Ich bin ein Goethe-Talent
Das ist meine Story

Jean-François Gineste Foto: Privat

Jean-François Gineste

Muttersprache: Französisch
Mein Goethe-Institut: Goethe-Institut Toulouse
Kurs-Niveau: C1
Mein Beruf: Ingenieur
Mein liebstes deutsches Berufswort: Gemütlichkeit


So hat mir Deutsch im Beruf geholfen:

Als ich mich 1999 dazu entschied, Deutsch im „Collège“ zu lernen, war es hauptsächlich, um zu vermeiden, mich in einer Klasse auf schwachem Niveau zu befinden (das ist ein unter allen französischen Müttern bekannter Trick: damit sein Kind in die beste Klasse geht, muss man es Deutsch als 1. Fremdsprache und danach Latein „wählen lassen“). Leider stammte meine Lehrerin aus Dresden und sprach also mit einem seeeehr starken sächsischen Akzent, was uns nicht half, sie zu verstehen. Und da es der zehnte Geburtstag des Falls der Berliner Mauer (die „Wende“) war, hatten wir das ganze Jahr damit verbracht, über DDR, über Stasi und über Vopo und über das Leben in Ostdeutschland zu sprechen, welches sie als „Ossi“ sehr gut gekannt hatte. So war es für den Großteil meiner Zeit auf dem Gymnasium. Am Ende des Gymnasiums war ich also fähig, während mehrerer Stunden über das ostdeutsche politische System oder über die Müllsortierung zu sprechen, aber ich war unfähig mich vorzustellen und ich ignorierte Wörter wie "Gabel" oder "Schreibtisch". Glücklicherweise war die DDR das Thema des Abiturs meines Jahres. Ich hatte also den bestmöglichen Abschluss, obwohl ich total unfähig war, ein einfaches Gespräch auf Deutsch zu haben! Ich habe danach das Wenige, das ich kannte extrem schnell vergessen. Dies heißt im Klartext, dass meine erste Begegnung mit der Sprache von Goethe eine wenig angenehme Erinnerung hinterlassen hatte! Acht Jahre später wurde mir eine sehr interessante 2-Jahresstelle bei Airbus Helicopters in Bayern vorgeschlagen. Ich hatte noch ein schlechtes Bild des Landes und seiner Bewohner und sehr schlechte Erinnerungen an meine Deutschkurse mit meiner sächsischen Lehrerin! Aber da die vorgeschlagene Arbeit sehr interessant war, habe ich das Angebot angenommen. Nach nur eigenen Wochen waren meine Vorurteile schon verschwunden! Ich habe ein Land, eine Kultur, eine Geschichte und Traditionen entdeckt, die ich sehr gern habe. Die Atmosphäre eines Biergartens in München, die Schönheit von Hamburg und von Dresden, der Kulturreichtum von Berlin… es ist mir ein Vergnügen, die Vielfalt von Deutschland zu entdecken. Wennschon, dennschon: ich habe also die Entscheidung getroffen, Deutsch zu lernen, um mich völlig zu integrieren. Zuerst mit deutschen Freunden, aber die Sprache, die ich lernte, war zu umgänglich und dialektisch. Das gab ja kein sehr professionelles Bild ab, Bayrisch oder Schwäbisch in einem internationalen Unternehmen zu sprechen! Ich habe also angefangen, Deutschkursen im Goethe-Institut zu folgen und mein Niveau hat sich erheblich verbessert. Meine deutschen Kollegen haben diese Anstrengung viel geschätzt und ich habe schnell mehr  Verantwortlichkeiten im Rahmen meiner Arbeit erhalten, indem die anderen Franzosen bei Airbus Helicopters darauf beharrten, sich in Englisch zu unterhalten. Ich habe heute ein B2 Niveau erreicht und ich bin seitdem aus persönlichen Gründen nach Frankreich zurückgekehrt, aber ich folge weiter C1 Deutschkursen beim Goethe-Institut, in der Hoffnung fließend deutsch sprechen zu können und weil ich in der Zukunft gerne noch einmal in Deutschland arbeiten würde.