„Pneuvolution: Die Spuren der Zeit“
von Issouf Diero

Ein Kommentar von Saïdou Alcény BARRY
 

  •  © Goethe-Institut (Francois d'Assise Ouédraogo)
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Der KUNSTRAUM226 präsentiert seit Donnerstag, 25. Januar 2018 eine Installation von Issouf Diero. Dieser Künstler aus Bobo Dioulasso arbeitet hauptsächlich mit Reifen, einem Material, welches er bei seinem Vater entdeckt hat, einem Schuhmacher, der hieraus unverwüstliche Schuhe hergestellt hat. Er, selbst wenn er die Verbindungsschnur des handwerklichen Wissens von Vater zu Sohn nicht abreißen lässt, leitet eine kleine Revolution ein: Er macht aus den Reifen nun keine Sandalen mehr, sondern Kunstwerke!

Pneuvolution ist eine Installation, die Kunstwerke aus Reifen mit Video verbindet. Der Künstler feiert den Reifen, indem er die Geschichte und Kategorisierung der bildenden Künste hinterfragt. Im Eingangsbereich des Ausstellungssaals wird der Besucher von einem Video empfangen, welches Bilder des Verkehrs zeigt. Eine Parade von Reifen jedweder Größe: Räder von kleinen Fahrzeugen, Autoräder bis hin zu großen Michelin oder Bridgestone-Rädern der Kolosse. Im Hauptsaal ist ein zusammengesetzter Teppich aus großen Bändern aus Reifen an der Wand befestigt, mit dreidimensionalen Spielereien. Gegenüber drei Bilder, aus Reifen gemacht. Man versteht, warum die Ausstellung den Zusammenhang zwischen der Starrheit der Reifen, die zu Kunstwerken von Diero geworden sind, und der Mobilität von den gefilmten Reifen in der Stadt darstellt. Der Besucher sitzt zwischen der Kinetik der Reifen einerseits und ihrer majestätischen Immobilität andererseits fest. Wie zwischen Leben und Tod? Oder zwischen einem ersten Leben und dem letzten, welches er den Reifen gibt?

Der Wandteppich von Diero! Der Künstler begnügt sich damit, die Bänder miteinander zu verknüpfen, ohne zu versuchen, die Unebenheiten, die Spuren der Zeit weder auszugleichen noch zu kaschieren. Ganz das Gegenteil der schillernden Wandteppiche von El Anatsui, aus glänzenden und lackierten Kronkorken gefertigt. Man kann sich fragen, warum der Künstler das Material so wenig bearbeitet hat. Und man wird sich an seinen Bezug zum Reifen erinnern. Er bedient sich nicht des Materials, er dient ihm. Das ist der große Unterschied. Denn das Material sich unverfälscht ausdrücken zu lassen, zwingt den Erschaffer dazu, ein großes Vertrauen in dieses Material zu haben. Und es erfordert, dass er sich sehr zurückhält, eine Arbeit a minima, eine Möglichkeit der Unfertigkeit… Ganz im Gegenteil z.B. zu Wim Delvoye, der den Reifen wie Spitze verwendet, in die es Ornamente einzuweben gilt.

Und die drei Bilder! Es sind natürlich schwarze Monochrome mit den Spuren von Reifen und Nuancen hervorgerufen durch den Gebrauch, durch Narben, Falten und Risse. Sind es Bilder oder Hochreliefs? Muss man sie als Triptychon ansehen oder als 3 unabhängige Bilder? Befragen uns diese Bilder nach dem Wert der Grenzen zwischen einer Leinwand und einer Skulptur? Es ist nicht die Antwort, die wichtig ist, sondern die Frage. Und es ist hierdurch, dass die Ausstellung von Diero interessant ist und einen neuen Wind mit sich bringt.

Eine Vielzahl von Beobachtern der Kunstszene in Burkina bedauert mehr und mehr die fehlende Kreativität der burkinischen Bildhauer, festgefahren in Praktiken, die zwischen Kunsthandwerk und einer Routinekunst schwanken, als ob die Bronze, ihr bevorzugtes Material, sie hat versteinern lassen. Es ist also mit Freude zu beobachten, dass aus Bobo Dioulasso ein Künstler hervorgeht, der einen neuen Vorschlag mit sich bringt, gewagt und originell. René Char sagte, dass „diejenigen, die auf die Welt kommen, um nichts durcheinanderzubringen, weder Beachtung noch Geduld verdienen“. Die Installation von Issouf Diero ist irritierend. Also ist sie willkommen in der Welt der Künste in Burkina Faso, um die Erstarrung der Bildhauer zu stören und neue Anstöße in die toten Hölzer der Routine zu bringen.