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Berlinale Blogger 2018
Die Vergangenheit in die Gegenwart holen

Unterwegs
Unterwegs | © Schramm Film / Marco Krüger

‚Transit‘ taucht in das Umherirren und Warten ein, das mit Krieg und ungewollter Kontrolle einhergeht. Geduldig, sondierend und poetisch in Herzensangelegenheiten und in Dingen um die sich die Seele sorgt: Wie immer ist ein Film von Christian Petzold ein komplex gestaltetes Kunstwerk.

Von Sarah Ward

Der deutsche Autor und Regisseur geht mit Transit, einem Film voller besinnlicher Ästhetik, die seinem eigenen kontemplativen, emotionalen und existenziellen Anliegen entspricht, nicht wirklich über seine gewohnte Domäne hinaus. Aber im Gegensatz zu dem Szenario, in dem sich seine Charaktere befinden, ist dies eine willkommene Entwicklung.

Ein Märchen von Liebe und Limbus

Basierend auf Anna Seghers‘ gleichnamigen Roman von 1944, taucht Transit in das Umherirren und Warten ein, das mit Krieg und ungewollter Kontrolle einhergeht. Hier vor der Kulisse eines von Deutschen besetzten Frankreichs. Nachdem Georg (der phänomenale Franz Rogowski) nur knapp den Behörden sowohl in Paris als auch auf seiner Reise nach Marseille entgegangen ist, zählt er nun die Tage, bis er sich in Richtung Mexiko aufmachen kann. Seine Flucht aus dem Land zu sichern, ist jedoch nicht einfach; um ein Visum zu erhalten, was ihm ermöglicht per Schiff die Stadt zu verlassen, muss er die Identität des Schriftstellers Weidel annehmen, der für die entsprechenden Papiere keine Verwendung mehr hat.

Schauspieler Paula Beer und Franz Rogowski Schauspieler Paula Beer und Franz Rogowski | © Schramm Film / Marco Krüger Während sich Georg seine Zeit vertreibt, begegnet er immer wieder der mysteriösen Marie (Paula Beer) auf der Straße. Sie ist eindeutig nach jemandem auf der Suche, findet aber in der Zwischenzeit Trost in den Armen des Arztes Richard (Godehard Giese). Im Stile von Casablanca ist das komplizierte Netz von Zuneigung, Freundschaft, Überlebenskampf und der Sehnsucht zu entkommen nur eines der Dinge, die seine Aufmerksamkeit erregen, da Georg auch eine Freundschaft mit Driss (Liliens Batman), dem jungen Sohn einer seiner gefallenen Freunden eingeht.

GESCHICHTE, DIE SICH WIEDERHOLT

Je länger Georg auf seine Transitpapiere wartet, desto stärker werden seine Verbindungen zur wachsenden Flüchtlingsgemeinschaft in Marseille. In Bars, Cafés, Fluren und auf den Straßen, ist er von in ähnlicher Weise umherdriftenden Menschen umgeben - und während die Details ihrer persönlichen Situationen unterschiedlich sind, sind sie dennoch alle irgendwie hier gestrandet und klammern sich verzweifelt an die Hoffnung, entfliehen zu können. Als Georg eine Parabel über die Hölle des Fegefeuers erzählt wird, lassen sich die Parallelen zu seiner eigenen Misere nicht übersehen, auch wenn er diese selbst nicht sofort erkennt.

Szenenfoto Szenenfoto | © Schramm Film / Marco Krüger So ergreifend, bewegend und innig wie Petzolds’ jüngste Darstellung der herzzerreißenden Auswirkung des Krieges ist, beweist Transit - ein wirklich würdiger Nachfolger von Barbara und Phoenix – dass es diese einfache Wahl ist, die den Film umso resonanter macht. Obwohl das Quellenmaterial deutlich vom Zweiten Weltkrieg durchdrungen ist, ein Eindruck den auch die Kulisse unmittelbar erweckt, ist Transit dennoch auch ein Film, der durch die Zeit reist. Gefüllt mit Echos der Vergangenheit, spielt der Film jedoch in der Gegenwart, ein Merkmal, das in intensiver und raffinierter Weise aufzeigt, wie sich Geschichte schmerzhaft wiederholt. Und es ist genau diese Erkenntnis, die nicht nur den Film durchtränkt, sondern sich auch fachmännisch auf den hin- und hergerissenen Gesichtern von Rogowski, Bier und Giese widerspiegelt.

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