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Berlinale-Blogger 2019
'2040‘: Ein Aufruf zum Wandel

'2040'.
'2040'. | © Hugh Miller

Nach ,That Sugar Film‘ (2014) erweist sich der vom Schauspieler zum Filmemacher gewordene Australier Damon Gameau auch mit ‚2040‘ wieder als überzeugender Kino-Aktivist.

Von Sarah Ward

Mit seinem zweiten Dokumentarfilm, bei dem er erneut als Drehbuchautor fungiert, Regie führt und vor der Kamera steht, legt er ein leidenschaftliches, aus persönlicher Perspektive gestaltetes Argument vor – und untersucht gleichzeitig die Auswirkungen seines wichtigen Themas sowohl auf ganz privater als auch auf universeller Ebene. 

LÖSUNGEN FÜR EINE BESSERE ZUKUNFT

Gameaus Thema: der Klimawandel. Diesmal ist es nicht nur seine Gesundheit, die auf dem Spiel steht, sondern der gesamte Planet, der unser aller Zuhause ist. Indem er über die Welt nachdenkt, die seine Tochter Velvet in 21 Jahren erben wird, – und den Film als Brief an die heute Vierjährige strukturiert –, sondiert Gameau Lösungen für eine bessere Zukunft. 
 
Um die größte Bedrohung der Menschheit in Angriff zu nehmen, macht Gameau sich Gedanken darüber, wie eine ideale Version des Jahres 2040 aussehen könnte. Der entscheidende Vorbehalt: Alles, was er vorschlägt, muss Technologien einsetzen, die bereits heute verfügbar sind. Der Film ist nicht Sciencefiction oder Wunschdenken, sondern logische Extrapolation. Wenn Solar-Mikronetze auf kommunaler Ebene zum Normalfall werden, verringert sich die Notwendigkeit, kohlenstoffemittierende fossile Brennstoffe zu verbrauchen. Wenn sich fahrerlose Ride-Sharing-Fahrzeuge als gemeinschaftliche Form des Transports etablieren, werden Autos, das Öl, das sie benötigen, und die Straßen und Parkplätze, die sie brauchen, ebenfalls abnehmen. Gameau reist um die ganze Welt und trifft sich mit Experten, die den Weg weisen, sei es durch das Erfinden neuer landwirtschaftlicher Methoden, die für Böden wie Nutztiere besser verträglich sind, oder das Erproben von Massen-Algenplantagen für zahlreiche umweltfreundliche Einsatzzwecke. 
'2040'. '2040'. | © Dane Scotcher
Die Details sind unweigerlich informativ, ob er nun die Kinder von heute nach ihren Befürchtungen fragt, essenzielle Fakten über den Status Quo erzählt oder potentiell weltverändernde Konzepte erläutert. 2040 richtet sich an ein breites Publikum aller Altersgruppen – der Film läuft auf der Berlinale außer Konkurrenz in der Reihe Generation Kplus – und ist handwerklich sorgfältig ausgearbeitet, um seine Daten auf ansprechende Weise zu vermitteln. Elegante Visualisierungen und Live-ActionDarstellungen der Zukunft (mit Eva Lazzaro als erwachsene Velvet) illustrieren zentrale Punkte, letztere mit Sinn für Humor. Die Sprecher des Films wurden miniaturisiert, um in
Umfelder zu passen, die für das Thema relevant sind, und hauchen so einem der gängigsten Dokumentarfilm-Eckpfeiler neues Leben ein, etwa wenn sie während einer Diskussion über die Wirtschaft ein Monopoly-Auto durch das Spiel fahren oder sich auf einer Windturbine sitzend über Energie unterhalten. 

EIN HALBVOLLES GLAS?

Obwohl 2040 stets dynamisch daherkommt, löst der Film dennoch bittersüße Gefühle aus, die nichts mit seiner Präsentation zu tun haben. Mehr als einmal erwähnt Gameau das enorme Hindernis, das viele seiner vorgeschlagenen Veränderungen blockiert – denn damit die vorgestellten Technologien Alltag werden, müssen sich die gesamten Energie-, Nahrungsmittelproduktions- and Verkehrssektoren umstellen; ihr aktueller Fokus auf Profit wird jedoch möglicherweise weiterhin eine andere Richtung diktieren. Diese Tatsache schmälert 2040 keineswegs, verleiht dem Film jedoch einen Hauch von Glas halb voll/halb leer. Durch das Verfechten einer positiven Botschaft, die sich von der Schwarzmalerei um das Thema Klimawandel abhebt, hofft Gameau, den Zuschauern dabei zu helfen, sich ins erstere Lager einzuordnen – und kommt dabei der Erreichung seines Ziels sehr nahe.

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