aus Perth zurück. Wir haben ein Stück, das Chris für uns geschrieben hat, auf unserer ersten CD. Er hatte sich vor ein paar Jahren an uns gewandt, um mit uns an Nosferatu zu arbeiten, und wir sind dem Goethe-Institut sehr dankbar, dass es mit an Bord ist. Wir beauftragen etablierte und jüngere Komponisten und -innen, hauptsächlich australische, aber auch einige internationale.
 
Vor ungefähr sieben Jahren haben wir unseren eigenen Fond für Auftragswerke ins Leben gerufen - den Noisy Egg Creation Fond. Dies ermöglichte uns zum ersten Mal unsere Liste privater Sponsoren auszubauen, was auch wirklich notwendig war, da nach und nach immer weniger Geld von der Australia Council for the Arts zur Verfügung stand, sodass sich niemand mehr auf staatliche Mittel allein für die Kreation neuer Werke in Australien verlassen konnte.

Wir haben auf diese Weise über 30 Werke in Auftrag gegeben und sind sehr stolz auf diese Zahl. Manchmal geben wir große Kollaborationen in Auftrag, wie z.B. eine bevorstehende Oper von Cathy Milliken, die wir 2022 mit der Sydney Chamber Opera präsentieren werden, und manchmal sind es eher kleine Kammermusikwerke wie die für Birdsong at Dusk, unser Touring-Trio-Programm in 2019, für das wir gerade ein Butcherbird-Stück von Hollis Taylor und Jon Rose in Auftrag gegeben haben. Die Mitglieder von Ensemble Offspring Ensemble Offspring: Claire Edwardes steht dritte vom rechts | © Keith Saunders
Chris, einige Künstler in unserer KinoKonzert-Reihe reagieren auf gewisse Anhaltspunkte in den Filmen, während andere eher improvisieren und einer allgemeinen Stimmung folgen - wie gehst Du vor?

CT: Eigentlich von beidem ein bisschen. Was du beschreibst, ist ein Einklang von Bild und Ton oder Musik. Als ich die Stücke plante, machte ich mir Notizen, wie und wo die Musik den Film hervorheben könnte. Es gibt durchaus einige Momente, in denen es zu einem direkten Zusammenspiel von Bild und Ton kommen kann. Meistens jedoch geht es eher darum, die Richtung zu erfassen, in die sich eine Szene bewegt. Dann gibt es auch, wie du sagst, die Möglichkeit, die allgemeine Stimmung der Szene mit passender Musik zu untermalen. Ich versuche ein Gleichgewicht zu finden, anstatt eine bestimmte Methode zu bevorzugen.
 
Claire, Ensemble Offspring ist für hochkarätige Virtuosität und komplexe Stücke bekannt. Die Gruppe engagiert sich jedoch auch in Bildungs- und Gemeinschaftsprojekten. Kannst Du uns bitte etwas mehr darüber erzählen?

CE: Es ist in der Tat eine feine Balance, musikalische Exzellenz neben gemeinschaftlichen und pädagogischen Zielen gleichermaßen zu schätzen. Das ist etwas, um das wir uns ununterbrochen bemühen.
 
Ein Projekt, das uns besonders am Herzen liegt, ist Ngarra-Burria: First Peoples Composers. Ensemble Offspring arbeitete 2017 und 2018 sehr eng mit fünf Komponisten an der ersten Ausgabe zusammen, und reiste sogar nach Brewarinna im Landesinneren von New South Wales, um ihre Werke auf einem im Freien von Moogahlin präsentierten Festival aufzuführen. Es war eine wundervolle Erfahrung, der wir uns auch weiterhin verpflichtet fühlen.
 
Wir finden es sehr wichtig, indigene Komponisten in unserer Nischen-Kunstmusikszene zu fördern und zu unterstützen, da sie so lange ins Abseits gestellt worden sind. Dank Chris Sainsbury, dem Gründer des Programms, und seinen Partnern ändern sich die Zeiten so langsam und das ist sehr aufregend.
 
Von Zeit zu Zeit taucht jedoch bei dieser Initiative auch das Thema Relevanz-vs-Exzellenz auf, mit dem wir uns alle auseinandersetzen. "First Nations first" ist das Sprichwort und genauso sollte es auch sein. Ich unterstütze dieses Mantra voll und ganz. Allerdings geht es bei Ensemble Offspring, wie du sagst, auch sehr um Qualität und hervorragende Musikalität geht. Wenn wir also Musik aufzeichnen oder ihre Werke in einem bestimmten Konzert aufführen, dann ist es uns wichtig, dass alle Beteiligten in bestmöglichem Licht gezeigt wird.
 
In gewisser Weise ist diese ganze Spannung ein großer Teil von Neuer Musik und der Zusammenarbeit mit jungen und aufstrebenden Komponisten, da es von Stück zu Stück immer ein Element der Variation gibt, wenn ein junger Komponist oder eine junge Komponistin noch seinen Stil zu finden versucht und ununterbrochen seine Technik verfeinert. Das ist definitiv etwas, worauf wir uns sehr gut eingestellt haben und was wir sehr gut machen!

Chris, Du hast Violine und Klavier studiert, mit einem Schwerpunkt in Musikkomposition. Heutzutage konzentrierst du dich aber eher auf elektronische Musik und Klangkunst. Was reizt dich an dieser Arbeitsweise?

CT: Bei meinen Kompositionen habe ich immer viel über Farbe und Form des Klanges nachgedacht, ein Ansatz, der sich sehr für elektronische Musik eignet, da es hier oft um die Manipulation des Klanges geht. Ich glaube deshalb mag ich Instrumente wie Cello und Klarinette auch sehr, nicht nur wegen ihrer reichen Farbpalette, sondern weil sie Klangformen erzeugen können, die sich reibungslos über das gesamte Spektrum hinweg erstrecken. Perkussion hat natürlich auch eine nahezu unendliche Farbvielfalt.
 
Ich genieße es auch sehr, Computermusik zu komponieren, da es hier schon eher ein Richtig oder Falsch gibt. Es ist daher eine schöne Abwechslung von instrumentalen Kompositionen, bei denen man - manchmal willkürlich – mit so vielen verschiedenen Möglichkeiten spielen kann.

Für mehr Information zur sechsten Ausgabe der KinoKonzert-Reihe, klicken sie bitte hier.
 

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