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Bicultural Urbanite Brianna
Pandemieurlaub: Den Sommer voll auskosten

Eine Badestelle am MainRadweg
© Brianna Summers

Viele Deutsche machen diesen Sommer in Deutschland Ferien. Die Ostseeküste ist gerammelt voll und im ganzen Land sind Ferienunterkünfte ausgebucht. Auch ich entschied mich für Urlaub im eigenen Land, um die Virusrisiken von internationalen Reisen zu vermeiden. Statt Barcelona oder Barbados schwang ich mich aufs Fahrrad und radelte 400 Kilometer durch Bayern.

Von Brianna Summers

Die Gefahren der Pandemie haben zu einem Anstieg des Inlandstourismus geführt. Als im Juni die Schulferien begannen, stürmten strandbegeisterte Deutsche die Küsten des Landes. Die beliebtesten Küstenorte waren so überfüllt, dass mehrere Autobahnausfahrten vorübergehend geschlossen wurden, um weitere Sonnenhungrige davon abzuhalten, sich auch noch ins Getümmel zu stürzen. Im August veranlasste dann die Überfüllung von Berlins Erholungsstätten die Polizei dazu, auf Twitter Warnungen auszugeben, dass die „Parks, Seen, Strand- und Freibäder aus allen Nähten“ platzten. Fränkische Weinregion Posieren im Fränkischen Weinland in meinem Fahrradoutfit im unbeabsichtigten Partnerlook | © Brianna Summers

26% der deutschen Urlauber*innen verreisten im letzten Jahr innerhalb Deutschlands und 2020 könnte diese Zahl laut Stuttgarter Zeitung 40-50% erreichen. Diejenigen, die sich dafür entschieden haben, den Sommer hier in der Hauptstadt zu verbringen, tun, was sie können, um sich angesichts einer erneuten europäischen Hitzewelle abzukühlen. Relativ lockere Coronavirus-Beschränkungen bedeuten, dass die Berliner*innen ihren üblichen Sommeraktivitäten weitgehend nachgehen können: Biertrinker*innen lassen sich in Schlauchbooten den Landwehrkanal hinuntertreiben, in den Parks liegen Frauen in Bikinis in der Sonne und Familien stürzen sich in die Seen. Innerstädtische Schwimmer*innen müssen nun jedoch ins Internet gehen, um sich eines der heiß begehrten Zeitfenster in den städtischen Schwimmbädern zu sichern.

Servus, Bayern!


Angesichts der Tatsache, dass das Virus überall in Europa auflodert, beschlossen mein Mann und ich, unseren Sommerurlaub mit der Erkundung der Regionen vor unserer Haustür zu verbringen. Sprich, in Bayern. Unsere Last-Minute-„Wird schon werden“-Haltung in Bezug auf die Reiseplanung führte dazu, dass wir für unseren zweiwöchigen Trip ganz spontan den MainRadweg auswählten. Später erfuhr ich, dass dieser „Fünf-Sterne-Radweg“ bei Rentner*innen sehr bliebt ist, und sah uns vor meinem geistigen Auge schon in einem nur langsam vorwärtskommenden Pulk von Pensionist*innen entlangzockeln. In Wirklichkeit gehörten wir zu einer eher geringen Anzahl Fahrradfahrer*innen, die beschlossen hatten, dass sich 400 km lang bei 35 Grad Hitze mit insgesamt 50 kg Campingausrüstung abzustrampeln eine Erfolgsformel für Ruhe und Entspannung war. An den Wochenenden nahm der Verkehr jedoch zu, wenn unbeschwerte Tagesausflügler*innen mit aufmunterndem Lächeln an uns vorbeirauschten. COVID-19 sichere Kneipe am MainRadweg Der Kneipenbesuch ist in den Zeiten von COVID-19 anders | © Brianna Summers

Zwei Wochen im Sattel gaben mir jede Menge Zeit, deutsche Fahrradmode zu studieren. Es wimmelt von funktionaler Kleidung, und Paare im selben Outfit, was in Deutschland als „Partnerlook“ bezeichnet wird, sind weit verbreitet. Auch wir begingen diesen modischen Fauxpas. Unser begrenzter Kleidervorrat bedeutete, dass wir beide häufig in blauem T-Shirt und schwarzen Shorts radelten, wie ein Ehepaar-Amateurteam bei der Tour de France, das es nicht geschafft hatte, irgendwelche nennenswerten Sponsorenverträge zu ergattern. Ähnlich gekleidete Duos radelten grinsend an uns vorbei und nickten uns zu, entweder als Gruß, in Solidarität oder weil sie amüsiert waren. Selbstverständlich erspähte ich auch den einheimischen deutschen MAMIL („middle-aged man in lycra“ = „in Lycra gekleideter Mann im mittleren Alter“), der alleine oder zu zweit entlangdüste. Und ich kann berichten, dass der jüngste Trend unter einheimischen Pendler*innen eine chirurgische Maske ist, die vom Handgelenk oder Ellbogen baumelt – eine unwillkommene Erinnerung an die neue Normalität.

Desinfektionsmittel, Masken und Absperrband


Trotz der Präsenz solcher Corona-Accessoires war es nicht schwer, die Pandemie zu vergessen, während wir an Weinbergen, Feldern und Wäldern vorbeirollten. Trauben von Familien schwammen im Fluss und lagen mit minimalem Respekt für die 1,5-Meter-Regelung auf dem verbrannten Gras in der Sonne. Die wahren Anhaltspunkte dafür, dass sich die Welt verändert hatte, lauerten in den Restaurants, Eisdielen und Campingplätzen, wo Handdesinfektionsmittel in Strömen floss und „Mund-Nasen-Schutz“ in Innenräumen vorgeschrieben war. Campingbad am MainRadweg Mit Plastiktüten abgedeckte Campingplatz-Waschbecken, um räumliche Distanzierung durchzusetzen | © Brianna Summers Auf Gehwegen und öffentlichen Plätzen eingerichtete Restaurantbereiche zum Essen unter freiem Himmel waren häufig mit Bändern abgesperrt, um eine Überfüllung zu verhindern. Schilder am Eingang dieser filigranen Sicherheitssysteme verkündeten laut: „Wir zeigen Ihnen Ihren Platz! Danke fürs Warten!“ Einzelhändler bewarben stolz ihre neuen kontaktlosen Zahlungsmöglichkeiten: eine Offenbarung in einem Land, in dem Bargeld immer noch (weitgehend) König ist. Auf den Campingplätzen diktierten strikte Beschränkungen, wie viele Personen die Sanitäranlagen betreten durften, und der Großteil der Gemeinschaftswaschbecken war zur Durchsetzung der räumlichen Distanzierung mit Absperrband oder Plastiktüten abgedeckt. Für die drei Sekunden die Maske aufzusetzen, die es dauerte, um vom Eingang zur Duschkabine zu gelangen, schien mir etwas lächerlich, wenngleich ich dankbar war, dass das Coronavirusrisiko ernst genommen wurde.

Schon bald war es an der Zeit, unsere FFP3-Masken für die Busfahrt nachhause aufzusetzen. Sieben Stunden später wurden wir an einer provisorischen Corona-Teststation hinter Berlins zentralem Omnibusbahnhof abgesetzt. War der Test verpflichtend? In Ermangelung einer klaren Ansage vonseiten des Busfahrers holten sich die Passagier*innen einfach ihr Gepäck und machten sich vom Acker. Und so taten wir es ihnen gleich, froh, in unsere nicht-gemeinschaftliche Behausung zurückzukehren, wo wir in einem echten Bett schlafen und ohne Flipflops duschen konnten.

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