Filmserie Filmemigration aus Nazideutschland

Günter Peter Straschek, Carlos Bustamante & Johannes Beringer am Set von "Labriola" Foto (Detail) © Michael Biron

Mi, 01.06.2022 -
So, 26.06.2022

CINEMATEK

Günter Peter Straschek

Günter Peter Straschek, geboren 1942 in Graz, war einer jener kritischen und rebellischen Geister, die sich nicht mit dem Konformismus der österreichischen Nachkriegsordnung abfinden wollten. Also der Verdrängung dessen, was gerade geschehen war, der Umkehrung sogar der Täter- zur Opfer-Perspektive. Das Personal in Schule, Gesellschaft und Staat war schliesslich überwiegend noch dasselbe wie zu Nazi-Zeiten. Nach einem Trip durch den Balkan und Nahost, mit einem Aufenthalt in Israel, landete Straschek 1963 in Westberlin und wurde 1966 als Student an die neu gegründete Film- und Fernsehakademie aufgenommen. Befreundet mit Jean-Marie Straub und Danièle Huillet – er hatte 1965 „Nicht versöhnt“ gesehen und darüber geschrieben –, gehörte er zu jenen sozialistisch und marxistisch orientierten Studenten, die andere filmische und gesellschaftliche Ansätze ausprobierten, also schnell Anstoss erregten und 1968 vom regulären Akademiebetrieb relegiert wurden.

Eine frühe Präokkupation von Straschek war – mit Blick auf die Filmgeschichte –, wie es jenen Filmleuten, jüdischen und nichtjüdischen, ergangen sein mochte, die von den Nationalsozialisten verfolgt und ins Exil getrieben worden waren. Seine (letztlich lebenslange) Recherche war daraufhin angelegt, jeden und jede lebensgeschichtlich zu erfassen, der oder die mit Film zu tun hatte, gleichviel ob berühmt oder unberühmt. Es entstand so ein erster ‚Filmemigrationsfundus’, der als Basis dienen konnte für die 1973-1975 gedrehte fünfteilige Serie „Filmemigration aus Nazideutschland“ (in der Redaktion von Werner Dütsch vom Westdeutschen Rundfunk, Köln) – Strascheks letzter Filmarbeit überhaupt und über Jahrzehnte im TV-Archiv verschollen.

Ein einzigartiges Dokument – und zwar auch formal und ästhetisch, weil hier ein ‚Kinomensch’ mit Kamera und Ton gegen alle Fernsehgewohnheiten umgeht, indem er feste Einstellungen und Plansequenzen herstellt. Ein Verfahren, das einnimmt und fasziniert – wird hier doch nichts durch ‚Zwischenschnitte’ kaschiert: die über 80 Interviewten in aller Welt offenbaren durch ihre physische Anwesenheit und die Art ihres Redens (etwa ihrer Ferne vom deutschen Sprachausdruck) in jedem Augenblick ihr Sosein und Dasein – geben dem, was ihnen zugestossen ist und was sie erlebt haben, beredten Ausdruck.    

Johannes Beringer

 

Filmserie

Filme aus der Filmemigration

  • A Foreign Affair (by Billy Wilder), 1948 I  01.06 / 02.06
  • Der Kongress tanzt (by Erik Charell), 1931 I 04.06 / 07.06
  • To Be or Not to Be (by Ernst Lubitsch), 1942 I 05.06
  • Kuhle Wampe (by Slatan Dudow), 1932 I 06.06 / 09.06
  • Dans les Rues (by Victor Trivas), 1933 I  09.06 / 12.06
  • Confessions of a Nazi Spy (by Anatole Litvak), 1939 I 13.06 / 16.06
  • Hangmen Also Die! (by Fritz Lang), 1943 I 16.06 / 19.06
  • Man Hunt (by Fritz Lang), 1941 I 18.06
  • Hitler's Madman (by Douglas Sirk), 1943 I 20.06 / 24.06
  • Die Vier im Jeep (by Leopold Lindtberg), 1951 I 21.06
  • Berlin Express (by Jacques Tourneur), 1948 I 21.06 / 26.06
  • Die letzte Chance (by Leopold Lindtberg), 1945 I 22.06 / 23.06
  • Tarnished Angels (by Douglas Sirk), 1957 I 23.06 / 26.06
  • Der Verlorene (by Peter Lorre), 1951 I 25.06

 

Günter Peter Straschek: Filmemigration aus Nazideutschland 
 
  • Filmemigration aus Nazideutschland I (1975), 58' I 05.06 / 08.06
  • Filmemigration aus Nazideutschland II (1975), 116' I 12.06 / 15.06
  • Filmemigration aus Nazideutschland III (1975), 113' I 17.06 / 19.06
Ein Projekt des Goethe-Institut Brüssel und der Cinematek in Zusammenarbeit mit Sabzian.

Mit Dank an Maren Hobein, Julia Friedrich, Stefan Ripplinger und Karin Rausch.


 

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