Elektromusik in Burkina Faso Eine Szene im Aufschwung

  •  © Francois d’Assise Ouédraogo
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Burkina Fasos Musikszene ist lebendig und vielfältig. Gemessen an ihrer Größe und an ihrer internationalen Präsenz lässt sie sich vielleicht nicht ganz mit den Musikszenen aus Mali und dem Senegal vergleichen, doch seit zehn Jahren ist insbesondere die lokale Live-Szene stetig gewachsen. Insbesondere in der Hauptstadt Ouagadougou gibt es zahlreiche Festivals und Konzerte. Von Rock (Rock à Ouaga) über Elektro (Africa Bass Culture) bis Jazz (Jazz à Ouaga) und Hip Hop (Waga Festival) sind fast alle Genres vertreten.

Bis heute ist die burkinische Musik genreübergreifend stark von traditionellen Einflüssen geprägt, was sich nicht nur in entsprechenden Rhythmen, Klangmustern und Instrumenten manifestiert, sondern auch in den Sprachen, derer sich burkinische Musiker bedienen. Neben dem Französischen spielen einheimische Sprachen eine zentrale Rolle. Dennoch hat die internationale Musikindustrie einen großen Einfluss auf lokale Dynamiken. Früher machten sich die Einflüsse insbesondere in den Bereichen Jazz, Funk, Blues und in der modernen Orchestermusik bemerkbar, heute manifestieren sie sich vor allen Dingen im Hip Hop und in der Weltmusik. Die burkinische Elektromusik ist von dieser Dynamik nicht ausgenommen. Auch hier treffen traditionelle und internationale Einflüsse aufeinander: digitale Kompositionen werden mit traditionellen Instrumenten und Gesängen vereint. Umgekehrt ist die burkinische Elektroszene international bisher nicht sehr bekannt, was sie stark von den Elektroszenen anderer afrikanischer Länder unterscheidet, die in Europa momentan sehr populär sind. Musiker wie das Künstlerkollektiv Batuk (SA), Black Coffee (SA), Ibaaku (Senegal) oder Gato Preto (DE/Senegal) sind durch entsprechende Auftritte beispielsweise auch in Deutschland mittlerweile sehr bekannt. Allerdings entstanden die Elektroszenen in diesen Ländern schon deutlich früher als in Burkina Faso, denn erst 2016, mit dem Debüt des Festivals Africa Bass Culture, erlangte das Genre in Burkina Faso öffentliche Aufmerksamkeit. Damit verfügt die Szene über viel ungenutztes Potential, das in Zukunft noch ausgeschöpft werden kann.

Ungenutztes Potential besteht auch im Bereich der öffentlichen Kulturförderung. Es gibt eine Anzahl burkinischer Kulturorganisationen, die einheimische Künstler unterstützten. Dazu gehören die Mitorganisatoren der eingangs erwähnten Festivals, genauso wie das Bureau Burkinabè du Droit d'Auteur (BBDA) und verschiedene Gewerkschaften. Gleichzeitig ist die lokale Musikszene in Hinblick auf ihre Sichtbarkeit (z.B. in der Bereitstellung von Auftrittsorten) sowie in Bezug auf Fort- und Weiterbildungsangebote stark auf die Präsenz internationaler Kulturinstitute angewiesen. Neben dem Institut Français spielt das Goethe-Institut / VB Ouagadougou in dem Zusammenhang eine wichtige Rolle. So fand auf dem Gelände des Verbindungsbüros im Mai dieses Jahres beispielsweise ein Workshop der beiden Berliner DJanes Sasha Perera alias Perera Elsewhere und Johanna Grabsch alias Born in Flamez statt. Das Goethe-Institut hatte die beiden Künstlerinnen eingeladen, ihre Expertise im Rahmen einer knapp drei Wochen langen Tour durch Ouagadougou, Abidjan und Yaoundé an interessierte afrikanische Musiker weiterzugeben. Ihr Projekt war zweigeteilt: in jeder Metropole standen sie nicht nur selbst als DJanes auf der Bühne, sondern vermittelten Kenntnisse über die Kunst des DJings und die Produktion elektronischer Musik. In Ouagadougou dauerte der Workshop insgesamt drei Tage. In der ersten Sitzung drehte sich alles um das Thema DJing, während die circa zehn Teilnehmer in den anderen beiden Sitzungen die Gelegenheit erhielten, mit der Musiksoftware Ableton zu arbeiten und eigene Aufnahmen zu erstellen. Unter den Teilnehmern befand sich nur eine Frau. Das ist ein durchaus bekanntes Problem in der Elektroszene: international wird sie bis heute weitestgehend von Männern dominiert. Dennoch gibt es Musikerinnen, wie die beiden Berliner DJanes, die sich dieser Dynamik mit ihren Projekten bewusst entgegenstellen. Beide Frauen zeichnen sich nicht nur durch ihr umfangreiches Können aus, sie setzen sich darüber hinaus kritisch und kreativ mit Gender- und Geschlechterstereotypen auf musikalischer Ebene auseinander.

Insgesamt war der Workshop ein voller Erfolg. Die Teilnehmer waren motiviert und die Zusammenarbeit der beiden Künstlerinnen verlief sehr harmonisch. Zwar war es für sie die erste gemeinsame Tournee, jedoch kannten sie sich bereits durch gemeinsame Projekte in Deutschland und waren daher gut aufeinander abgestimmt. Das zeigte sich auch bei ihrer gemeinsamen Performance auf der TIGRI #1-Party im Garten des Goethe-Instituts / VB Ouagadougou, die in Kooperation mit Africa Bass Culture organisiert wurde. Eine ganze Nacht lang legten sie dort abwechselnd mit DJs aus Burkina Faso auf. Ihr dynamischer Mix aus Grime, Kuduro, Dubstep und Hip Hop animierte die zahlreichen Besuchern zu ausgelassenen Tänzen und verwandelte den sonst so idyllischen Garten des Verbindungsbüros in eine energiegeladene Tanzfläche.