Festival Südafrikanisches Künstlerkollektiv zu Besuch in Ouagadougou













Anfang März befand sich die Musikszene Ouagadougous in einem Ausnahmezustand: das Studio OUAGA JUNGLE lud zum zweiten Mal zum Festival Africa Bass Culture (ABC) ein. Das Festival für digitale Kunst und Elektromusik brachte nicht nur nationale, sondern auch internationale Gäste auf die Bühne.

Mit dabei waren Batuk, ein Künstlerkollektiv aus Südafrika. Die Gruppe besteht aus der Künstlerin Carla Fonseca alias Manteiga, dem DJ und Musikproduzenten Chobolo Eric Manyelo alias Aero Manyelo und Nthato Mokgata alias Spoek Mathambo, der auch als DJ, Filmemacher und Musikproduzent einen Namen gemacht hat. Aktuell touren Batuk mit ihrem ersten Album „Musica da Terra“ erfolgreich in Afrika und Europa. Ihre Musik ist stark in der südafrikanischen House- und Elektromusik verwurzelt, wobei sie mit diversen Musikern weltweit zusammenarbeiten und gemeinsame Songs produzieren. Aero Manyelo und Spoek Mathambo sind bekannte Namen der Housemusikszene Südafrikas und sind somit für die Kompositionen verantwortlich, wobei die Künstlerin und Sängerin Manteiga die Lyrics schreibt. Ihre Performances sind energetisch und das Publikum steht nicht selten am Ende selbst mit auf der Bühne. So auch im L’Emaraude, einem kleinen, aber gut ausgestatteten Club im populären Viertel Gaunghin von Ouagadougou. Nachdem sich Aero Manyelo hinter seinem DJ-Pult positioniert hat, dröhnt tiefer Bass aus den riesigen Boxen, der dem Namen des Festivals alle Ehre macht. Kurz darauf beginnen Manteiga und Spoek Mathambo mit ihrer Performance und bringen das Publikum zum Tanzen.

Die Mitglieder von Batuk sind Multitalente, die sich nicht auf wenige künstlerische Tätigkeiten reduzieren lassen und so war der eigentliche Grund ihres Aufenthalts in Burkina Faso ein anderer, nämlich der, ein experimentelles Roadmovie zu drehen. Partner des Vorhabens war das Goethe-Institut/ Verbindungsbüro Ouagadougou.

Carla Fonseca und Nthato Mokgata schrieben das Skript für den Film mit dem Arbeitstitel „Burkinabé“. Ntatho führt Regie, Carla spielt die Hauptrolle und Aero arbeitet an der Filmmusik. Das Goethe-Institut ist für die Produktion verantwortlich. Das Filmvorhaben wird mit viel Energie und Leidenschaft von burkinischen Schauspielern und einem kompetenten Filmteam begleitet. Dieser Film ist wohl die erste burkinisch-südafrikanische Filmproduktion und wird hoffentlich noch mehr Süd-Süd-Kooperationen animieren.

Wir haben die Künstler aus Südafrika interviewt und ihnen einige Fragen zu ihrer Arbeit gestellt.*

Warum habt ihr den Namen “Batuk” gewählt? Hat er eine besondere Bedeutung?

Manteiga: „Batuk“ hat viele Bedeutungen… es ist eine Trommel, eine Religion ein Tanz. Für uns dreht sich alles um Drums und Grooves in der Musik.

In welche Sprachen, außer Englisch, schreibt ihr eure Songs?

Manteiga: Wir verwenden viele Sprachen für unsere Songs, da wir mit vielen verschiedenen Kulturen arbeiten. Auf unserem ersten Album war Portugiesisch die Hauptsprache, genau wie Xhosa, Shangaan, Xitonga, Lingala, Swahili und viele weitere.

Glaubt ihr, dass eure Performance auf dem Festival „Africa Bass Culture“ erfolgreich war?

Manteiga: Ja, sie war ein großer Erfolg. Wir glauben, dass die Stimmung in Burkina Faso großartig ist. Die Leute haben getanzt und sie hatten eine Menge Spaß, als wir auf die Bühne kamen. Ich glaube, dass es am besten für dieses Nachtprogramm gewesen wäre, wenn lokale, burkinische Musik mit ausländischen Sounds gemixt worden wäre.

Wie würdet ihr eure eigene Musik beschreiben?

Manteiga: Ich würde sie als sehr energetische und positive Musik beschreiben. Die Basis eines Großteils unserer Musik ist das Gefühl „Liebe“. Selbst wenn wir einen Antikriegssong wie „Gira“ produzieren, geht es um Liebe. Wir arbeiten mit hoch energetischen Jams, die mit Liebe durchsetzt sind.

Was sind eure Pläne und Träume für die Zukunft von “Batuk”?

Mateiga: Wir haben viele Plän, aber wir lassen uns gerne Zeit mit unserem Projekt. Im Moment komponieren wir unser zweites Album, haben Spaß dabei und versuchen gute Songs zu machen.

Ihr wart schon in vielen Ländern, um eure Musik vor Publikum zu spielen. Könnt ihr uns ein paar Beispiele nennen?

Manteiga: Wir sind durch Burkina Faso, Frankreich, Italien, Spanien, Schweden, Portugal, Polen, Uganda, Großbritannien, Deutschland und die Niederlande getourt. Natürlich hatten wir auch Auftritte in Südafrika und in Mosambik.

Warum habt ihr euch dafür entschieden, einen Film zu drehen? Wie ist die Idee dafür entstanden?

Manteiga: Ich habe einen Hintergrund im Theaterbereich, wo ich bereits Erfahrungen mit Regie und Schauspiel gesammelt habe. Einen Spielfilm zu drehen war immer etwas, was ich machen wollte. Nthato hat ebenfalls eine große Leidenschaft fürs Filmemachen. Als wir die Möglichkeit bekommen haben, mit dem Goethe-Institut und den großartigen burkinischen Talenten zu arbeiten, mussten wir nicht lange überlegen.

Ist das euer erster Film?

Spoek: Ja, es ist unser erster langer Spielfilm. Wir waren also sehr aufgeregt. Ich habe vorher bereits eine Dokumentation namens „Future Sound of Mzansi“ gedreht und derzeit arbeite ich an einer weiteren Dokumentation namens „Mutant“.

Wie ist die Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut / VB Ouagadougou entstanden?

Manteiga:
Spoek hat Caro vor ein paar Jahren in Bayreuth getroffen und sie haben damals über eine mögliche Zusammenarbeit gesprochen. Wir waren sehr froh, dass wir mit dem Goethe-Institut / VB in Burkina Faso zusammenarbeiten durften, denn wir glauben, dass dort gute Arbeit geleistet wird.

Wie würdet ihr die Botschaft eures Films zusammenfassen?

Manteiga: Der Film befasst sich mit der Frage, was „Heimat“ für junge Menschen aus Afrika bedeutet. So viele von uns sind in urbanen Zentren inmitten einer ländlichen Umgebung aufgewachsen. Viele andere wurden komplett aus ihren Heimatländern- oder Regionen herausgerissen. Der Film handelt von einer jungen Frau, die das erste Mal nach Burkina Faso reist, seit sie es im Säuglingsalter verlassen hatte. Sie ist an Krebs erkrankt und steht kurz vor ihrem Tod, als sie in das Land ihrer Geburt zurückkehrt. Sie möchte auf dieser Reise zu sich selbst finden und ihre letzten Tage im Land ihrer Vorfahren verbringen. Sie kennt weder Sprache noch Kultur und Normen des Landes. Sie begibt sich auf die Suche, um sich mit ihrer Familie und ihren Wurzeln wieder zu verbinden.

Könnt ihr euren Alltag während des Filmdrehs beschreiben? Hat er euren Erwartungen entsprochen oder seid ihr auf unerwartete Schwierigkeiten gestoßen?

Manteiga: Woah! Das war die längste Zeitperiode, in der ich früh aufgestanden bin, um zu arbeiten, die ich jemals hatte. Ich bin viele Tage hintereinander um 4:00 Uhr morgens aufgewacht. Es war nicht einfach, aber wir wollten das wunderschöne Morgenlicht Burkina Fasos einfangen.

Die Sprache und die Verständigung war wahrscheinlich die größte Herausforderung, weil sich unser Team aus Menschen mit so viel verschiedenen Nationalitäten zusammensetzte. Aber ich glaube, dass wir das gut gemeistert haben.

Glaubt ihr, der Dreh war ein Erfolg? Warum?

Manteiga: Der Dreh war ein großer Erfolg und nun halten wir einen wirklich tollen und einzigartigen Film in unseren Händen. Südafrika und Burkina Faso arbeiten nicht oft kulturell zusammen, also ist das ein guter Anfang, um daran anzuknüpfen.

* Das Interview wurde auf Englisch geführt.