Monolake Ein starker Drang aus dem tiefsten Inneren

Robert Henke
Robert Henke | © Andreas Gockel

Monolake – mit richtigem Namen Robert Henke – ist eine der Schlüsselfiguren der zeitgenössischen elektronischen Clubmusik in Berlin. Hinzu kommt, das Robert Henke einer der Hauptentwickler der erfolgreichen Musiksoftware Ableton Live ist, die seit 1999 die Performancepraxis elektronischer Musik weltweit revolutioniert hat. Robert Henke experimentiert unaufhörlich mit Musik, Surround Sound Konzerten, Fotografie, audio-visuellen Installationen, Klangkunst und öffentlich zugänglicher Software. Er schreibt und gibt Vorträge über Sound und den kreativen Gebrauch von Computern und hat Lehrstühle in Deutschland, den USA und Frankreich besetzt.


Du bringst Lumiere II.2 ins Melbourne Recital Centre. Erzähl uns bitte mehr darüber.

Lumiere II.2 ist eine audio-visuelle Komposition für Laser und Sound. Die Laser werden aus unterschiedlichen Perspektiven auf eine große Leinwand projiziert, zum Teil verdunkelt durch eine Nebelwand. Der Nebel macht die Lichtstrahlen in der Luft sichtbar und erweitert die Formen von der Leinwand in den ganzen Raum. Das ist eine hochsynchronisierte, ganzheitliche Erfahrung, da die Laser von hinten mit denen vorne im Raum synchronisiert werden, was kurzzeitig vage Objekte über den Zuschauern formt. Die besondere Qualität des Laserlichts kombiniert komplette Dunkelheit mit Momenten extremer Helligkeit, pures weiß mit intensiven, gesättigten Farben und präzise Bewegungen mit komplexen organischen Formen.
 

Kreativität und Produktion


Musiksoftware wie Ableton Live hat es leichter und kostengünstiger gemacht, Musik mit einem  hohen technischen Standard zu produzieren. Während einige das als Demokratisierung von Produktionsmaterialien sehen, behaupten andere, das würde zu Massenaufnahmen führen, die sich alle gleich anhören. Wie siehst du das?

Es handelt sich um das übliche Missverständnis darüber was Kreativität ausmacht. Das hat nichts mit der Schwierigkeit des Produktionsprozesses zu tun, es geht rein um die Intention und die Idee dahinter. Auf einer Gitarre ist es wesentlich leichter, eine einfache Akkordfolge zu spielen als auf einer Geige, aber niemand hindert einen Gitarrenspieler daran, fantastische Melodien zu erfinden oder komplexe Harmoniefolgen. Ein computerbasiertes Textaufbereitungsprogramm macht es leichter, einen Roman zu schreiben, aber kann natürlich nicht für schlechte Ergebnisse verantwortlich gemacht werden.

Die meisten Tools für künstlerischen Ausdruck sind nicht teuer und stehen einem Großteil der Menschen zur Verfügung. Zum Beispiel Stift und Zettel. Die Idee, dass es einer kleinen potentiell kreativen Minderheit vorbehalten wäre, elektronische Musik zu kreieren, ist eine historische Anomalie - nichts weiter. Wenn man überhaupt jemand dafür verantwortlich machen möchte, dass  Musik genauso klingt wie Millionen anderer Stücke zuvor, liegt das nicht an den Tools, sondern am Publikum.

Solange die Leute dazu tanzen und die Musik kaufen, wird sie weiter produziert. Solange sich die Leute kitschige Soap-Operas im Fernsehen anschauen, werden sie produziert. So einfach ist das. Aus der Perspektive eines Künstlers ist mir das ganz egal. Ich mache das, was ich möchte und solange es genug Leute gibt, die Interesse daran haben was ich mache, habe ich die Motivation, weiterzumachen.
 

Schlüssel zum Erfolg


Du hast an renommierten Institutionen, wie der Stanford University, unterrichtet. Gibt es eine Schlüsselbotschaft, die du Studierenden und angehenden Künstlern mit auf den Weg gibst?

Erfolgreich in der Kunst zu sein, hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab und einer davon ist ganz einfach Glück. Das heißt: zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, die richtigen Leute zu treffen und so weiter. Das wird einem allerdings erst im Nachhinein klar und ist schwer zu planen - wenn überhaupt. Der Rest ist Geduld, Durchhaltevermögen und eine hohe Frustrationstoleranz. Denn ein Großteil der Entwicklung ist das Ergebnis von überwundenen Misserfolgen und dann weiterzumachen trotz einer feindseligen Umgebung. Um das zu überleben, muss man einen starken Drang aus dem tiefsten Inneren haben, diese Dinge zu machen.

In der Kunst geht es darum, innovativ zu sein und zu versuchen, deinen eigenen – und hoffentlich neuen - Weg zu gehen. Und das finden die Leute meist befremdlich. Alles andere ist nur eine Wiederholung von dem, was es vorher schon eine Millionen Mal gab. Schlimm ist das nicht, aber es gerät sehr schnell in Vergessenheit.

Teil deiner Karriere sind internationale Performances, Musikproduktionen, audio-visuelle Installationen, deine akademische Karriere und Softwareentwicklung. Fordert dieser straffe Zeitplan Kompromisse in deinem Privatleben?

Wenn man zwischen diesem straffen Zeitplan und Privatleben einen Widerspruch sieht, wird man es als Künstler nie schaffen. Ich kann mein künstlerisches Leben nicht von dem Rest trennen und so wie bei allem im Leben geht es darum, die richtigen Leute zu finden und Kompromisse einzugehen um das zu erreichen, was man erreichen will.

Das Schlüsselthema ist dasselbe wie für jeden, der selbstständig ist: der Einzige, der entscheiden kann, ob ein Job wichtig genug ist, um dafür auf einen geplanten Urlaub zu verzichten, bin ich. Und wenn ich drei Jobangebote auf einmal bekomme, dann muss ich entscheiden, welches davon das Beste ist. Das ist Teil des Spiels. Die meisten Künstler die ich kenne, werden ganz von ihrer Arbeit in Anspruch genommen. Es ist eine Herausforderung unter diesen Umständen sein soziales Netzwerk aufrechtzuerhalten, aber ich glaube mir gelingt das soweit ganz gut.

Du wohnst in Berlin. Vieles deiner Arbeit scheint entweder studiobasiert zu sein oder verbunden mit Reisen. Könntest du dieselbe Arbeit in einer anderen Stadt machen oder hast du das Gefühl, dass du speziell diese eine Stadt um dich haben musst?

Theoretisch könnte ich die meiste meiner Arbeit von überall aus machen aber es gibt einige praktische Gründe die mich in Berlin halten, obwohl ich nicht sagen würde, dass es meine Traumstadt ist. In den 1990ern war es sehr wichtig in Berlin zu sein, da die Umgebung viele meiner Ideen prägte. Ich war Teil einer aufstrebenden Künstlergruppe, die ganz neue Genres definiert hat, das war großartig und etwas Besonderes. Jetzt brauche ich diesen Input aber nicht mehr, ich könnte also überall arbeiten. Aber natürlich habe ich viele wichtige persönliche Beziehungen und eine schöne, bezahlbare Wohnung. Und das ist auch wichtig.




Monolake/Robert Henke

Robert Henke ist Elektromusik-Pionier, Akademiker und Ableton Live Software-Entwickler. Lumiere II.2 ist eine audio-visuelle Komposition mit Laser und Sound, während Monolake moderne Technomusik ist.