Slam’heures Contest Slam-Plattform in Burkina Faso

Jeden letzten Freitag im Monat treffen sich Poetry Slammer zum „Slam’heures Contest“ im Goethe-Institut. „Slam’heures Contest“ ist vor allem eine Plattform für Slammer in Burkina Fasos: Sie präsentieren ihre Texte, tauschen sich mit anderen Slammern aus und messen sich mit ihnen. In ihrem Slam äußern sie, was sie bewegt. Sie amüsieren und unterhalten das Publikum, aber üben ebenso Kritik an politischen und sozialen Missständen.

Seit Ende November trifft sich an jedem letzten Freitag im Monat die Poetry Slam Szene Ouagadougous zum Slam‘heures Contest im Goethe-Institut. An einem Abend treten sieben Poetry Slammer gegeneinander an und tragen in einer Zeit von fünf Minuten ihre Texte dem Publikum vor. Dem Publikum kommt dabei eine besondere Rolle zu: Sie wählen am Ende des Abends ihren Favoriten. Der Gewinner wird am darauf folgenden Slam‘heures Contest seinen Titel verteidigen. Für die Texte der Slammer gibt es keine inhaltlichen Vorgaben. Sie können poetisch, amüsant und lustig, aber auch politisch und sozialkritisch sein: „Es ist eine freie Meinungsäußerung. Dies erlaubt also allen Slammer zu sagen, was sie denken und was sie fühlen, ohne Tabu und ohne Barriere. Vieles kann das Gewissen anstoßen und die Jugend zu einem anständigen Verhalten auffordern.“ (Malika la slameuse, Gewinnerin des Wettbewerbs „Je slam pour ma patrie“ 2014). „Slam macht es möglich sein Innerstes nach außen zu kehren.“

Das Interesse am Slam ist nicht auf ein bestimmtes Alter begrenzt. Ursprünglich, so Mitorganisator und Slammer Ombr Blanch, interessierte dieses Genre eher Jugendlichen, doch heute finden Slam-Veranstaltungen ein generationsübergreifendes Publikum. „Es ist eine geschickte Kunst, die alle Generationen vereinigt.“

Der Slam’heures Contest stellt in erster Linie eine regelmäßige Plattform dar, bei der sich die unterschiedlichsten Poetry Slammer präsentieren, produzieren und mit anderen Slammern und ihrem Publikum in den Austausch treten. Neben den eigentlichen Kandidaten, gibt es einen Open-Mic-Moment, bei dem Slammer aus dem Publikum spontan auf die Bühne kommen können. Mit der Organisation des Slam’heures Contest bieten das Goethe-Institut in Zusammenarbeit mit dem Ombr Blanch Label und der Ligue de Slam Africain der Slam-Szene Ouagadougous ein regelmäßiges Podium, stärken den Slam als literarische Kunstform und wecken das Interesse einer breiten Bevölkerung. Der Sieger des Slam’heures Contest bekommt den Slam’heures Contest- Wanderpokal überreicht, den er beim nächsten Mal verteidigen muss. Darüber hinaus erhält er die Möglichkeit einen Text im Ombr Blanch Label aufzunehmen.

Der Gewinner der ersten beiden Slam’heures Contest Soubarov Mystère dazu „Ich finde die Idee des Slam’heures Contests sehr gut, da es in Burkina Faso keine wirkliche Bühne für Poetry Slam gibt.“

In den ersten beiden Wettbewerben konnte sich Soubarov Mystère als Sieger behaupten. Beim dritten Slam’heures Contest gewann erstmals eine Frau: Nira. Sie war bereits bei dem ersten Abend als Kandidatin dabei und bisher auch die einzige weibliche Teilnehmerin. Bereits während ihres Slams spürte man die Begeisterung des Publikums sehr deutlich. Ihr Text thematisierte die Instrumentalisierung von Religion und damit die abstruse Konstruktion religiöser Konflikte. Mit ihrem Slam hinterfragte sie den Grund dieser Glaubenskriege. Ein hochaktueller Text im Kontext der momentan geführten weltweiten Debatte um Fundamentalisierung und dem Vorschreiten der Boko Haram Sekte in der Region.

Slam in Burkina Faso

Slam ist in Burkina Faso noch recht neu. Maßgeblich verbreitet und gefördert wurde dieses literarische Genre durch Ombr Blanch, der zuerst seine musikalische Karriere als Rapper begann und dann fasziniert vom Slam verstärkt zum Slam umschwenkte. Ombr Blanch brachte einige Alben heraus und gründete mit anderen Slammer der ersten Stunde die Gruppe „Le collectivs royal slam“, die es sich zur Aufgabe gemacht haben Live-Performances und Workshops zu organisieren und so die junge Poetry Slam Szene zu fördern und zu etablieren. Es folgte die Gründung der Radiosendung „100% Slam Radio“ beim lokalen Radiosender „Radio Jeunesse“. Mit der zunehmenden Präsenz von Slammern auf Großveranstaltungen sowie bei Fernsehshows vergrößerte sich recht schnell die Slam Szene in Ouagadougou und Burkina Faso. Nach der Aussage von Ombr Blanch gibt es heute in Burkina Faso über 100 Poetry Slammer, die nicht nur in den städtischen Zentren leben, sondern in allen Regionen Burkina Fasos. Nach einem zähen Beginn hat sich für Ombr Blanch der Slam in Burkina Faso gut entwickelt. So gibt es heute nicht nur einzelne Slam-Auftritte im Rahmen von großen Ereignissen wie Festivals, sondern auch Veranstaltungen, die sich ausschließlich dem Slam widmen. Seit 2013 organisiert der burkinische Staat den nationalen Slam-Wettbewerb „Je slam pour ma patrie“. Im Jahr 2014 startete Ombr Blanch das Slamfestival „Plu-Oui-De-Mo“ in Kooperation mit der Ligue Africaine de Slam, dem Ombr Blanch Label und dem Goethe-Institut. An fünf Tagen wurden Workshops und Konzerte mit internationalen Gästen aus Belgien, Frankreich, Benin, Kamerun, der Côte d’Ivoire, Gabun, Mali, Niger, Senegal, Tschad und Togo organisiert. Und seit Ende 2014 Slam’heures Contest.

Ombr Blanch erhofft sich für die Zukunft, dass der Slam’heures Contest noch mehr Zuschauer und Slammer anzieht und der Sieger anschließend andere Auftrittsmöglichkeiten bekommt. Des Weiteren wünscht sich Ombr Blanch, dass sich der Slam weiter in der Kunstszene etabliert und es mehr und mehr Festivals und Workshops zu Slam gibt. Hierbei stellt er sich auch vor, dass man verstärkt in die Stadtviertel geht: „Slam ist die Poesie der Straße“. Slam war bisher nur einer Minderheit zugänglich. Durch einen Schritt in die unterschiedlichen Stadtviertel hinein, könnte man mehr Menschen erreichen und würde wesentlich zur Verbreitung und Popularität des Slams beitragen.

Slam’heures Contest findet jeden letzten Freitag im Monat um 19 Uhr im Goethe-Institut statt.