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„Sozialer Brennpunkt“, „Ghetto“, „No-Go-Area“ – bestimmte Stadtteile gelten als „Problemviertel“. Aber wie kommt es überhaupt dazu und wie gehen die Bürgerinnen und Bürger damit um?

Am Beispiel ausgewählter Stadtviertel in Belgien, Deutschland, Frankreich und Italien zeigen wir Ursachen und Prozesse der Stigmatisierung von urbanen Räumen sowie Initiativen für ein besseres Zusammenleben.

WIESO NO-GO?

Wie kommt es dazu, dass bestimmte Stadtviertel den Ruf einer „No-Go-Area“ erhalten? Spielen neben sozialen, wirtschaftlichen und strukturellen Ursachen auch die Medien eine Rolle?

Was sagen die Zahlen?

Zahlen und Statistiken können das Leben in seiner Vielfalt niemals abbilden. Dennoch bieten sie einen Anhaltspunkt dazu, die Realität besser einschätzen zu können. Von diesem Gedanken ausgehend haben wir uns entschieden, die Stadtviertel des No-Go-Dossiers – in ihrer ganzen Unterschiedlichkeit – anhand ein paar ausgewählten Eckdaten vorzustellen.

Wo liegt das Viertel, wie viele Menschen leben dort, woher kommen sie, wie jung sind sie? Die Zahlen fallen oft anders aus, als erwartet. Noch mehr aber überraschen ein paar Fakten ganz anderer Art – testen Sie Ihr Wissen!
 

WAS DENKEN DIE MENSCHEN?

Wie sehen die Bewohner selbst ihr Stadtviertel? Welchen Einfluss hat das negative Image des Stadtteils auf ihr Leben?

„Ein Samstagmorgen in Molenbeek“

Samstagmorgen ist Markt in Molenbeek. Hier treffen sich Bewohner, Zugezogene und Besucher. Unsere Fotografin lichtete sie beim Einkaufen ab und kam mit ihnen ins Gespräch.

  • <b>Rachid & seine Familie</b><br><br> „Wir machen hier Urlaub und besuchen gerade den molenbeeker Markt. Wir kommen aus Marokko und wohnen in der Nähe der algerischen Grenze. Wir bleiben zehn Tage in Belgien und übernachten bei Verwandten. Wir finden es hier ganz nett, und es gibt auch viele andere Marokkaner. Scheinbar bestehen gegenüber diesem Stadtviertel sehr viele Vorurteile, aber wir haben eigentlich einen guten Eindruck. Das Viertel ist belebt, und die Leute sind freundlich. Wir werden deshalb unseren Aufenthalt hier sicher genießen.“ Foto: © Raisa Vandamme
    Rachid & seine Familie

    „Wir machen hier Urlaub und besuchen gerade den molenbeeker Markt. Wir kommen aus Marokko und wohnen in der Nähe der algerischen Grenze. Wir bleiben zehn Tage in Belgien und übernachten bei Verwandten. Wir finden es hier ganz nett, und es gibt auch viele andere Marokkaner. Scheinbar bestehen gegenüber diesem Stadtviertel sehr viele Vorurteile, aber wir haben eigentlich einen guten Eindruck. Das Viertel ist belebt, und die Leute sind freundlich. Wir werden deshalb unseren Aufenthalt hier sicher genießen.“
  • „Ich bin vor zwei Jahren nach Brüssel gezogen, weil ich etwas geerbt habe. Meine Kinder sind mittlerweile selbstständig, sie werden aber auch in Brüssel bleiben. Der Vorteil, hier zu wohnen, ist, dass es viel zu tun gibt und viele Geschäfte ganz in der Nähe sind. Es herrscht eine lebendige Atmosphäre. Trotzdem bin ich mir noch nicht ganz sicher, ob ich hier bleiben möchte.“ Foto: © Raisa Vandamme
    „Ich bin vor zwei Jahren nach Brüssel gezogen, weil ich etwas geerbt habe. Meine Kinder sind mittlerweile selbstständig, sie werden aber auch in Brüssel bleiben. Der Vorteil, hier zu wohnen, ist, dass es viel zu tun gibt und viele Geschäfte ganz in der Nähe sind. Es herrscht eine lebendige Atmosphäre. Trotzdem bin ich mir noch nicht ganz sicher, ob ich hier bleiben möchte.“
  • Omar & Otman: „Als in Brüssel die Anschläge passierten, hatten wir alle Angst. Wir wissen auch nicht, wie die Leute auf solche Ideen kommen. Unsere Verwandten in Marokko waren damals ziemlich beunruhigt und riefen uns an, um zu hören, ob bei uns alles in Ordnung war. Hier im Stadtviertel konnte man eine allgemeine Angst verspüren. Frustrierend ist, dass die Wirklichkeit nicht dem entspricht, was im Fernsehen gezeigt wird. Viele haben von Molenbeek oder von Brüssel allgemein ein falsches Bild. Aber das sind Leute, die das Viertel und die Stadt  nicht kennen und ein bisschen zurückgezogen in ihrer eigenen kleinen Welt leben. In unserer Hauptstadt sehen wir diese Engstirnigkeit glücklicherweise nur selten, und wir selbst waren noch nie Rassismus ausgesetzt. Hier kommen Leute aus der ganzen Welt zusammen, die miteinander leben.“ Foto: © Raisa Vandamme
    Omar & Otman: „Als in Brüssel die Anschläge passierten, hatten wir alle Angst. Wir wissen auch nicht, wie die Leute auf solche Ideen kommen. Unsere Verwandten in Marokko waren damals ziemlich beunruhigt und riefen uns an, um zu hören, ob bei uns alles in Ordnung war. Hier im Stadtviertel konnte man eine allgemeine Angst verspüren. Frustrierend ist, dass die Wirklichkeit nicht dem entspricht, was im Fernsehen gezeigt wird. Viele haben von Molenbeek oder von Brüssel allgemein ein falsches Bild. Aber das sind Leute, die das Viertel und die Stadt nicht kennen und ein bisschen zurückgezogen in ihrer eigenen kleinen Welt leben. In unserer Hauptstadt sehen wir diese Engstirnigkeit glücklicherweise nur selten, und wir selbst waren noch nie Rassismus ausgesetzt. Hier kommen Leute aus der ganzen Welt zusammen, die miteinander leben.“
  • „Ich gehe immer auf dem molenbeeker Markt einkaufen. Das Molenbeek von heute ist nicht mehr so, wie ich es einmal gekannt habe. Ich bin hier aufgewachsen und habe gesehen, wie sich der Stadtteil verändert hat, aber nicht immer zum Guten. Die Menschen, die hier zu meiner Zeit wohnten, sind alle weggezogen. Stattdessen haben sich hier viele Ausländer niedergelassen. Ich finde, dass die Politik und die Polizei hier in denen letzten Jahren zu wenig getan haben. Sie haben das Stadtviertel jahrelang verkommen lassen, und gegen die Kriminalität wird auch nichts getan. Man hat in vielerlei Hinsicht viel zu lang nicht eingegriffen. Ich hoffe, dass das jetzt ein bisschen besser wird.“ Foto: © Raisa Vandamme
    „Ich gehe immer auf dem molenbeeker Markt einkaufen. Das Molenbeek von heute ist nicht mehr so, wie ich es einmal gekannt habe. Ich bin hier aufgewachsen und habe gesehen, wie sich der Stadtteil verändert hat, aber nicht immer zum Guten. Die Menschen, die hier zu meiner Zeit wohnten, sind alle weggezogen. Stattdessen haben sich hier viele Ausländer niedergelassen. Ich finde, dass die Politik und die Polizei hier in denen letzten Jahren zu wenig getan haben. Sie haben das Stadtviertel jahrelang verkommen lassen, und gegen die Kriminalität wird auch nichts getan. Man hat in vielerlei Hinsicht viel zu lang nicht eingegriffen. Ich hoffe, dass das jetzt ein bisschen besser wird.“
  • „Ich gehe hier in Molenbeek gerade einkaufen. Ich wohne schon seit vielen Jahren hier und habe gesehen, wie sich der Stadtteil zum Guten verändert hat. Ich bin hierher gezogen, nachdem ich meinen Mann verloren habe. Doch fühle ich mich hier alleine sehr wohl. Vorher habe ich in Saint-Gilles gewohnt. Dort ist es sauber und schick, aber es herrscht nicht die gleiche Atmosphäre wie in Molenbeek. Ich kenne viele, die Angst haben, hierher zu kommen, auch einige meiner Bekannten. Wenn sie hier sind, laufen sie misstrauisch herum und klemmen ihre Handtasche fest unter den Arm. Ich selbst habe damit noch nie Probleme gehabt. Es ist noch gar nicht so lange her, da habe ich hier auf dem Markt meinen Geldbeutel liegenlassen. Sofort hat mir jemand hinterhergerufen und mir das Geld gebracht. Ich bin hier wirklich lieber draußen als drinnen, das ist mein Zuhause.“ Foto: © Raisa Vandamme
    „Ich gehe hier in Molenbeek gerade einkaufen. Ich wohne schon seit vielen Jahren hier und habe gesehen, wie sich der Stadtteil zum Guten verändert hat. Ich bin hierher gezogen, nachdem ich meinen Mann verloren habe. Doch fühle ich mich hier alleine sehr wohl. Vorher habe ich in Saint-Gilles gewohnt. Dort ist es sauber und schick, aber es herrscht nicht die gleiche Atmosphäre wie in Molenbeek. Ich kenne viele, die Angst haben, hierher zu kommen, auch einige meiner Bekannten. Wenn sie hier sind, laufen sie misstrauisch herum und klemmen ihre Handtasche fest unter den Arm. Ich selbst habe damit noch nie Probleme gehabt. Es ist noch gar nicht so lange her, da habe ich hier auf dem Markt meinen Geldbeutel liegenlassen. Sofort hat mir jemand hinterhergerufen und mir das Geld gebracht. Ich bin hier wirklich lieber draußen als drinnen, das ist mein Zuhause.“
  • Ximena & ihr Sohn: „Wir kommen ursprünglich aus Chile. Ich wohne zurzeit in Barcelona, mein Sohn und sein Vater leben jedoch in Berlin. Wir sind jetzt zwei Tage in Brüssel. Wir haben die Innenstadt und die schönen historischen Sehenswürdigkeiten gesehen. Übernachten wollten wir jedoch in einem airbnb in Molenbeek. Wir haben bei einer muslimischen Familie gewohnt, mit der wir sehr interessante Gespräche über Themen wie zum Beispiel den Glauben geführt haben. Es war interessant, hier zu wohnen. Wir haben in den Zeitungen viel Negatives über Molenbeek gelesen, aber wir selbst fühlen uns hier wohl. Hier bekommt man eine andere, nicht so typische Seite der Stadt zu sehen.“ Foto: © Raisa Vandamme
    Ximena & ihr Sohn: „Wir kommen ursprünglich aus Chile. Ich wohne zurzeit in Barcelona, mein Sohn und sein Vater leben jedoch in Berlin. Wir sind jetzt zwei Tage in Brüssel. Wir haben die Innenstadt und die schönen historischen Sehenswürdigkeiten gesehen. Übernachten wollten wir jedoch in einem airbnb in Molenbeek. Wir haben bei einer muslimischen Familie gewohnt, mit der wir sehr interessante Gespräche über Themen wie zum Beispiel den Glauben geführt haben. Es war interessant, hier zu wohnen. Wir haben in den Zeitungen viel Negatives über Molenbeek gelesen, aber wir selbst fühlen uns hier wohl. Hier bekommt man eine andere, nicht so typische Seite der Stadt zu sehen.“
  • Tinne: „Ich wohne an der Grenze zwischen Molenbeek und der Innenstadt, nicht weit vom Klein Kasteeltje. Das Stadtviertel ist interessant, und ich mag die verschiedenen Kulturen und die Offenheit. Auch wenn es nicht immer leicht ist, mit anderen in Kontakt zu kommen. Ich merke, dass in meinem Stadtviertel immer bestimmte Gruppen zusammenhocken, wie zum Beispiel die Flamen in den Künstlercafés. Auf der anderen Seite kaufen sie dann aber ihre Oliven immer an marokkanischen Ständen. Unter dem Fenster meiner Wohnung sitzt jeden Tag eine Gruppe Afrikaner, die ich mittlerweile gut kenne. Es wohnen viele verschiedene Menschen hier, was ich schön finde, und die vermischen sich auch, auch wenn es noch besser sein könnte. Nach den Anschlägen bin ich beim Aktionsmarsch ‚Molenbeek gibt Licht‘ mitgelaufen. Nach den Ereignissen war es hier auffallend still. Kein Verkehr und kein Lärm – es war wie ausgestorben. Und ich fand auch, dass die Leute netter miteinander umgingen. Aber das war vielleicht nur ein Eindruck. Viele soziale Organisationen richten plötzlich ihre Aufmerksamkeit auf Molenbeek. Das ist gut, aber auch doppeldeutig. Ich hoffe, dass diese Unterstützung auch langfristig bleibt.“ Foto: © Raisa Vandamme
    Tinne: „Ich wohne an der Grenze zwischen Molenbeek und der Innenstadt, nicht weit vom Klein Kasteeltje. Das Stadtviertel ist interessant, und ich mag die verschiedenen Kulturen und die Offenheit. Auch wenn es nicht immer leicht ist, mit anderen in Kontakt zu kommen. Ich merke, dass in meinem Stadtviertel immer bestimmte Gruppen zusammenhocken, wie zum Beispiel die Flamen in den Künstlercafés. Auf der anderen Seite kaufen sie dann aber ihre Oliven immer an marokkanischen Ständen. Unter dem Fenster meiner Wohnung sitzt jeden Tag eine Gruppe Afrikaner, die ich mittlerweile gut kenne. Es wohnen viele verschiedene Menschen hier, was ich schön finde, und die vermischen sich auch, auch wenn es noch besser sein könnte. Nach den Anschlägen bin ich beim Aktionsmarsch ‚Molenbeek gibt Licht‘ mitgelaufen. Nach den Ereignissen war es hier auffallend still. Kein Verkehr und kein Lärm – es war wie ausgestorben. Und ich fand auch, dass die Leute netter miteinander umgingen. Aber das war vielleicht nur ein Eindruck. Viele soziale Organisationen richten plötzlich ihre Aufmerksamkeit auf Molenbeek. Das ist gut, aber auch doppeldeutig. Ich hoffe, dass diese Unterstützung auch langfristig bleibt.“

Wie geht es weiter?

Welche lokalen und nationalen Initiativen gibt es, um das Leben in den betroffenen Stadtvierteln zu verbessern? Wie kann die Entstehung von Problemvierteln vermieden werden?