Unzivilgesellschaft - künstlerische Strategien / Film

Der Zweite Anschlag © PRSPCTV Productions

Do, 27.05.2021

goethe.de/youtube

Digitales Künstler*innengespräch mit Mala Reinhardt und Bence Fliegauf

Digitales Künstler*innengespräch mit Mala Reinhardt (D) und Bence Fliegauf (HU), moderiert von Matthias Dell
 
Für unser drittes Künstler*innengespräch haben wir zwei Regisseur*innen eingeladen, die sich in ihren Filmen mit rechtem Terror beschäftigen: Die eine in dokumentarischen Formen, der andere mit den Mitteln der Fiktion.

Für ihren Film Der zweite Anschlag hat Mala Reinhardt mit Opfern rassistischen Terrors in Deutschland und deren Angehörigen gesprochen. Sie lässt diese im Film ausgiebig zu Wort kommen und rückt damit eine Perspektive in Vordergrund, die in der medialen Aufarbeitung oftmals nur eine Nebenrolle spielt. Der Film zeigt auch Strategien Instrumente ihrer Vernetzung und Selbstorganisation, wie etwa das Tribunal NSU-Komplex auflösen, das 2017 in Köln stattfand.

Bence Fliegauf wählte eine neonazistische Mordserie an Roma in den Jahren 2008/09 in Ungarn als Ausgangspunkt für seinen Film Csak a szél (Nur der Wind). Der Film zeichnet den prekären Alltag einer ungarischen Roma-Familie nach. Detailliert zeigt er einen Tag in ihrem Leben, der beherrscht wird von einem Ereignis vom Vortag: Dem Mord an ihrer Nachbarsfamilie durch eine rechtsextreme paramilitärische Gruppe.

Mala Reinhardt und Bence Fliegauf werden ihre Ansätze vorstellen und darüber diskutieren, welche filmischen Formen adäquat sind, um sich einem Thema wie rechtsextremen Terror zu nähern.

Zusätzlich zu der Diskussion wird ab dem 25.05.2021 auf der VOD-Plattform des Goethe-Instituts ein Streaming des  Films:
Der zweite Anschlag (Mala Reinhardt, 2018)
angeboten.

 

Zu den Gästen:

Mala Reinhardt, 1989 in Wiesbaden geboren, studiert Regie an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf in Potsdam. Zuvor studierte sie Ethnologie in Köln, Neu Delhi und Kampala. Sie arbeitet als Regisseurin und Produzentin von Dokumentarfilmen. Ihre filmische Arbeit hat einen starken Fokus auf unerzählte Narrative und Gegenerzählungen zu öffentlichen Diskursen aus einer migrantischen und feministischen Perspektive. Ihr Dokumentarfilm DER ZWEITE ANSCHLAG, ein freies Projekt über rechte Gewalt in Deutschland, feierte 2018 auf der DOK Leipzig im Deutschen Wettbewerb Premiere.
 
Bence Fliegauf
ist Autor, Regisseur, Produktionsdesigner und Sounddesigner und lebt zwischen Budapest und Berlin. Geboren 1974, drehte er 2003 seinen Debütspielfilm FOREST. Der Film wurde für die Internationalen Filmfestspiele Berlin ausgewählt, wo er den Wolfgang Staudte Preis gewann. Sein zweiter Spielfilm THE DEALER (2004) wurde ebenfalls für Berlin ausgewählt und gewann den Berliner Zeitung-Publikumspreis. Sein dritter Film THE MILKY WAY (2007) gewann den Goldenen Leoparden, den Hauptpreis des Internationalen Filmfestivals Locarno. Sein fünfter Film JUST THE WIND (2012) spielte im Wettbewerb in Berlin und gewann den Großen Preis der Jury, den Amnesty International Film Prix und den Friedensfilmpreis. Sein jüngster Film FOREST-I SEE YOU EVERYWHERE (2021) feierte in Berlin Premiere und gewann den Silbernen Bären für die beste Nebendarstellerin.

Matthias Dell arbeitet als Film-, Medien- und Theaterkritiker, ist freier Mitarbeiter beim Deutschlandradio, Zeit-Online, Cargo, epd Film, Spiegel.de, FAS. Buchveröffentlichungen: "'Herrlich inkorrekt'. Die Thiel-Boerne-Tatorte" (2012), "Über Thomas Heise" (2014), "Duisburg –Düsterburg. Werner Ruzicka im Gespräch" (2018).

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