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Bicultural Urbanite Brianna
Ein Bild der Stadt

Strassenkunst von James Reka
© James Reka

Der Künstler James Reka ist Melbourliner. Nach seinen Anfängen in der frühen Melbourner Street-Art-Szene zog er in die deutsche Hauptstadt, um seinen Horizont zu erweitern. Ich sprach mit Reka über sein europäisches Zuhause, das Street-Art-Museum Urban Nation und seine bevorstehende Einzelausstellung in der Backwoods Gallery im Melbourner Stadtteil Collingwood.

Von Brianna Summers

James Reka ist Ihnen möglicherweise als Reka One bekannt. Als Mitglied der Everfresh-Crew war der australische Künstler Teil der frühen Straßenkunstszene von Melbourne und sein Talent wurde von der Backwoods Gallery gefördert, die in den Gassen von Collingwood liegt. 2012 begann Reka anderswo sein Glück zu suchen und sah sich nach einer europäischen Basis um, die es ihm ermöglichen würde, den nächsten Sprung in seiner Karriere zu machen. Dabei verloren Amsterdam und Kopenhagen letztlich gegen Berlin und Reka zog Anfang 2013 in die deutsche Hauptstadt.

Als ich mit ihm via Skype sprach, war Reka gerade für einen Künstleraufenthalt in Malta. Diese Möglichkeit des schnellen Reisens in Europa war einer der Hauptgründe für seinen Entschluss, Australien zu verlassen. Er ist gerne beruflich unterwegs: „Reisen ist für mich die beste Inspiration. Ich kann ehrlich sagen, dass es mich mehr inspiriert, in einem anderen Land und einer anderen Kultur die Straße hinunterzugehen, als mir Kunst anzuschauen.“

Leben in Neucollingwood


Der Umzug nach Europa bedeutete eine größere Nähe zu den namhaften Galerien und Festivals, die ihn aus der Ferne umworben hatten. „Ich wusste, dass ich durch einen Ortswechsel zu einer Menge Projekte und Mural-Festivals eingeladen werden würde, für die Europa sehr bekannt ist, vor allem im Sommer. Mein Ziel war es damals, mit dem Malen von großformatigen Wandgemälden anzufangen, für die ich heute sehr bekannt bin“, erklärt er. Sein Wechsel von den Vororten von Melbourne in den Distrikt Neukölln gestaltete sich nicht allzu schwierig, da Englisch in der Berliner Innenstadt ohnehin die Lingua franca ist und bereits sehr viele Melbourner hier leben. (Insbesondere Neukölln sollte wahrscheinlich in Neucollingwood oder, in Anlehnung an den Melbourner Stadtteil Fitzroy, in Fitzkölln umbenannt werden.) Straßenkünstler James Reka bei der Arbeit James Reka bei der Arbeit | © James Reka Ich fragte Reka, inwiefern sich die Berliner Street-Art-Szene mit der seiner Heimatstadt vergleichen lässt. Er ist überzeugt, dass Melbourne in Bezug auf Street Art und städtische Murals zur Weltspitze gehört und zieht Berlins Ruf als Straßenkunst-Mekka in Zweifel. „[Berlin] hat eine sehr ausgeprägte Graffitiszene, und, naja, nichts, was gut aussieht, hält sich lange“, klagt er. Seine Murals werden schnell mit neuen Werken übermalt oder bis zur Unkenntlichkeit getaggt. Das erklärt, warum viele von Berlins größeren, langlebigeren Wandgemälden im ersten Stock oder darüber beginnen – auf Bodenhöhe hält sich nichts sehr lange. Während Reka akzeptiert, dass diese Art von Graffiti ebenfalls zur Szene (und auch zu seinem eigenen künstlerischen Hintergrund) gehört, glaubt er trotzdem, dass es einer der Faktoren ist, die Berlin zurückhalten.

Das Urban-Nation-Paradox


Rekas Werke wurden 2017 bei der Eröffnungsausstellung von Urban Nation gezeigt, Berlins erstem und einzigem Museum, das der Street Art gewidmet ist. Das Museum selbst bezeichnet sich als Sammlung von „Urban Contemporary Art“, vermutlich, um den widersprüchlichen Titel „Straßenkunstmuseum“ zu vermeiden. Zunächst war Reka über seine Teilnahme begeistert, da er sie als Möglichkeit sah, für das Schaffen von Wandgemälden in Berlin bezahlt zu werden. Schließlich ist das Malen von Murals nicht ganz billig: für die Künstler*innen ist es schwierig, großformatige Kunstwerke in Eigenregie zu finanzieren. Kunst von James Reka in der Urban Nation Galerie in Berlin Kunst aus der Eröffnungsausstellung von Urban Nation | © James Reka

Reka hat sich seither von der Institution distanziert. Er erzählt mir, dass sich Urban Nation – das in Schöneberg liegt – im Besitz eines Immobilienunternehmens befindet, dem „ein Großteil von Schöneberg gehört“ und das „mehr Kultur in die Gegend bringen wollte, um die Gentrifizierung zu fördern und die Immobilienpreise [zu erhöhen]“. Reka erklärt, dass Ähnliches überall auf der Welt passiert, und verweist auf ein Street-Art-Festival, das von den Inhabern der Kunstmesse Art Basel in Miami Beach organisiert wird, denen ebenfalls ein Immobilienunternehmen mit erheblicher Beteiligung am Immobilienmarkt von Miami gehört.

„Die Einheimischen mögen [Urban Nation] nicht, weil sie die Fassade durchschauen, sie wissen genau, was damit bezweckt wird. Und leider fördert Urban Nation die lokale Szene auch nicht wirklich“, fügt er hinzu. Laut Reka neigt das Museum dazu, „internationale A-List-Superstars“ einzufliegen, was zwar inspirierend sein mag, aber auf Kosten einer gesunden Balance zwischen globalen und lokalen Kunstwerken geht.

Back to Backwoods


Rekas bevorstehende Einzelausstellung wird im September in der Melbourner Backwoods Gallery stattfinden. Trotz der Aussicht auf einen zweiwöchigen Aufenthalt in der Hotelquarantäne freut er sich darauf, zum ersten Mal seit drei Jahren nach Hause zu fliegen. Der Titel der Ausstellung lautet Forbidden Fruit und seine jüngsten Erlebnisse in Malta ziehen sich durch die neuen Werke, auch wenn sie thematisch mit klassischen Berliner Motiven wie Versuchung, Frivolität und Ausschweifung überlappen.

Die Ausstellung möchte durch die Verschmelzung von Früchten und natürlichen Formen mit der menschlichen Gestalt eine Art Garten Eden kreieren. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Stillleben sowie auf Skulpturen wie Vasen und Obstschalen. Sammler*innen, die sich gerne eines dieser Werke sichern möchten, sollten schnell zugreifen.

„Meine Ausstellungen in Melbourne sind jedes Mal ausverkauft“, freut sich Reka. Er weiß, dass vor allem seine Gemälde heiß begehrt sind, versucht aber dennoch mit jeder neuen Ausstellung sein Repertoire zu erweitern, indem er sich mit neuen Medien wie Skulptur, Video und Installation befasst. Kunst des Berliner Künstlers James Reka in einer verlassenen Wohnung Ein James Reka Wandbild in einem verlassenen Gebäude | © James Reka

Rückblick auf 10 Jahre Berlin


Und wann bekommen die Berliner*innen ihre nächste Chance, Rekas Werk in Augenschein zu nehmen? „Lustigerweise hatte ich noch gar keine [Einzel-]Ausstellung in Berlin“, räumt er ein. Das nächste Jahr wird sein zehntes in Berlin sein und er plant, eine Retrospektive in Buchform über seine regelmäßigen Ausflüge zu den verlassenen Räumen der Stadt herauszugeben. „Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen in Berlin ist das Erkunden von verlassenen sowjetischen Gebäuden in Ostberlin und Ostdeutschland“, sagt er. Reka malt in diesen vergessenen Räumen Murals und hat immer große blaue Ikea-Taschen dabei, um weggeworfene Objekte zu sammeln, die sich später in Kunstwerke verwandeln lassen. Das Buch wird Fotos seiner Exkursionen zu bekannten Stätten präsentieren, die auf abandonedberlin.com aufgelistet sind, sowie abgelegenere und unberührtere Orte, die er mithilfe von Google Earth entdeckt hat. Reka ist nicht der erste, der sich in die geisterhaften Relikte der Berliner Vergangenheit verliebt hat – und mit Sicherheit nicht der letzte.

James Rekas Ausstellung Forbidden Fruit wird am 10. September 2021 in der Backwoods Gallery in Melbourne eröffnet.

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