„Urbane Landschaften“ Der andere Blick auf unsere Städte

Die in der Ausstellung „Urbane Landschaften“ vorgestellten Werke kommen aus Fotoserien von sechs Fotografen aus vier afrikanischen Ländern. Vom Goethe-Institut im Rahmen des dritten „Carrefour des Arts Plastiques Ouagadougous“ (Festival für bildende Künste) initiiert, zeigt diese Ausstellung ein anderes Bild, vertraut, aber wenig bekannt, von Städten des Kontinents.

  •  © Goethe-Institut (Francois d'Assise Ouédraogo)
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Entdeckung und Bewunderung zeitgenössischer Städte

Wir zollen den urbanen Landschaften nur wenig Beachtung. Gebäude und Betonklötze erinnern uns an nichts, unsere Augen richten sich nie auf die Straßen, auf denen wir wandeln und nicht einmal die Gesichter der Anwohner erwecken unsere Aufmerksamkeit. Die Ausstellung „Urbane Landschaften“ stellt eine Betrachtungsweise dar, die das alltägliche Leben im öffentlichen Raum, das es zu entdecken gilt, unsterblich werden lässt. Mehrere Dutzend Fotografien in Farbe und schwarz-weiß, die weniger bis nicht bekannte Ansichten Ouagadougous, Lagos, Luandas und Addis-Abebas widerspiegeln, stellen den Schauplatz der Ausstellung dar.

Als Repräsentation von flüchtigen Momenten erlauben diese Fotografien es, Spuren von einem Leben der Suche, der Entdeckungen und der Bewunderung zu transportieren. So sagt Valérie Jouve, Fotograf aus dem Milieu zeitgenössischer Kunst: „Ich sorge mich nicht um das Werk, mein Interesse am Foto ist, dass dieses es erlaubt, die Realität wieder in Bewegung zu setzen und diese komplett an einen anderen Ort zu bringen.“ Die Werke der Künstler zeigen so die Gesichter und den Blickwinkel dieser zeitgenössischen Städte. Und hierdurch Momentaufnahmen und Details des alltäglichen Lebens dieser Städte.

Die fotografischen „Jäger“ der Zeit

Mit „Urbane Landschaften“ bleibt die Zeit durch Aufnahmen von Adeola Olagunju aus Nigeria, Délio Jasse aus Angola, Eyoeal Kefyalew aus Äthiopien und Michel T. Zangré, Ousmane Belem und Saïdou Dicko aus Burkina Faso stehen, damit man diese städtische alltägliche Routine entdecken kann, die sonst unbemerkt bleibt. Hier teilen die Fotografen ihren Alltag und schaffen es zudem, eine Distanz aufzubauen und mit einem solchen Staunen die Städte zu betrachten, aus denen sie kommen, als würden sie diese zum allerersten Mal entdecken. Von den turbulenten Aktivitäten in „Ein Tag im Leben Henrys“ aus Lagos bis „Stille der Märkte“ aus der Siedlung An II in Ouagadougou ist alles in diesen Bildern in eine Art unwirkliche Stille eingehüllt, als ob die Städte in diesem Moment erstarrt wären. Mit den schönen Gebäuden Luandas mit „Terreno ocupado“ bis zu den „Straßen von Addis-Abeba“ oder auch unter den „Lichtern über der Stadt“ der untergehenden Sonne von Ouagadougou, bestehen diese Bilder, um dem Besucher eine einzigartige urbane Landschaft zu zeigen. Durch die Darbietung von Aufnahmen von städtischen Landschaften und Architekturen, der Dynamik der Städte durch ihre Bevölkerung oder auch nur durch Schatten, erforschen die Fotografen von Ouagadougou bis Addis-Abeba über Lagos und Luanda den Raum zwischen den verschiedenen Ländern von einem Ende des afrikanischen Kontinents bis zum anderen. Eine Einladung, an ihrer Seite die Straßen von hier und dort durch diese urbanen Landschaften neu zu entdecken.

Urbane Landschaften und Urbanisierungsprozesse

Wenn man akzeptieren muss, dass die Urbanisierung in der ganzen Welt und besonders auch in Afrika unaufhaltsam ist, dann stellt das Verhältnis zwischen der Stadt und der Natur eine höchst dringliche Problematik dar. Die Ausstellung „Urbane Landschaften“ zeigt somit alle Dimensionen dieses Transformationsprozesses, der zugleich ökonomischer, politischer, sozialer und kultureller Natur ist.

Bis zum Jahre 2050 werden 60% der weltweiten Bevölkerung in Städten leben. Dennoch ist die Urbanisierung in Afrika besonders stark ausgeprägt. Unter dem Einfluss der „Landflucht“ und einer sehr hohen Geburtenrate werden die Städte von 350 Mio. Einwohnern im Jahr 2005 auf über 1,2 Mrd. im Jahr 2050 steigen, wobei jetzt schon 165 Mio. Menschen in Subsahara-Afrika in Slums leben. Eine Explosion der urbanen Räume, die ungeplant verläuft, ohne Zuwendungen und Reglementierungen. Der Blick von „Urbane Landschaften“ gibt somit eine Idee dieser Mutation wieder, die sich seit einiger Zeit besonders in sozialer und kultureller Hinsicht vollzieht.

Diese Ausstellung hinterfragt ebenfalls die Zukunft dieser stetig wachsenden Städte. Die Frage nach dem Wachstum und der Verwaltung der afrikanischen Städte wird in der Regel nur aus einer recht fatalistischen Perspektive behandelt. Die Bilder, die auf diese Städte projiziert werden, zeigen sehr oft Szenen der Unordnung und/oder des Chaos. Wilde Urbanisierung, Slums, Hygieneprobleme etc. Im Gegensatz hierzu zeigen diese „Urbanen Landschaften“ ein anderes Bild, das es wert ist, beachtet zu werden.