Wachsbeschichtete Frischhaltetücher In alter Frische gegen Plastikmüll

Wrappa Frischhaltetücher
© Wrappa

Schick und praktisch: Mit dem Ziel, den Einsatz von Plastik und damit die Unmengen an Hausmüll zu reduzieren, erleben gewachste Frischhaltetücher derzeit eine Renaissance.

Cheryl Sanders, Inhaberin der südaustralischen Firma Wrappa® Reusable Food Wraps, war für ihre Küche auf der Suche nach einem Ersatz für Plastikfolien und verschließbare Gefriertüten - und stieß dabei auf die Idee gewachster Frischhaltetücher. Während ihrer Recherchen fiel ihr eine Marktlücke auf. „Zwar fanden sich Erwähnungen der Herstellung pflanzlich gewachster Tücher, inklusive Vorschlägen, welche Materialien man dafür benutzen könnte, aber soweit wir sehen konnten, stellte niemand tatsächlich welche her und bot gleichzeitig der veganen Gemeinde eine Alternative zu Plastik.“ Cheryl beschloss, die Lücke zu schließen, und berichtet, dass das Geschäft seither boomt.

Der Trend zu mehr Nachhaltigkeit im Haushalt

Während der Kampf gegen Plastikmüll in Australien an Fahrt gewinnt, werden sich große Konzerne ihrer Umweltauswirkungen immer bewusster und investieren verstärkt sowohl Zeit als auch Geld in Nachhaltigkeit. Gleichzeitig schießt eine Reihe kleinerer Firmen aus dem Boden, die nachhaltige Initiativen für Haushalte anbieten.

In den Jahren 2014 und 2015 landeten in Australien 2,5 Millionen Tonnen Plastik im Müll, das entspricht 107 Kilogramm pro Kopf. Das Bewusstsein für das Problem wächst, und damit auch der Markt für nachhaltige, umweltfreundliche Güter und Dienstleistungen. Wiederverwendbare, biologisch abbaubare Tüten wurden positiv aufgenommen, und Verbraucher bringen ihre Unterstützung für ‚grüne‘ Firmen zum Ausdruck und versuchen, ihre persönliche CO2-Bilanz zu reduzieren. In den vergangenen Monaten folgten die großen Supermarktketten dem Beispiel anderer Industrieländer und verpflichteten sich öffentlich dazu, die Bereitstellung von Einweg-Plastikeinkaufstüten in Australien bis Mitte 2018 zu beenden. Die australischen Bundesstaaten Western Australia und Queensland wollen Einweg-Plastiktüten auf ihren Territorien ab Juli 2018 sogar ganz verbieten.


Australische Haushalte suchen zudem nach Möglichkeiten, umweltbewusst zu leben, und ältere wie jüngere Generationen bemühen sich, die Verschwendung von Lebensmitteln zu begrenzen und den Kauf von Einweg-Gegenständen oder solchen mit überflüssigem Verpackungsmaterial zu vermeiden.

Wachsbeschichtete Frischhaltetücher

Die öffentliche Nachfrage veranlasste die Industrie, haltbare, umweltfreundliche Produkte für all diejenigen herzustellen, die Plastik ablehnen. Biologisch abbaubare, wachsbeschichtete Frischhaltetücher sind ein solches Produkt, das kürzlich eine Renaissance erlebt hat. Die Tücher bieten einen einfachen und effektiven Weg, Nahrungsmittel frischzuhalten und den Hausmüll zu reduzieren.

Die gewachsten Tücher sind in einer Reihe von Formen und Größen erhältlich und werden hergestellt, indem dünne Baumwolltücher mit einem Film aus Bienenwachs oder pflanzlichem Wachs beschichtet werden, der als wasserdichte Barriere dient. Sie schützen Nahrungsmittel vor Feuchtigkeit und halten sie so frisch. Durch die Hinzufügung von ätherischen Ölen besitzen sie zudem natürliche antibakterielle Eigenschaften. Die Tücher lassen sich ganz einfach als Ersatz für Frischhaltefolie oder Sandwichbeutel einsetzen und können bei Bedarf mit einem Gummiband befestigt werden. Sie stellen eine vielseitige Ergänzung für die Küchenschublade oder die Brotzeitdose dar, sind aber alles andere als eine moderne Erfindung.

Bereits im siebten Jahrhundert vor Christus domestizierten die Ägypter Bienenstöcke, aus denen sie sowohl Honig als auch Wachs gewannen. Eine der Einsatzmöglichkeiten für das Bienenwachs war die Herstellung gewachster Tücher, die zur Nahrungsmittelkonservierung benutzt wurden. Wenn man die unbestrittene Kompetenz der Ägypter in der Einbalsamierung von Mumien bedenkt, ist es wenig überraschend, dass sie ähnliche Konservierungsmethoden auch im häuslichen Umfeld einsetzten.

Wiederverwendbare Verpackungen in bunten Designs. Wiederverwendbare Verpackungen in bunten Designs. | © Wrappa Wrappa® stellt sowohl Bienenwachs-Tücher als auch pflanzliche – und damit vegane – Tücher her und ist, wie Cheryl anmerkt, nur eine von vielen Firmen im ganzen Land. Cheryl ist überzeugt, dass die Australier großes Interesse daran haben, nachhaltige Ideen aufzugreifen. „Die meisten empfinden die Umstellung von Einweg-Plastik auf wiederverwendbare Frischhaltetücher als äußerst problemlos und einfach. Die Frischhaltetücher sind in Europa sehr beliebt, und auch in Asien werden sie mittlerweile von immer mehr Menschen eingesetzt […] Ich glaube (außerdem), dass Australier für Veränderungen und Entwicklungen sehr offen sind.“ Die augenfälligen Designs können nach kurzem Abspülen mit Spülmittel und kaltem Wasser wiederverwendet werden und sind damit langfristig sparsamer als Plastik. Wenn sie das Ende ihrer Lebensspanne erreicht haben, können sie zum biologischen Abbau in den Kompost gegeben werden, statt zu den Müllbergen beizutragen.

Wiederverwendbare Produkte reduzieren den Hausmüll

Erst 2013 stellte das Australische Zentralamt für Statistik (Australian Bureau of Statistics, ABS) in einem Bericht fest, dass die Müllproduktion in Australien bei 606 Kilogramm pro Kopf lag – höher als in vergleichbaren Industrienationen wie Deutschland, England und Kanada. Zudem liegt der Prozentsatz von Hausmüll, der auf der Müllhalde landet, bei beinahe 50 Prozent und damit höher als bei kommerziellem und Industriemüll. Mit anderen Worten: Kleine Entscheidungen im Haushalt können große Auswirkungen haben.

Cheryl unterstützt den Einsatz aller Alternativen, die auf lange Haltbarkeit ausgelegt sind und den Einsatz von Plastik und Einwegprodukten ersetzen können. „Man muss gar nicht absolute Perfektion anstreben. Man kann einfach eine kleine Veränderung nach der anderen vornehmen und seinen Haushalt auf minimalen Plastikverbrauch umstellen. Ich denke dabei an Dinge wie Kaffeetassen, Sanitärartikel aus Stoff oder die Lebensmittel-Vorratshaltung [...] Dinge, die gewaschen und wiederverwendet werden können, anstatt sie nach einmaliger Benutzung wegzuwerfen.“

Wiederverwendbare Verpackungen in bunten Designs. © Wrappa Eine kurze Suche im Internet fördert starke Konkurrenz für gewachste Frischhaltetücher und andere wiederverwendbare Produkte zutage. Dazu finden sich Dutzende von Do it yourself-Artikeln und -Videos.

Cheryl ist optimistisch, was Australiens nachhaltige Zukunft angeht, und ist überzeugt, dass die Nachfrage nach wiederverwendbaren Frischhaltetüchern die Einstellung der Nation zu einem umweltbewussten Leben widerspiegelt. „Ich würde solche Produkte gerne in jedem Supermarkt im ganzen Land sehen. Wiederverwendbare Produkte müssen in den großen Ketten zur Norm werden [...] Wir sollten nach wiederverwendbaren Gegenständen greifen und nicht nach Wegwerfprodukten.“