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Berlinale Blogger 2018
Porträt einer einzigartigen australischen Stimme

Der Künstler
Der Künstler | © 6 Seasons Productions

Debüt-Regisseur Paul Damien Williams Gurrumul möchte erforschen, wer sein titelgebender Protagonist war – jenseits des meistverkauften indigenen Künstlers in der australischen Musikgeschichte. Im Film geht vielmehr um dessen Leben und Arbeit, und wie die Welt seine Kreativität aufgenommen hat.

Von Sarah Ward

Als Geoffrey Gurrumul Yunupingus Stimme dank seines nach ihm benannten Debut-Albums 2008 im australischen Rundfunk lief, wurde die ABC mit Anfragen überflutet, mehr von ihm zu spielen. Melodisch, poetisch, gebieterisch und bezaubernd zugleich hat sein unverwechselbarer Tenor genau diesen Effekt: Er spricht etwas tief im Innern seiner Hörer an, wenn er von seiner indigenen Lebensart und seinem Glaube in den Sprachen Gumatj, Galpu und Djambarrpuyngu singt.


Jeder Musiker würde von solch einer Resonanz träumen, aber nicht das ehemalige Mitglied von Yothu Yindi und Saltwater Band. Blind geboren und mehr mit gemeinschaftlicher Musik vertraut,  musste ihn erst der Produzent und Musiker Michael Hohnen davon überzeugen, seinen eigenen Weg zu gehen. Und als er ihn überzeugt hatte, war Gurrumul wenig von der Musikindustrie begeistert. Er hat seinen wenigen Äußerungen Gewicht verliehen. Der Dokumentationsfilm der seine Karriere und seinen Einfluss nachzeichnet, zeigt ihn als einen Mann weniger Worte. In Gurrumul begegnet er dem Interviewer mit Stille. Später in der Chronik, am Abend vor einer wichtigen Tour in den Vereinigten Staaten, taucht er einfach nicht auf.

Transzendierende Worte

Es geht um diesen Gegensatz, um ein Talent das so viel aussagt, aber oftmals ohne Worte. Und mehr als das, er vermeidet deren herkömmliche Verwendungsweise völlig. Dies macht das Herzstück diesen respektvollen und feierlichen Films aus. Gurrumul gibt nicht vor alles zu erklären, sondern möchte nur erforschen, wer sein titelgebender Protagonist war – jenseits des meistverkauften indigenen Künstlers in der australischen Musikgeschichte. Es geht vielmehr um dessen Leben und Arbeit, und wie die Welt seine Kreativität aufgenommen hat.

Ein Portrait des Künstlers Ein Portrait des Künstlers | © 6 Seasons Productions Während Gurrumul es vorzieht, seine Musik für sich sprechen zu lassen, füllen andere die daraus entstehenden Lücken für die Zuschauer aus: In erster Linie übernehmen das Hohnen, der wie ein Bruder dargestellt wird, und seine Tante Dhangal Gurruwiwi, die Geschichten über seine Kindheit teilt und kulturell-spezifische Einblicke gibt. Debüt-Regisseur Paul Damien Williams hat ein beachtliches Kontigent an Filmmaterial zur Verfügung. Das Material umfasst alles: von Gurrumuls Kindheit und seinem Leben in Elcho Island in East Arnhem Land, über seltene Aufnahmen von unterwegs, bis hin zu seiner Arbeit im Studio und von Auftritten auf der ganzen Welt.

Ein bleibendes Tribut

Für Fans und unbescholtene Zuschauer ist das Endergebnis reich, nachklingend und mitreißend. Im Grunde geht es dem Film um das Porträt eines Mannes, der mitreißend und warmherzig war und gefühlvoll singen konnte. Gurrumul hat viel von seinem Namensgeber gelernt – der Film bietet eine Fülle von Details, weiß aber auch, dass er ausgestattet mit den richtigen Elementen nicht alles auszusprechen braucht. Es ist auch die einzige Chance für Zuschauer, diesen intimen Blick auf Gurrumul zu erhaschen, der den Film im Juli 2017 autorisierte, und dann drei Tage später verstarb.

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