Bicultural Urbanite Brianna KLASSIK TRIFFT KITSCH: Deshalb lieben die Deutschen die WEIHNACHTSZEIT

Weihnachtsmarkt Berlin Breitscheidplatz.
Weihnachtsmarkt Berlin Breitscheidplatz. | Ralf Roletschek / Roletschek.at

In Australien steht der Dezember für den Beginn der beschwingten Festlichkeiten: Die Zeit geschäftiger Weihnachtseinkäufe, netter Geselligkeiten mit ständig fließendem Alkohol, Wiederholungsepisoden im TV und belanglosen Nachrichten. Aber während Aussies sich dick mit Sonnenmilch eincremen, schlüpfen Deutsche in ihre Thermounterwäsche, zünden die Kerzen auf ihrem Adventskranz an und zählen die Tage bis Weihnachten. Hier in Deutschland bieten all die kulinarischen Genüsse dieser festlichen Jahreszeit und die zauberhaften Weihnachtsmärkte einen Ausgleich für die Nachteile des dunklen und eiskalten europäischen Winters.

Letztes Jahr verbrachte ich Weihnachten mit meiner Familie in Australien. Bei kochender, 40 Grad Hitze haben wir uns drinnen verbarrikadiert und in unserer kleinen, klimatisierten heilen Welt gefaulenzt. Zerrissenes Geschenkpapier wurde durch die Gegend geworfen und wir haben uns mit einer riesen Auswahl an Salaten, Wurst und Bier vollgestopft. Kurze Hosen am Weihnachtstag zu tragen hat schon seine Vorteile, vor allem wenn man dabei zuschaut, wie ein kleiner Plastik-Tannenbaum langsam in der Sonne vor sich hinschmilzt. Aber ich muss schon zugeben – ich habe ja schon irgendwie den zauberhaften Charme und all die feierlichen Traditionen von Weihnachten in Berlin vermisst.

Der Eingang zum Weihnachtsmarkt. Der Eingang zum Weihnachtsmarkt. | Ralf Roletschek / Roletschek.at Die deutsche Vorweihnachtszeit ist gemütlich und besinnlich, traditionell und kitschig, schön und exzentrisch. Familien wandern auf vereisten und mit Kies gestreuten Straßen entlang, kämpfen mit ihren Einkaufstaschen und essen heiße Nutella Crêpes. Echte Tannen werden in Büros und Wohnungen geschleppt und ziehen eine Spur von Tannennadeln hinter sich her. Die Menschen versammeln sich und zünden in Rum getränkte Zuckerwürfel über dem Feuer an, die sie dann langsam in große Töpfe mit Glühwein reintropfen lassen. Getrocknete Früchte und geschälte Mandeln schwimmen auf der Oberfläche der dadurch entstehenden Feuerzangenbowle, die man am besten mit herzhaften Speisen wie Gänsebraten, Kartoffelknödel und Rotkohl genießt.

Feuerzangenbowle: Glühwein mit Rum und Zucker. Feuerzangenbowle: Glühwein mit Rum und Zucker. | Wikipedia Commons / Tobias Klenze / CC-BY-SA 4.0 Wenn dann Heiligabend endlich vor der Tür steht, war der Weihnachtsmann bereits schon da gewesen. In Deutschland macht er nämlich die Frühschicht und füllt die Stiefelchen der Kinder schon bereits am 6. Dezember mit Schokolade und Süßigkeiten. Aber die Kinder fiebern sehnsüchtig  dem eigentlichen Highlight entgegen, der Ankunft des Christkindes, welches Geschenke am Abend des 24. Dezember bringt. Der Gedanke, dass das Jesuskind
Spielkonsolen liefert, Badeperlen und Onesies, scheint bestenfalls recht seltsam zu sein (und blasphemisch im schlimmsten Fall), aber wie auch immer, das Christkind nimmt in der Regel die Gestalt eines kleinen blonden Mädchens mit Engelsflügeln an. Aber komisch wie das alles auch sei, nichts übertrifft das, was in Katalonien so vor sich geht, wo ein kleiner Holzklotz „gefüttert“ und mit einer Decke warmgehalten wird, so dass er dann am Weihnachtstag Geschenke „kackt“.

märchenhafte weihnachtsmärkte

Was ich aber am aller meisten vermisste als ich wieder in Melbourne war und „Chrimbo“ feierte, waren die Weihnachtsmärkte. Es ist wirklich ein richtig tolles Gefühl der Kälte zu trotzen,  sich mit Freunden unter Lichterketten zu treffen, sich die Hände an einem Becher Glühwein zu wärmen und sich eine Vielfalt handgefertigter Schnickschnacks anzuschauen. Zugegeben, nicht alle Märkte sind so friedvoll und zauberhaft - der Wintertraum am Alexa zum Beispiel ist ein hell erstrahlender Rummelplatz, wo Jugendliche bei Minustemperaturen mit der „Wilden Maus“ (einer Achterbahn) fahren.

Der mittelalterliche Weihnachtsmarkt auf dem Schloss Britz hat Märchencharakter. Der mittelalterliche Weihnachtsmarkt auf dem Schloss Britz hat Märchencharakter. | © Brianna Summers Mein Favorit ist wahrscheinlich immer noch der mittelalterliche Weihnachtsmarkt am Schloss Britz, ein ehemaliges Herrenhaus und Anwesen aus dem 18. Jahrhundert. Ausgeschrieben als ein „Märchenhafter historischer Weihnachtsmarkt mit nordischem Flair“, ein alljährliches Treffen der festlichen Folklore, lokaler Unternehmen und Fans des Kostümspiels, darf man sich wirklich nicht entgehen lassen. Die Magie von Santas‘ Werkstatt geht hier Hand in Hand mit dem Kitsch von Kryal Castle. Eine wirklich perfekte Kombination und ein Klassiker deutscher Freiluftveranstaltungen: Fleisch, Alkohol und Schlagermusik.

Gruselig aussehende Traumfänger wiegen sich in der Brise, beleuchtet durch die funkelnden Lichter eines riesigen Weihnachtsbaumes. Bärtige Männer tragen Lederwesten und Umhänge, und griechische Göttinnen reden mit Burgfräuleins in langen Kleidern und Daunenwesten. Verkäufer bieten mittelalterlichen Krimskrams an, während sich ein heimisches Talent auf einer zentralen Bühne zur Schau stellt. Hier gibt es Gaukler und Jongleure, Chöre und Coverbands, sowie eine Theatergruppe die Märchenklassiker, wie „Der Teufel und der gestohlene Pfannkuchen“ aufführt.

Mögen deine Weihnachtsträume in Erfüllung gehen

Schloss Britz, so richtig schön altmodisch und unkompliziert wie es ist, ist wirklich ein (mystisches) Juwel unter Weihnachtsmärkten. Kinder können auf einem nachgebauten Wikingerschiff spielen, Ponys auf einem schlammigen Feld reiten oder mit einem historischen, mit reiner Muskelkraft betriebenen, Karussell fahren. Und während eure Kinder handgetauchte Kerzen herstellen oder mit Pfeil und Bogen schießen, könnt ihr euch kurz wegstehlen, um eine Bratwurst zu kaufen und einen weiteren Becher kochend heißen Glühwein gönnen.

Der Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz. Der Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz. | © Ralf Roletschek / Roletschek.at Und natürlich wäre kein Besuch des schönsten Weihnachtsmarkts Neuköllns komplett, ohne einen Wunsch am hölzernen Wasserrad zu äußern. Wie schon in vergangenen Zeiten, dreht sich die historische Wassermühle auf einer mobilen Plattform langsam über einem Wassertrog. Elektrische Kabel schlängeln sich unterhalb der Plattform zu einem nahe gelegenen Stromgenerator. Eine Handvoll Kupfermünzen tanzen unter den Wasserkaskaden und laden Passanten ein, einen Wunsch zu hinterlassen. Na komm schon, wirf auch eine Münze rein – mögen alle deine Weihnachtsträume in Erfüllung gehen!