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Bicultural Urbanite Brianna
Ohne Langeweile durch den Berliner Lockdown

Die Modersohnbrücke liegt im Berliner Ortsteil Friedrichshain
Räumlich distanzierte Feierabend-Drinks auf der Modersohnbrücke in Friedrichshain | © Brianna Summers

Seit November sitzen die Menschen in Berlin zuhause fest. Der Lockdown dauert an und so suchen mürbe gewordene Einheimische nach allem, was die Monotonie ihrer eigenen vier Wände durchbrechen könnte. Ich habe im Folgenden eine Sammlung von Aktivitäten und Ablenkungen zusammengestellt, die in der deutschen Hauptstadt nach wie vor möglich sind.

Von Brianna Summers

In ganz Europa grüßt täglich das Murmeltier, nur leider ohne Bill Murray, um die Stimmung zu heben. Als sich der Winter über das Land senkte, rollte die unausweichliche zweite Welle der Pandemie an und wir waren erneut gezwungen, uns einzubunkern. Schulen wurden geschlossen, Ausgangssperren verhängt und soziale Kontakte auf ein Minimum reduziert.

Zu meinem Glück sind die Berliner Einschränkungen relativ milde – insbesondere, wenn ich bedenke, was meine Familie in Melbourne letztes Jahr durchgemacht hat. Trotzdem, die scheinbar endlose Dunkelheit und die Minustemperaturen des nordeuropäischen Winters erlegen den Optionen für die Abwehr eines Hüttenkollers zusätzliche Beschränkungen auf. Immer nur essen, arbeiten, schlafen wird ziemlich schnell ziemlich langweilig, vor allem, wenn man von daheim arbeitet. Aber was könnte man sonst machen? Mehr als gedacht, wie sich herausstellte.

Offline-Aktivitäten in Berlin


Genau wie Lockdown I: OMG ein Virus glänzt auch die Fortsetzung mit einer aberwitzigen Fülle von Spaziergängen. Was früher eine sonntagnachmittägliche Tradition war, die in der Regel mit Kaffee und Kuchen kombiniert wurde, ist heute bei Jung und Alt zu einer täglichen Besessenheit geworden. Innerstädtische Parks sind offensichtliche Spaziergangs-Hotspots und werden an Wochenenden ganz schön voll. Friedhöfe, einst ein Insidertipp, sind mittlerweile ebenfalls überlaufen.

Wer keine Lust mehr auf Parks und Friedhöfe hat oder darauf, sich zu einer Runde nach der anderen durch das eigene Viertel zu zwingen, findet im Folgenden ein paar Möglichkeiten, seine täglichen Streifzüge aufzupeppen:
  • Ein Spaziergang im Berliner Zoo oder im Tierpark, um sich frierende Tiere anzuschauen. Wundersamerweise sind die Zoos nach wie vor offen, auch wenn die Tierhäuser selbst geschlossen sind. 
  • Ein Spaziergang im Botanischen Garten, Britzer Garten oder den Gärten der Welt, bei dem man sich ausmalt, wie schön die Pflanzen im Frühling alle aussehen werden. 
  • Eine Spazierroute, die an einigen Exemplaren der Berliner Streetart vorbeiführt. Diese praktische Streetart-Karte zeigt, wo sich die größten und bekanntesten Wandbilder befinden, und wartet sogar mit Routenvorschlägen auf. 
  • Ein Rundgang oder eine Schnitzeljagd durch Berlin mithilfe einer App. Lialo bietet jede Menge Strecken, die von anderen Nutzer*innen erstellt wurden. 
  • Eine von einheimischen Poet*innen gestaltete Audio-Tour durch die Stadt: „ein bisschen Podcast, ein bisschen Hörbuch, eine Prise Stadtspaziergang und ein bisschen Poetry Slam.“ 
  • Ein Ausflug zu den umliegenden Wäldern oder Seen, wo man sich mit mehr räumlicher Distanz die Beine vertreten kann.
Spaziergänger*innen und ein Jogger auf der Karl-Marx-Allee, als im Februar kurzzeitig Schnee fiel Spaziergänger*innen und ein Jogger auf der Karl-Marx-Allee, als im Februar kurzzeitig Schnee fiel | © Brianna Summers Auch wenn Fitnessstudios und Sportclubs geschlossen bleiben, gibt es trotzdem noch Möglichkeiten, seinen Puls in die Höhe zu treiben. Vorausgesetzt, die Kälte macht einem nichts aus, ist Sport im Freien mit einer Person aus einem anderen Haushalt nach wie vor erlaubt. Man kann auf einem halben Outdoor-Basketballfeld Körbe werfen, mit einer Freundin im Tempelhofer Park rollerbladen gehen oder seinem Kleinkind quer über einen der städtischen Spielplätze hinterherrennen. Joggen hat an Beliebtheit abgenommen, aber man sieht trotzdem nach wie vor hartgesottene Jogger*innen in Hightech-Sportkleidung, die den frostigen Temperaturen trotzen. (Wer aus Australien kommt oder einfach nur Kälte nicht abkann, für den gibt es jede Menge Apps und YouTube-Kanäle mit Yoga-, Aerobic- und Krafttrainingsstunden, die man ganz gemütlich in seiner Gefängniszelle äh Wohnung machen kann.)

Berliner Online-Events und -Ausstellungen


Die Kultureinrichtungen, die durch Covid-19 zur Schließung gezwungen waren, haben das vergangene Jahr damit verbracht, eifrig ihr Angebot zu digitalisieren. Dank 3D-Fotografie kann man Museen und Kunstaustellungen online besuchen und sogar an virtuellen Führungen teilnehmen. Konzerte der Berliner Philharmoniker werden live gestreamt, das Comedy Café veranstaltet auf YouTube interaktive Shows und das Berliner Ensemble hat eine ganze Reihe von On-Demand-Videoinhalten zusammengestellt. Klar, es ist nicht ganz dasselbe wie tatsächlich hinzugehen, aber es ist definitiv besser, als durch Netflix zu scrollen, und kommt direkt der Berliner Kulturwirtschaft zugute.

Berlin.de bietet eine fantastische Auflistung der Livestreams und Online-Events, die aus der ganzen Stadt gesendet werden. Es gibt sogar eine neue Streaming-Plattform namens Dringeblieben, die die Kulturszene in Städten in ganz Deutschland unterstützen soll. Mehr als 1000 Künstler*innen, Musiker*innen und Veranstaltungsräume nutzen sie bereits, um ihre Konzerte, Theateraufführungen, DJ-Sets, Podiumsdiskussionen und mehr zu streamen.

Screenshot der Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker Die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker | © Berliner Philharmoniker Im Folgenden finden Sie eine Auswahl der angebotenen Veranstaltungen und Ausstellungen:

Museen und Kunst:
  • Live-Führung durch Schloss Sanssouci in Potsdam (auf Instagram) 
  • Führung zum Wandbild Lob des Kommunismus im DDR Museum
  • Virtuelle Führung durch die Ausstellung BERLIN GLOBAL im Humboldt Forum 
  • 3D-Videoführung durch die Ausstellung Body Performance im Museum für Fotografie 
  • Ausstellung mit virtuell generierter Kunst in der Synthesis Gallery (man kann sogar mit anderen Besucher*innen chatten)
Musik:
  • Die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker sendet Live-Konzerte und bietet On-Demand-Inhalte an (Abonnement erforderlich, es gibt aber auch eine kleine frei zugängliche Playlist) 
  • Radialsystem streamt Live-Konzerte inklusive Online-Chats mit den Musiker*innen (sowie Tanz, Podiumsdiskussionen und mehr) 
  • Der Gretchen Club streamt Live-Konzerte und DJ-Sets aus Kreuzberg
Theater und Comedy:
  • Volksbühne digital bietet jede Menge frei zugängliche Inhalte (Interviews, Diskussionen) und streamt Live-Theateraufführungen 
  • Auf der „BE at home“-Plattform des Berliner Ensemble findet sich eine ganze Reihe von Archivvideos mit historischen Brecht-Produktionen, Monologen, Lesungen von Theaterstücken, Podiumsdiskussionen und Webserien:
  • Die BKA streamt Comedy, Kabarett und einige ziemlich schräge Konzerte live 
  • Das Comedy Café in Neukölln streamt Stand-up- und Improvisations-Comedy auf YouTube und Facebook (die Shows finden auf Spendenbasis statt, ältere Inhalte sind auf Abruf verfügbar)

Wenn also das Murmeltier das nächste Mal seinen pelzigen Kopf hervorstreckt, kann es sich lohnen, in einen weniger vertrauten Teil der Stadt zu spazieren oder nach etwas lokaler Unterhaltung zu suchen, statt gleich zum ZDF, zu Amazon Prime oder zu ABC iView zu greifen. Hier findet man die Sorte willkommener Ablenkung, die uns durch den Rest von Lockdown 2: Impfhorizont bringen wird. Halten Sie durch.

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