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„Sound Of X“
Der Klang der Stadt

Acht Städte, neun Soundscapes: „Sound Of X“
Acht Städte, neun Soundscapes: „Sound Of X“ | Foto: Goethe-Institut/Benny Suhendra Panjaitan/Design: Groupe Dejour

An der Skyline oder den Sehenswürdigkeiten lässt sich eine Stadt leicht identifizieren. Aber funktioniert das auch über den Klang? Für „Sound Of X“ des Goethe-Instituts Singapur haben Künstler*innen die Identität einer Stadt in Südostasien, Australien oder Neuseeland audiovisuell eingefangen.

Von Daniel Welsch

Wer an Sydney denkt, hat vermutlich sofort das muschelförmige Opera House oder die Harbour Bridge vor Augen. Bei Kuala Lumpur sind es vielleicht die Petronas Towers, die höchsten Zwillingstürme der Welt, bei Singapur die Marina Bay und die beeindruckende Skyline der Millionenstadt. Doch welche Geräusche verbindet man mit diesen Städten? Gibt es einen typischen Klang, der ähnlich wie die genannten Sehenswürdigkeiten als Sinnbild für eine Stadt steht?

Mit dem Digitalprojekt „Sound Of X“ des Goethe-Instituts Singapur geben verschiedene Künstler*innen aus Südostasien, Australien und Neuseeland sehr persönliche Antworten auf diese Fragen. In Sydney, Singapur, Kuala Lumpur, Yangon, Manila, Medan, Tāmaki Makaurau und Ho-Chi-Minh-Stadt haben sich die Künstler*innen auf die Suche nach interessanten oder markanten Sounds gemacht und diese Expeditionen filmisch festgehalten. Bild und Ton wurden anschließend so geschnitten, bearbeitet und verfremdet, dass daraus ein Musikvideo entsteht, das sich mit der audiovisuellen Identität der Stadt auseinandersetzt.

Ausgestattet mit einem speziell dafür angefertigten Mikrofonständer in Form einer Wünschelrute streift etwa Anomie (alias Sofie Loizou) durch die größte Stadt Australiens und kombiniert urbane Geräusche eines anfahrenden Zugs oder einer Kreissäge mit Naturgeräuschen wie der Meeresbrandung und Vogelgezwitscher. „Von den Maschinengeräuschen bis hin zum Rauschen kristallklarer Gewässer ist Sydney ein klangliches Mosaik, komplex und voller Widersprüche“, so die Musikerin über ihr Werk „The last winter“. Mit diesem Widerspruch zwischen Naturidylle und Großstadthektik arbeitet auch der DJ und Produzent KoFlow aus Singapur, der seine Heimatstadt im Video „Ride and Liberate“ wie eine Mitmusikerin einsetzt. „Kann eine Stadt wie ein musikalischer Partner behandelt werden, wie ein Musiker mit seiner eigenen Klangfülle?“, fragte sich KoFlow im Vorfeld. „Würde ein Musiker in der Lage sein, denselben Fluss zu finden, den er im Studio spürt, wenn er in der pulsierenden Stadt unterwegs ist?“

Als „Sound Of X“ 2017 konzipiert wurde, war nicht abzusehen, wie anders nicht nur die porträtierten Städte im Erscheinungsjahr klingen würden. Die Corona-Pandemie hat das öffentliche Leben weltweit nahezu stillgelegt, immer noch herrschen in vielen Städten Ausgangs- oder Kontaktbeschränkungen. Orte, die noch vor Kurzem voller Leben und damit voller Geräusche waren, sind plötzlich leergefegt und still. Dafür treten andere Klänge in den Vordergrund: Ohne die Lärmverschmutzung durch den Auto- und Flugverkehr zwitschern beispielsweise die Vögel in vielen Großstädten leiser, sind aber dennoch besser zu hören. Somit lädt „Sound Of X“ auch dazu ein, darüber nachzudenken, welche Geräusche wir uns zurückwünschen – und welche eher nicht. Doch vor allem sind die Videos eine Einladung, für wenige Minuten in die Soundscapes verschiedener Städte einzutauchen.

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