Filmreihe Sohrab Shahid Saless

Sohrab Shahid Saless Sohrab Shahid Saless © CINEMATEK

Mo, 05.06.2017 -
So, 02.07.2017

Cinematek

Rue Baron Horta - Baron Hortastraat 9
1000 Brüssel

Sohrab Shahid Saless (1944–1998) ist ein zu Unrecht vergessener Meister der Filmkunst. Wir ehren ihn mit zwei im Iran entstanden Glanzstücken und einer Auslese an Filmen, die in Deutschland entstanden sind.
 

Sohrab Shahid Saless Filmographie erstreckt sich über einen Zeitraum von zwanzig Jahren. Nachdem Saless im Iran mehrere Kurzfilme und zwei Spielfilme gedreht hatte (u.a. Stilleben, 1974 in Berlin prämiert) und die Produktion seines dritten Spielfilms von den Behörden blockiert worden war, ging Saless ins Exil in die Bundesrepublik Deutschland, wo er fünf Kino- und acht Fernsehfilme drehte. Dabei stieß er allerdings zunehmens auf finanzielle Hürden – auch in Deutschland wurde seine Arbeit als dissident empfunden. 

A Simple Event (Shahid Saless) Shahid Saless konnte zeit seines Lebens nicht von der internationalen Anerkennung des iranischen Films profitieren und ebensowenig gehörte er direkt der Bewegung des Neuen Deutschen Films an. Obwohl er eine der großen Figuren des modernen iranischen Kinos ist (so sollte er z.B. einen starken Einfluss auf Abbas Kiarostami haben) und trotz mehrerer Preise in Teheran, Berlin und Chicago, war Saless sein Leben lang ein Außenseiter, ein bewusst von Produzenten und Fernsehanstalten Marginalisierter.
 
Saless Kunst hat zwei Wurzeln, die persische Kultur auf der einen und eine extreme Weltoffenheit auf der anderen Seite. So studierte er Film in Wien und Paris, verteidigte Kino als internationale Kunstform und zitierte immer wieder Anton Tschechow als wichtige Inspirationsquelle. Sein Oeuvre ist zugleich kritisch und poetisch, wobei die Poesie seiner Filme keineswegs als „Verhübschung“ der Realität oder platte Selbstdarstellung zu verstehen ist. Sie zeichnet sich vielmehr durch einen ungemeinen Sinn für's Detail und durch die Ambition aus, das menschliche Leben in aller Bewusstheit darzustellen. Indem Saless schonungslos unser Dasein analysiert, bringt er Heuchelei, Widersprüche und alltägliche Gewalt ans Licht. Wenn er den Dingen auf den Grund geht, spielt immer auch Ethik mit. Seine sorgfältige Sachlichkeit verbietet den Gebrauch der Handkamera und jedweden Voyeurismus. Eine gewisse Härte des Stils stößt hier auf den Willen, präzise zu dokumentieren; ein respektvoller Abstand zu den Figuren trifft auf feine Empathie. Saless Kino ist unglaublich kraftvoll und dabei zugleich intensiv und schlicht. Kurz gesagt: essenziell.

 
 

Programm

05.06 - 19:00
„A Simple Event“ (Yek ettefaq-e sada, Iran, 1974, 80', OV Farsi - UT EN)
+ Einführung auf Französisch von den Kuratoren Stefanie Bodien (Brüssel) und Dario Marchiori (Lyon)

10.06 - 17:00
„Still Life“ (Tabi at-e bijan, Iran, 1974, 94', OV Farsi - UT FR)
+ Einführung auf Englisch von Vivien Kristin Buchhorn (Berlin), Expertin zu Sohrab Shahid Saless

11.06 - 17:00
„In der Fremde“ (Dar gorbat, Iran/BRD, 1975,  91' OV DE - UT FR/NL)
+ Einführung auf Englisch von Nikolaus Perneczky (London), Filmforscher und -kritiker

18.06 - 19:15
„Utopia“ (BRD, 1982, 194', OV DE - UT FR/NL)

20.06 - 19:00
„Reifezeit“ (BRD, 1976, 111', OV DE - UT EN)

25.06 - 15:00
„Ordnung“ (BRD, 1979-1980, 103', OV DE - UT FR)

28.06 - 20:00
„Der Weidenbaum“ (BRD/Tschechoslowakei, 1984, 90', OV DE)

02.07 - 20:00
„Hans – Ein Junge in Deutschland“ (BRD/Frankreich/Tschechoslowakei, 1985, 149', OV DE)

Infos zu den Filmen (FR)
Infos zu den Filmen (NL) 

Der Weidenbaum (Shahid Saless) Eine im Auftrag des Goethe-Instituts Brüssel von Stefanie Bodien und Dario Marchiori zusammengestellte Filmreihe. In Zusammenarbeit mit CINEMATEK.


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