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Berlinale-Blogger 2018
Irische Geschichte mit australischen Stars

Grüne Landschaft im Hintergrund
Grüne Landschaft im Hintergrund | © Berlinale

In Irland hat der trostlose und verheerende Höhepunkt der durch die Kartoffelfäule ausgelösten Großen Hungersnot des 19. Jahrhunderts einen Namen: Black 47 – das schlimmste in einer ganzen Reihe schlimmer Jahre, in denen Tod, Hunger und Obdachlosigkeit das einzige waren, was zur Blüte kam. Lance Daly (‚The Good Doctor – Tödliche Behandlung‘) macht Black 47 zum Titel seines neuen Films und erzählt nicht nur ein düsteres Kapitel der irischen Geschichte, sondern nutzt es auch als Hintergrund für einen irischen Rache-Western. Mit ernster Grundhaltung, aber spürbarer Leidenschaft ist der Film wirkungsvoller, aufrüttelnder und mitnehmender, als die Mischung aus historischem Elend und Haudegen-Genre vermuten lässt.

Von Sarah Ward

Eine turbulente Rückkehr in die Heimat liefert die Initialzündung für die Handlung von Black 47. Feeney (James Frecheville) hat sich – ohne offizielle Erlaubnis – auf den Heimweg vom britischen Militärdienst in Afghanistan gemacht und rechnet auf seinem Weg durch die staubigen Landschaften von Connemara durchaus damit, eine verzweifelte Situation vorzufinden. Ihn erwarten jedoch noch schlimmeres Leid, Schmerz und Unglück. Nachdem er vom Tod seiner Mutter und seines Bruders erfahren hat und in der Folge weitere Verluste ertragen muss, plant der wortkarge Soldat seine Rache an den Machthabern, die er für das Elend verantwortlich macht. Bald jedoch sind ihm der pflichtbeflissene Hauptmann Pope (Freddie Fox), der junge Gefreite Hobson (Barry Keoghan) und Feeneys Polizist gewordener ehemaliger Kollege Hannah (Hugo Weaving) auf den Fersen.

Der australische Schauspieler James Frecheville Der australische Schauspieler James Frecheville | © Berlinale

AUSTRALIEN LÄSST GRÜSSEN

Prompt entspinnt sich eine wilde Verfolgungsjagd, oder, um genau zu sein, eine Abfolge gut inszenierter Begebenheiten, in denen Feeney seinen Gefühlen der gleichgültigen Kirche oder habgierigen Grundbesitzern gegenüber gewaltsam Ausdruck verleiht und eine Spur der Verwüstung hinterlässt, während die ihn verfolgenden Gesetzeshüter langsam aber sicher aufholen. Dazu kommen herausragende schauspielerische Leistungen: Black 47 erzählt durch und durch irische Ereignisse mit der kompetenten und brillanten Hilfe von Jim Broadbent, Stephen Rea und der beiden Australier Frecheville und Weaving. Ersterer, der oft statt gälischer Worte seine physische Präsenz einsetzt, ist hier in seiner besten Rolle seit Königreich des Verbrechens (Animal Kingdom) zu sehen. Letzterer, ein erfahrener Veteran in der Darstellung innerlich zerrissener Männer, die Komplexität ebenso ausstrahlen wie abgekämpften Charme, verkörpert seine zentrale Figur in jeder Hinsicht mit absoluter Perfektion.

GENRE UND REALITÄT – EIN BALANCEAKT

Das zentrale Katz-und-Maus-Spiel des Films illustriert auch seinen eindrucksvollen Balanceakt: So konzentriert sich Black 47 zwar vordergründig auf eine von Vergeltung motivierte Handlung, lässt dabei jedoch nie zu, dass der Nervenkitzel die bittere Wahrheit der Ereignisse, auf denen er beruht, in den Hintergrund treten lässt. Wie so viele Western benutzt er stattdessen das eine, um das andere hervorzuheben, zu konkretisieren und ihm Substanz zu verleihen. Dabei nimmt die Wirkmächtigkeit dieser Geschichte eines Mannes, den der Wunsch, schlimmes Unrecht zu vergelten, in einen Rachefeldzug treibt – und eines anderen, der unausweichlich in die Situation mit hineingezogen wird –, an keiner Stelle ab. Dass diese selten auf der Leinwand gezeigte historische Epoche bitter war, ist unumstritten, und diese Gewissheit durchdringt bei Daly jedes Bild. Ein einziger Blick auf die Arbeit von Kameramann Declan Quinn (Ricki – Wie Familie so ist) macht dies offensichtlich: Schlammbedeckte Hügellandschaften entlarven gezielt den schönen Schein der malerischen Bilder des Films, während auf Frechevilles und Weavings Gesichtern verweilende Einstellungen dafür sorgen, dass der Zuschauer Leid and Kummer nie aus dem Blick verliert.

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