Wer sind diese zwei nackten Männer und die nackte Frau?

Ein Kommentar von Saïdou Alcény BARRY über die Ausstellung SIT-IN von Koffi Mens.

  •  © Goethe-Institut (Francois d'Assise Ouédraogo)
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Drei große, nackte Schwarze, auf unterschiedlichen Objekten sitzend, stumm wie von der Stille umhüllt. Es ist ein Sit-in, eine friedliche Demo. Keine hochgehaltenen Schilder. Kein Ruf kommt über diese dicken Lippen, diese Gesichter in einem geheimnisvollen Lächeln verschlossen. Zu dritt ist man noch keine Menschenmasse, aber es ist offensichtlich, dass Minderheiten noch nie eine Menschenmasse ausgemacht haben. Normalerweise leiden Minderheiten und verschiedene Individuen vielmehr unter der Wut der Masse. Und manchmal entwickeln Minderheiten auch ein besonderes Talent. Jenes, sich unsichtbar zu machen und weit weg von der Masse zu leben. Aber diese drei dort möchten gesehen werden. Es gibt nichts Besseres als die Nacktheit, um Blicke auf sich zu ziehen. Sie haben priapische Geschlechtsteile, steif wie Standarten. Oder offene Schamlippen wie der Anfang der Welt.

Die Skulpturen sind nackt, aber diese Nacktheit ist weder unmoralisch noch schockierend. Sie kann auch gar nicht schockieren, denn es ist nicht die Intention von Koffi Mens, zu schockieren, sondern vielmehr ihre Forderung mit adäquaten Mitteln darzustellen. Was wäre ausdrucksstärker, um die Sexualität darzustellen, als ein steifes Glied, wie auch einen erhobenen Arm zum Zeichen des Sieges?

Die Skulptur ist, weil sie den Körper materialisiert, ihm eine fühlbare Konsistenz und eine Präsenz in der Welt gibt, wesensgemäß der Ort der Nacktheit. Der Koloss von Rhodos ist nackt, Kouros ist nackt. Die Nouba von Ousmane Sow sind nackt. Legba, der Schutzgott im Voodoo ist priapisch. Die Marionette der Dogon hat ein Glied wie eine Zugbrücke. Und der Initiierte betritt die Fetischhütte nackt.

Koffi Mens ist durch seine Portraits der optischen Täuschung bekannt geworden, und jetzt entdeckt man ihn mit SIT-IN erneut als Bildhauer. Die Skulptur von Koffi Mens schöpft aus allen Quellen, der afrikanischen Bildhauerkunst und der westlichen Bildhauerei, um seine Figuren wie die Plastinate von Gunther Von Hagens zusammenzuschneidern, und die die Finesse der Werke von Ndary Lo sowie die grotesken und gequälten Aspekte der Figuren von Soly Cissé und Zinkpè haben. Das ist es, warum von diesen Riesen etwas zerbrechliches, zartes und inoffensives ausgeht. Und ist das SIT-IN nicht auch die Demonstrationsweise der Vertreter der Gewaltfreiheit? Von Luther King und Gandhi. Peace and love.

SIT-IN ist ein Manifest für mehr Freiheit. Die Freiheit, um seine Unterschiedlichkeit leben zu können. Koffi Mens bringt durch diese Installation ein Thema auf die Tagesordnung, das bislang in der öffentlichen Debatte in Burkina Faso fehlt. Ist es nicht dort, weil es andere, dringendere und besorgniserregendere Themen gibt? Oder weil man es nicht existieren lässt, dadurch dass man es nicht erwähnt? Koffi Mens erkennt die Dringlichkeit, davon zu sprechen. Man sollte den Künstlern zuhören, denn sie haben das dritte Auge wie der Riese, der bei SIT-IN sitzt. Ist Koffi ein Sehender? Sehende setzen manchmal die Maske der Voyeure auf…