Lecture Performance Slavs and Tatars: I Utter Other

I Utter Other © Slavs and Tartars

Di, 23.10.2018

ThalieLab

Rue Buchholtz 15
1050 Brüssel

I Utter Other

Perruche Situation #3

Was bedeutet es für einen Osten in und auf einen anderen zu blicken? Kann das bereits Romantisierte selbst romantisieren? Von Polen im Dienste des Zaren zu persischen Presbyterianern wird mit der Lecture-Performance „I Utter Other“ auf die kuriose Angelegenheit des Slawischen Orientalismus’ im Russischen Zarenreich und der frühen Sowjetunion geblickt. Slawischer Orientalismus bietet einen wesentlichen Kontrapunkt, wenn nicht einen Vorläufer zum anerkannten und gelehrten Orientalismus-Begriff von Edward Said. Jenseits eines grundlegenden Wandels vom Zarismus zum Bolschewismus hat die Studie über den Osten im Osten die Vorstellungen von Identitätspolitik und Wissen im Dienste der Macht verkompliziert, insofern als sie eine kohärente, postkoloniale Kritik knapp sechzig Jahre vor ihrer Zeit eröffnet.

Mit Slavs and Tatars lädt das Goethe-Institut Belgien ein Künstlerkollektiv ein, das seit seinen Anfängen 2006 ein feines Gespür für virulente gesellschaftliche Themen beweist. Ihre Ausstellungen, Publikationen und Lecture Performances speisen sich aus popkulturellen Stilmitteln, mündlichen Überlieferungen, modernen Mythen und streng wissenschaftlicher Analyse. Im Zentrum ihres Interesses steht das geografische Gebiet »Eurasien«, das eine Vielzahl unterschiedlicher Ethnien, Sprachen und Kulturen umfasst und von ihnen eher unorthodox als Areal »östlich der Berliner Mauer und westlich der Chinesischen Mauer gelegen« definiert wird. Der Fokus liegt dabei auf den Beziehungen zwischen Wissenschaft, Religion, Macht, Sprache und Identitäten.
 
Seit 2011 wurden die Werke von Slavs and Tatars in Einzelausstellungen weit über den Globus verteilt vorgestellt, u. a. im Museum of Modern Art, NY; Salt, Istanbul; Vienna Secession, Kunsthalle Zürich, Albertinum Dresden and Ujazdowski Centre for Contemporary Art Warsaw. Zuletzt erschien ihr Buch Wripped Scripped (Hatje Cantz, 2018) über die Politik des Alphabets und der Übersetzung.

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